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Wirtschaft

Für schnellere Pannenhilfe auf dem Feld

Der Landmaschinenspezialist Horsch arbeitet an einem cloudgestützten Assistenzsystem. Eine Stiftung fördert das Projekt.
Von Renate Ahrens

  • Geschäftsführer Philipp Horsch (rechts) zeigte Staatssekretär Albert Füracker (links) und den Vertretern der Beteiligten des Projekts die Betriebshallen in Schwandorf. Foto: Ahrens
  • Stolz präsentieren die Verantwortlichen den erhaltenen Förderbescheid. Foto: Ahrens
  • Albert Füracker kennt die Probleme der Landwirte. Er besitzt selbst einen Bauernhof. Foto: Ahrens
  • Für China produziere Horsch speziell riesige Landmaschinen, erklärte Philipp Horsch. Foto: Ahrens
  • Gut ausgebildete Fachkräfte seien wichtig, erklärte Horsch. Er wehre sich gegen die hohe Akademisierungsquote, sagte er und sprach sich für das Handwerk aus. Foto: Ahrens
  • Füracker staunte über die riesigen Lagerhallen. Foto: Ahrens
  • Horsch expandiere demnächst, erklärte der Geschäftsführer. Foto: Ahrens
  • Albert Füracker wollte Genaues über die Firma Horsch wissen. Foto: Ahrens

Schwandorf.Nahezu jeder Landwirt wird diese Situation kennen: Mitten auf dem Feld bleibt die Erntemaschine stehen. Die Zeit ist knapp – was ist zu tun? Die Lösung sehen Experten im neuen Forschungsvorhaben INVIA, einem neuartigen mobilen, „cloudgestützten Assistenzsystem für komplexe Landmaschinen“.

Heimat- und Finanzstaatssekretär Albert Füracker übergab am Freitag bei der Firma Horsch, einem der beteiligten Partner der Anwenderseite, für dieses Projekt einen Förderbescheid der Bayerischen Forschungsstiftung in Höhe von knapp einer Million Euro.

Geschäftsführer Philipp Horsch, Staatssekretär Albert Füracker sowie Dr. Gerd Schneider vom Fraunhofer-Institut freuen sich über den bewilligten Förderbescheid. Foto: Ahrens
Geschäftsführer Philipp Horsch, Staatssekretär Albert Füracker sowie Dr. Gerd Schneider vom Fraunhofer-Institut freuen sich über den bewilligten Förderbescheid. Foto: Ahrens

Die Erwartungen sind groß. „Unsere führende Stellung in der Landmaschinentechnik, die wir weltweit und mit einem Exportanteil von über 80 Prozent besitzen, können wir nur behalten, wenn wir Schlüsseltechnologien vorantreiben“, begrüßte Philipp Horsch, Geschäftsführer der Horsch GmbH, diese Unterstützung. Nur gemeinsame Anstrengungen brächten die Lösung. Denn diese soll es dem Fahrer ermöglichen, mithilfe einer Mensch-Maschine-Schnittstelle videogestützt und live vom Feld Hilfe vom Servicetechniker in der Zentrale zu bekommen.

Erweiterung der Wahrnehmung

Das Zauberwort lautet Augmented Reality, eine „computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung“. Manchmal seien es nur Kleinigkeiten, wie etwa eine falsche Maschineneinstellung, die zum Ausfall führten oder nicht die optimale Leistung erreichen lassen. Servicetechniker müssten oft weite Strecken fahren – wenn man beispielsweise an Länder wie China denke, wo Horsch Niederlassungen hat. Beide Seiten könnten dadurch Kosten senken.

Auf den Punkt gebracht: In Zukunft soll im besten Fall der Computer eine Diagnose stellen. Das ziehe allerdings ein weiteres Problem mit sich, so wurde deutlich. „Der richtige Umgang mit diesen potenziell riesigen Datenmengen wird eine extrem große Rolle spielen, gerade im Lebensmittelbereich“, erklärte Horsch. „Dazu brauchen wir unbedingt eine funktionierende Breitbandversorgung.“ Hier gäbe es großen Nachholbedarf. Sogar in „China und Sibirien“, betonte Horsch, gebe es einen besseren Breitbandausbau als in der Oberpfalz.

„Wir versprechen Ihnen, der Breitbandausbau wird sich verbessern, wir werden mindestens so gut werden wie China.“

Staatssekretär Albert Füracker

Auch deshalb brauche man dieses Projekt. Natürlich geht es zudem um Zeit. Diese Landmaschinen würden oft nur für wenige Tage im Jahr intensiv genutzt, für jede Fruchtart benötige man meist ein anderes Gerät, erklärt Dr. Georg Froehlich vom Institut für Landtechnik und Tierhaltung in Freising als einer der Partner des Forschungsprojekts, der MZ. Staatssekretär Füracker kennt diese Probleme aus eigener Erfahrung, schließlich war er im Landkreis Neumarkt vor seinem Einzug in den Landtag selbst Landwirt. Er zeigte Verständnis: „Wir versprechen Ihnen, der Breitbandausbau wird sich verbessern, wir werden mindestens so gut werden wie China. Für die Vernetzung digitaler Funktionen ist das notwendig.“

Zwei Jahre wird nun geforscht

Wichtig sei es, die Mittel schnell und flexibel zur Verfügung zu stellen, um diese „Pionierleistung“ und ihre Ideen umsetzen zu können. „Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft – darauf kommt es heute an“, betonte der Staatssekretär. Doch nicht nur große Firmen, auch kleine Landwirtschaftsbetriebe sollen Zugriff auf diese neuen Technologien haben, sagte Professor Lothar Frey von der Bayerischen Forschungsstiftung.

Sehr strukturiert werde das Vorgehen des Projekts sein, versprach Dr. Gerd Schneider vom Fraunhofer-Institut für Eingebettete Systeme und Kommunikationstechnik in München, das das Projekt auf wissenschaftlicher Basis unterstützt. Insgesamt zwei Jahre lang soll nun geforscht werden, nach einem Jahr könnten laut Schneider schon Demonstrationen erster Basisfunktionalitäten möglich sein.

Seit ihrer Gründung 1990 habe die Forschungsstiftung 831 Projekte für rund 546 Millionen Euro bewilligt, so Füracker. „Jeder Euro wird von der bayerischen Wirtschaft mehr als verdoppelt.“ Partner sind neben Horsch die InMach GmbH aus Neu-Ulm (Schwerpunkt Mensch-Maschine-Kommunikation), die Holmer Maschinenbau GmbH aus Schierling, die Smart Mobile Labs GmbH aus München (Technologien zur LTE-Datenübertragung), die Weptun GmbH aus München (Bereich mobile Videostreamübertragung) und die Landesanstalt für Landwirtschaft aus Freising.

Interessiert verfolgten die Gäste die Erklärungen von Philipp Horsch. Foto: Ahrens
Interessiert verfolgten die Gäste die Erklärungen von Philipp Horsch. Foto: Ahrens

Einen Einblick in die Tätigkeit der Firma Horsch gab es für alle Beteiligten bei einem Rundgang durch die Hallen. Horsch lebt und arbeitet gern hier in Schwandorf, erklärte er. „Hier produzieren wir mit Abstand am günstigsten.“

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