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Geschichte

Gedenktafel erinnert an Lager im Wald

Im Einsiedler Forst bei Bruck wurde ein neues Mahnmal enthüllt, das auf eine historische Stätte aufmerksam macht.
Von Agnes Feuerer

Bürgermeister Hans Frankl, Matthias Ruder, Inge Gleixner und Klaus Deutschländer enthüllten die neue Gedenktafel.  Foto: Agnes Feuerer
Bürgermeister Hans Frankl, Matthias Ruder, Inge Gleixner und Klaus Deutschländer enthüllten die neue Gedenktafel. Foto: Agnes Feuerer

Bruck.Der Feiertag Maria Himmelfahrt ist sein vielen Jahren der Tag, an dem der Heimat- und Bauernmuseumsverein eine Wanderung zu historischen Stätten macht. In diesem Jahr ging es in den Einsiedler Forst zum Waldlager. Grund dafür war in erster Linie die Enthüllung einer Gedenktafel, die die Wanderer auf diese für unsere Gegend nicht unbedeutende Stätte aufmerksam macht.

In diesem Waldstück befand sich in den Jahren 1944/45 eine Außenstelle der Regensburger Messerschmitt Werke. Hier wurde die Endmontage von zwei Typen der Messerschmitt Jagdflugzeuge durchgeführt. Zu diesem Thema hatte Matthias Ruder aus Neunburg schon einmal eine geschichtliche Führung an die Stätte des Geschehens durchgeführt und im Heimat- und Bauernmuseum Mappach auch zwei Vorträge abgehalten. Alle Veranstaltungen waren sehr gut besucht und so war es auch nicht verwunderlich, dass auch dieses Mal gut 150 Interessierte, darunter auch noch viele Zeitzeugen, gekommen waren.

Der Weg traf nach kurzer Zeit auf jene Forststraße, die im Zweiten Weltkrieg als Werkstraße gedient hatte. Auf dem Weg hielt die Gruppe an zwei Stellen an. Ruder zeigte den Teilnehmern die immer noch sichtbaren Gräben entlang des Weges, die als Kabel- und Entwässerungsgräben gedient hatten, und wies auf die Reste der Fertigungshalle hin.

Unbeheizte Baracken

Er zeigte auch das Waldstück, in dem auf einer Fläche von etwa 100 Meter mal 100 Meter mehr als 500 Zwangsarbeiter untergebracht waren und in unbeheizten und nicht isolierten Baracken hausen mussten. Die Geschichte des Flüchtlingslagers begann 1946. Es entstand unweit dieser Stelle an einer Kreuzung, die „Bildbaum“ heißt. Dort kann sind immer noch Reste des einstigen Flüchtlingslagers zu erkennen.

Das Waldlager

  • Rüstungsindustrie:

    Im Einsiedler Forst befand sich in den Jahren 1944/45 eine Außenstelle der Regensburger Messerschmitt-Werke. Hier wurde die Endmontage von zwei Typen der Messerschmitt-Jagdflugzeuge durchgeführt.

  • Geschichte:

    Zu diesem Thema hatte Matthias Ruder aus Neunburg schon einmal eine geschichtliche Führung an die Stätte des Geschehens organisiert.Im Heimat- und Bauernmuseum Mappach hat er auch zwei Vorträge darüber gehalten. (taf)

Als sichtbarstes Relikt steht noch das „Stromhäusl“, das wie ein Fremdkörper wirken mag. Doch wenn man genauer hinsieht, kann man heute noch erkennen, dass hier für längere Zeit der Wald nicht so dicht war wie rundherum. Wer ein paar Schritte in den Wald geht, kann einen aufgelassenen Brunnen und eine größere Betonplatte finden. Rund 360 Personen lebten damals als Zwangsaussiedler in diesem Waldstück, und so nach und nach richteten sich die Flüchtlinge hier häuslich ein. Es entstand sogar ein kleines Dorf mit Schule, Wirtshaus, Kirche und einer Fußballmannschaft.

Erinnerung

Die geheime Nazi-Fabrik im Wald

Im Krieg wurden im Bodenwöhrer Forst Messerschmitt-Flugzeuge gefertigt. Auch nach dem Krieg lebten Flüchtlinge dort.

Eigentlich sollten die Flüchtlinge nur ein halbes Jahr bleiben, doch die letzten verließen erst 1954 das Waldlager. Damit all dies nicht in Vergessenheit gerät, wurde nun eine Gedenktafel aufgestellt.

Die Idee stammt von Matthias Ruder, umgesetzt hat sie der ehemalige Revierförster des ehemaligen Forstamts Bodenwöhr, Klaus Deutschländer, der diese Tafel dem Verein kostenlos überlässt.

Zur Enthüllung konnte die Vorsitzende des Heimat- und Bauernmuseums Mappach Inge Gleixner auch Bürgermeister Hans Frankl begrüßen. Gleixner bedankte sich bei Forstamtsdirektor Rudolf Zwicknagel, der es ermöglicht hat, dass die Tafel aufgestellt werden konnte. Bürgermeister Frankl betonte, dass er sich sehr freue, dass so viele Menschen an diesen historischen Ort gekommen waren.

Durch das Aufstellen der Tafel werde dieser Ort nie in Vergessenheit geraten. Er erzählte, dass früher wohl so manches Flugzeugrad entwendet und als Schubkarrenrad von der Bevölkerung zweckentfremdet worden war. Auch an den zumindest namentlich noch bekannten Heinrich Duffek erinnerte er. Mit seiner stattlichen Leibesfülle war er damals eine sehr imposante Erscheinung. Er betrieb im Waldlager eine Gastwirtschaft und übernahm später den Ratskeller in Bruck.

Geburten in der Baracke

Matthias Ruder hatte die Idee zu der Gedenktafel.  Foto: Agnes Feuerer
Matthias Ruder hatte die Idee zu der Gedenktafel. Foto: Agnes Feuerer

Frankl wies darauf hin, dass das Waldlager zwar erst seit 2013 zu Bruck gehöre, doch wurde es damals schon von der Gemeinde Bruck verwaltet. Dies belegen einige Geburtsurkunden im Standesamt. Dort steht dann zum Beispiel geschrieben, dass das Kind „Sowieso“ im Waldlager in der Baracke Nr….. geboren wurde. Die vielen auch heute noch bekannte Hebamme Karolina Spindler war auch für das Waldlager zuständig und hat hier einigen Kindern auf die Welt geholfen.

Nach der Enthüllung stand Ruder den Besuchern noch lange Rede und Antwort. Zum besseren Verständnis hatte er auch einige Fotos, Flugzeugteile und ein selbstgebautes Modell mitgebracht.

Das Interesse daran war wie erwartet sehr groß, und auch der Regen, der während des Fußmarsches eingesetzt hatte, dämpfte den Wissensdurst der Anwesenden in keiner Weise. Da der Museumsverein die Gäste mit Kaffee und Kuchen versorgte, war dies eine rundum gelungene Veranstaltung.

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