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Region Schwandorf
Freitag, 21. September 2018 25° 3

Bauarbeiten

Gebündelter Protest gegen Vollsperrung

In Maxhütte schreitet die Sanierung des Kanal- und Wassernetzes in der Regensburger Straße voran. Anlieger sorgen sich.
Von Thomas Rieke

Seit Dienstag ist die Regensburger Straße ab dieser Abzweigung komplett gesperrt. Gewerbetreibende befürchten teils erhebliche Einbußen. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich 640 Bürger. Foto: Rieke
Seit Dienstag ist die Regensburger Straße ab dieser Abzweigung komplett gesperrt. Gewerbetreibende befürchten teils erhebliche Einbußen. An einer Unterschriftenaktion beteiligten sich 640 Bürger. Foto: Rieke

Maxhütte-Haidhof.Dass das Kanal- und Wasserversorgungsnetz der Stadt massive Mängel aufweist und deshalb dringend saniert werden muss, ist hinlänglich bekannt. Um die marode Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, hat der Stadtrat einmütig ein umfangreiches Sanierungspaket geschnürt und beschlossen; bis 2020 sollen (MZ berichtete ausführlich) immerhin rund zehn Millionen Euro verbaut werden – und dann gibt es noch immer viel zu tun!

Zum Maßnahmenkatalog gehört auch die Regensburger Straße; dort sollte von der Firma Münnich am Dienstag bereits der zweite Bauabschnitt in Angriff genommen werden. Doch dies geschah nicht ohne Protest. Gerhard Schmid, Inhaber der Barbara-Apotheke, hat kurz vor Beginn der Arbeiten Unterschriften gegen die Vollsperrung der Straße gesammelt. Binnen einer Woche hätten sich rund 500 Bürger in die Listen eingetragen; insgesamt waren es dann 640 Menschen, die Schmid unterstützten.

„Man gräbt uns das Wasser ab“

„Wir werden von den Ärzten abgeschnitten! Man gräbt uns hier einfach das Wasser ab!“, beklagt Schmid – und wirkt dabei fast verzweifelt. Seit dreißig Jahren ist er in der Regensburger Straße ansässig; er hat viele Stammkunden, die teils aus den benachbarten Praxen direkt zu ihm laufen. Nun fürchtet er, dass sie sich notgedrungen neue Wege suchen. Aus seiner Sicht kann es nur eine Lösung geben, die Einbußen spürbar zu reduzieren: „Wir brauchen eine Ampel!“

Dr. Susanne Plank hat die Unterschriften kürzlich empfangen; wirklich verstehen kann sie insbesondere Schmids Ärger nicht. Der Apotheker sei von der Baumaßnahme so arg auch wieder nicht betroffen, sagt die Bürgermeisterin. Die Entscheidungsträger hätten den zweiten, relativ großen Bauabschnitt extra noch einmal geteilt, so dass die Barbara-Apotheke immer wenigstens von einer Seite her erreichbar sein werde.

Auch die von Schmid geforderte Verkehrsregelung durch eine Lichtzeichenanlage habe man diskutiert, aber wieder verworfen: „Zu jedem Haus muss quer über die Straße ein Anschluss verlegt werden. Für die Arbeiter wäre es unzumutbar, dies zu erledigen, während permanent Verkehr fließt.“ Auch der praktische Aufwand stünde nach Überzeugung Dr. Planks in keinem sinnvollen Verhältnis, zumal die betroffenen Geschäfte noch immer damit leben müssten, dass während der Bautätigkeit im Teilabschnitt Parken unmöglich wäre.

Am Montag wurde die Asphaltdecke teilweise abgefräst. Die Arbeiten dauern in diesem Abschnitt bis Mitte Oktober. Foto: Rieke
Am Montag wurde die Asphaltdecke teilweise abgefräst. Die Arbeiten dauern in diesem Abschnitt bis Mitte Oktober. Foto: Rieke

Auch andere Anlieger sind über die Straßensperrung alles andere begeistert und haben Schmids Aktion unterstützt. Und trotzdem fällt ihre Reaktion differenzierter aus. Ein Handwerksmeister, der leider partout nicht namentlich in Erscheinung treten will, hat Anfang der Woche den direkten Kontakt zur Bürgermeisterin gesucht, um seine Sicht der Dinge im Vier-Augen-Gespräch zu erörtern. Er stört sich vor allem daran, dass die Sperrung auch aufrecht erhalten bleibt, wenn die Baustelle ruht, also an Wochenenden. Ob man nicht das wenigstens ändern könnte?

„Das werden wir prüfen. Dazu sind aber Gespräche mit der ausführenden Baufirma und dem Landratsamt erforderlich“, signalisierte Rathauschefin Dr. Plank Kompromissbereitschaft. Damit nicht genug: Um die Lage zu entschärfen, hat sie angeboten, dass der Handwerker für den Verkauf von Waren vor dem Rathaus einen Stand aufbauen dürfte. Auch eine zusätzliche Beschilderung hält sie für denkbar, um potenzielle Kunden über eine Parallelstraße zu seinem Geschäft zu lotsen.

„Den Gegebenheiten anpassen“

Der Handwerker diskutierte all das in seinem Familienkreis; den Verkaufsstand wird er wahrscheinlich nicht realisieren, weil er nur für einen Teil seiner Stammkunden interessant wäre. Dafür hat er einen anderen Weg gefunden, die Situation für sich erträglicher zu gestalten. „Wir werden uns den Gegebenheiten anpassen, und ich lege meinen kompletten Jahresurlaub von drei Wochen in die Bauzeit.“ Noch gelassener reagierte die Inhaberin vom Friseursalon Monika: „Auch ich habe unterschrieben. Aber ändern kann ich’s eh nicht. Was soll ich mich also aufregen?“

Mehr Nachrichten aus dem Städtedreieck lesen Sie hier:

Große Sonderinvestition

  • Bauoffensive:

    Für die Ertüchtigung des Kanal- und Wassernetzes in Maxhütte wurde ein Sonderinvestitionsprogramm in Höhe von zehn Millionen Euro aufgelegt.

  • Umsetzung:

    Im Januar hat der Stadtrat die Sanierung des Kanals in der Regensburger Straße sowie die Erneuerung von Wasser- und Kanalleitung in der Feldholzstraße beschlossen.

  • Verlauf:

    Die erste Bauphase konnte noch vor dem Bürgerfest abgeschlossen werden. Nun ist die Baustelle ein Stück weiter gewandert. Im Sommer 2018 will der Landkreis neu asphaltieren.

  • Detail:

    Ursprünglich

  • stand die Regensburger Straße auf der To-do-Liste gar nicht ganz oben; wegen der erwähnten Asphaltierung wurden die Leitungssanierungen aber vorgezogen.

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