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Gedenken an die Atom-Katastrophe

Rückblick Für die Mitglieder der Marterlgemeinde ist der Widerstand gegen Kernenergie heute so aktuell wie vor 25 Jahren.
Von Thomas Göttinger

Rund 200 Menschen gedachten gestern am Franziskus-Marterl des 25. Jahrestages der Atomkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986. Foto: ttg

LANDKREIS. Rund 200 Menschen haben gestern am „Franziskus-Marterl“ im „Taxöldener Forst“ mit einer ökumenischen Andacht an die Atomkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986 erinnert.

Anlässlich des Jahrestages und vor dem Hintergrund der Ereignisse im japanischen Fukushima waren damit deutlich mehr Besucher zu dem legendären Marterl aus der Zeit des Widerstands gegen die WAA gekommen, als bei ähnlichen Gelegenheiten in den Jahren zuvor.

Pfarrer Arne Langbein und sein katholischer Amtskollege Leo Feichtmeier blickten während der Andacht denn auch ein ums andere Mal zurück auf den Super-GAU und die Ereignisse im „Taxöldener Forst“. Mit Verweis auf seinen Talar sagte Langbein: „Ohne das, was ich damals hier erlebt habe, hätte ich heute nicht das an, was ich anhabe.“ Seine Erlebnisse am Bauzaun seien für ihn mit ein Grund gewesen, Theologie zu studieren. Langbein rief zu einem Umdenken in der Art und Weise auf, wie wir Energie erzeugen und verbrauchen – um unseren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen und gleichzeitig Gottes Schöpfung zu bewahren, so der Geistliche. Leo Feichtmeier wiederum zitierte aus der Apostelgeschichte. „Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen“, las er vor. Gerade das sei in der Zeit der Auseinandersetzungen um die WAA die große Frage gewesen. Feichtmeier erinnerte daran, dass die Kirchen sich schwer getan hätten mit dem Widerstand gegen die WAA.

Nach der Andacht ergriffen gestern eine Reihe von Rednern das Wort. Kreisrat Klaus Pöhler sagte mit Blick auf Tschernobyl und Fukushima: „Wir wussten immer, dass es keine sichere Atomkraft gibt, aber wir haben nicht geglaubt, dass es noch einmal so einen schweren Unfall gibt.“ Und auch Dr. Hans Huber, einer der Mitbegründer der Marterlgemeinde, zeigte sich erschüttert: „Ich hätte nie geglaubt, dass wir so sehr recht haben mit unserer Kritik; das ist ja noch viel schlimmer, als wir glaubten.“

Der Schwandorfer Landtagsabgeordnete Franz Schindler brachte schließlich einen weiteren Aspekt ins Spiel. Laut Schindler sei der Kampf gegen die WAA letztlich auch ein Kampf gegen die Desinformation der Atomindustrie gewesen. „Es war alles falsch, was diese Herren behauptet haben“, so Schindler. Und an dieser Desinformation habe sich bis heute nichts geändert, sagte der Abgeordnete mit Blick auf den japanischen Tepco-Konzern. Schindler zeigte sich deshalb davon überzeugt, dass der Widerstand gegen die WAA heute so aktuell ist wie vor 30 Jahren.

Kreisrat Rudi Sommer rief schließlich ganz konkret zum Stromwechsel hin zu Anbietern von Ökostrom auf. Und der Schriftsteller Friedrich Brandl las aus seinem Buch zum Thema WAA: „Wieder am Bauzaun“.

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