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Denkmalschutz

Fronfeste: Sicherung geht vor

Heuer sollte in Burglengenfeld mit der Sanierung begonnen werden. Ein eingestürztes Gewölbe wirft den Plan durcheinander.
Von Thomas Rieke

Der Gefängnisturm (rechts) ist Teil der früheren Stadtbefestigung und befindet sich an der West-Ecke der Stadtmauer. In ihm befinden sich drei Arrestzellen, welche erstmals in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts als „Gefängnis“ erwähnt worden sind. Foto: Archiv/ba
Der Gefängnisturm (rechts) ist Teil der früheren Stadtbefestigung und befindet sich an der West-Ecke der Stadtmauer. In ihm befinden sich drei Arrestzellen, welche erstmals in den 30er Jahren des 16. Jahrhunderts als „Gefängnis“ erwähnt worden sind. Foto: Archiv/ba

Burglengenfeld. „Akute Einsturzgefahr für den Gefängnisturm. Sofortige Sperrung des Stadtgrabens...“ Diese dramatisch klingende Meldung aus der Presseabteilung des Rathauses ließ am 19. Juni aufhorchen. Für viele Burglengenfelder weckte sie ungute Erinnerungen. Einsturzgefahr? Gefahr im Verzug? War damit im September 2017 nicht auch die (bis heute andauernde) Sperrung des Stegs zu den Naabauen begründet worden?

Der Stadtgraben ist bis auf weiteres gesperrt. Für die Erschließung des Quartiers sei dies kein großer Nachteil, heißt es. Foto: Stadt Burglengenfeld
Der Stadtgraben ist bis auf weiteres gesperrt. Für die Erschließung des Quartiers sei dies kein großer Nachteil, heißt es. Foto: Stadt Burglengenfeld

Die Nachricht vom schlechten Zustand des Turms an der Nord-West-Ecke der historischen Stadtmauer kommt jedenfalls zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Heuer sollte nämlich die Sanierung des Fronfeste-Ensembles in Angriff genommen werden. Die Pläne liegen fix und fertig am Tisch von Stadtbaumeister Franz Haneder. Nun aber hat zunächst einmal die Sicherung des historischen Gebäudes Priorität. Vieles muss überdacht, vielleicht auch neu berechnet werden?

Der Streit um den Vorbau

Die Sanierung war in jüngster Vergangenheit eines der heißesten Eisen im Stadtrat. Denn: Ursprünglich, noch unter Regie des damaligen Bürgermeisters Heinz Karg, war vorgesehen, nur den Turm, dessen älteste Bauteile aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen, zu erhalten; das vorgelagerte Gebäude mit der wenig reizvollen Optik eines mehrfach umgebauten Wohnhauses aus den 1960er Jahren sollte geopfert werden, um den ehemaligen Gefängnishof freizulegen.

Nach dem Machtwechsel im Rathaus, im Juni 2014, dann ein Umschwenken. Haneder warb plötzlich für den Erhalt des Vorbaus. Der Grund war kein persönlicher Sinneswandel, sondern eine kritische Stellungnahme des Oberkonservators vom Landesamt für Denkmalpflege (LfD). Bei Untersuchungen hatte sich herausgestellt, dass Teile des Objekts deutlich älter sind als vermutet. Deshalb sei es zu bewahren. Einem Abbruch-Antrag verweigerte das Landratsamt deshalb die Zustimmung, und die Regierung der Oberpfalz machte deutlich, dass sich eine Förderung der Sanierung an der Bewertung des LfD orientieren werde.

Die BWG im Stadtrat, der bekanntlich der frühere Rathauschef Karg angehört, wollte sich bis zuletzt mit der neuen Entwicklung nicht abfinden. Fraktionssprecher Albin Schreiner sprach angesichts der nun auf rund 1,5 Millionen Euro veranschlagten Kosten noch im Herbst 2017 von purer Verschwendung. Das Nutzungskonzept sei alles andere als überzeugend, im Prinzip benötige Burglengenfeld den Vorbau überhaupt nicht. Durch einen Abbruch aber könnte Freiraum gewonnen werden, der die Lebensqualität der Anlieger steigere.

Trotzdem gelang es Haneder letztlich, eine Mehrheit für die große Lösung zu schmieden; mit ein Grund mag gewesen sein, dass ungewöhnlich hohe Fördermittel winken: 692331 Euro aus Mitteln der Städtebauförderung, 60000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung, 40000 Euro vom Bezirk Oberpfalz und 5000 Euro vom Landkreis Schwandorf. Zusätzlich hat Prof. Dr. Marion Kiechle, Bayerische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, 225000 Euro aus dem Kulturfonds Bayern in Aussicht gestellt.

Unsachgemäße Umbauten

2014 hat die Stadt den Turm erworben. Nicht als „Katze im Sack“, versichert der städtische Pressereferent, Michael Hitzek. Die Misere jetzt sei nicht vorhersehbar gewesen, sagt er und beruft sich dabei auf den Maxhütter Architekten Arthur Pufke, der zusammen mit der Stadt und dem Landesamt für Denkmalpflege das Sanierungskonzept erarbeitet und die Baualtersforschung betrieben hat. Das Problem sei, dass Teile der Fronfeste irgendwann unsachgemäß umgebaut wurden – zum Nachteil der gesamten Statik.

Jetzt sind laut Hitzek die Fachleute am Zug. Sie müssen herausfinden, wie der Turm am besten gesichert werden kann, ohne die historische Substanz zu schädigen. Die Regierung der Oberpfalz hat dafür bereits den vorzeitigen Baubeginn genehmigt. Was die zusätzlich anfallenden Kosten angeht, so gibt es freilich noch keine Schätzungen. Ungeachtet dessen laufen für die Sanierung vorbereitende Planungen, alle Förderanträge sind gestellt. Doch erst wenn die Bescheide vorliegen, dürfen die Handwerker anrücken. Um den kommunalen Haushalt heuer nicht zu sehr zu belasten, wird die Maßnahme sowieso über mehrere Jahre gestreckt. Heuer sieht das Budget nur 200 000 Euro für das Projekt Fronfeste vor.

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