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Hilfstransport

Geduldsprobe für die Aktion Tschernobyl

Der Hilfskonvoi mit medizinischen Geräten für Krankenhäuser kann wohl erst im Herbst aus Pfreimd wieder in die Ukraine aufbrechen.
von Cornelia Lorenz

Reise in ein krisengeschütteltes Land: Dr. Josef Ziegler machte sich auf dem Majdan in Kiew ein Bild von der Lage vor Ort.

Pfreimd.Für ein verlängertes Wochenende nach Kiew fliegen – das käme angesichts der dramatischen politischen Lage in der Ukraine zurzeit nur für wenige Menschen in Frage. Einer, der sich trotzdem in die Region traut, ist Dr. Josef Ziegler aus Pfreimd. Der Initiator der „Aktion Tschernobyl“ hat sich jetzt selbst ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Sein Fazit: Der Termin für den geplanten Hilfstransport im Mai wird nicht zu halten sein. Ziegler rechnet damit, dass er die nötigen Genehmigungen aus dem Sozialministerium in Kiew erst im Herbst bekommt.

Schon in friedlichen Zeiten dauere es in der Ukraine sechs bis acht Wochen, bis das Ministerium eine Genehmigung für die Einreise eines ausländischen Hilfstransports herausgebe, weiß Ziegler aus langjähriger Erfahrung. Jetzt in der Krise sei die Behörde nicht mehr voll besetzt, was lange Verzögerungen zur Folge habe. Auch den ukrainischen Gesundheitsminister hatte Ziegler an diesem Wochenende ursprünglich treffen wollen. Doch auch das fiel aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen ins Wasser. Dabei steht in Pfreimd alles für die Fahrt in die Ukraine bereit: Dieses Mal ist es medizinische Ausrüstung wie OP-Tische, Röntgengeräte und Inkubatoren für Frühgeborene im Gesamtwert von rund 400 000 Euro. Die Geräte sind für mehrere Krankenhäuser in der Ukraine gedacht und werden dort dringend gebraucht, denn die Not im Land ist groß. Besonders im medizinischen Bereich ist Hilfe aus dem Ausland sehr wichtig.

Der geplante Transport aus Pfreimd ist der 24. Konvoi der „Aktion Tschernobyl“. Seit 1991 gibt es den Verein, in dem sich mittlerweile rund 80 Mitglieder aus ganz Bayern ehrenamtlich für die Menschen in der Ukraine engagieren (siehe Infokasten). Dr. Josef Ziegler kennt das krisengeschüttelte Land sehr gut, die jüngste Reise nach Kiew hat ihn dennoch wieder tief erschüttert. „Es war sehr emotional – überall die Gedenkbilder für die Toten, ein Meer aus Blumen und dazwischen die Hügel aus Pflastersteinen, die als Wurfgeschosse dienen“, sagt er. Diese Bilder sind ihm von seinem Besuch auf dem Majdan, dem zentralen Platz in Kiew, im Gedächtnis geblieben und werden ihn auch nicht so schnell loslassen. Bedrückende Stille habe am Samstagnachmittag auf dem Platz geherrscht, erzählt Ziegler. Am frühen Abend besuchte er dort einen russisch-orthodoxen Gottesdienst. Auch die pompöse Villa des geflüchteten Präsidenten Viktor Janukowitsch rund 20 Kilometer außerhalb der ukrainischen Hauptstadt hat er mit seinen Begleitern besucht. Das Anwesen habe sich mittlerweile zu einem beliebten Ausflugsziel für Schaulustige entwickelt. „Das ist schon eine schizophrene Situation“, sagt Ziegler.

Auch wenn es mit der Genehmigung für den Hilfskonvoi aus der Oberpfalz noch ein paar Monate dauern kann: Ganz unverrichteter Dinge musste Ziegler am Abend des Rosenmontags nicht zurück nach Pfreimd reisen. Zusammen mit Mechaniker Werner Pressl hat er am vergangenen Wochenende die neurochirurgische Kinderklinik in Kiew und das 140 Kilometer östlich gelegene Bezirkskrankenhaus in Jagotin besucht. Dort standen Reparaturarbeiten an defekten Sterilisationsanlagen an, die dort dank der „Aktion Tschernobyl“ seit den 1990er-Jahren laufen. Bei einer der Anlagen sei eine Dichtung kaputt gewesen, bei der anderen der Wasserstandsanzeiger, sagt Ziegler. Jetzt laufen beide Geräte wieder einwandfrei. Das medizinische Personal kann wieder wie gewohnt Skalpelle, Pinzetten, Endoskope, Wäsche für den OP und Ähnliches sterilisieren.

Angst, dass ihm bei seiner Reise durch die Ukraine etwas zustoßen könnte, hatte Ziegler nicht. Er sei schließlich nicht allein unterwegs gewesen, habe einen Fahrer gehabt und Mitarbeiter, die ihn begleitet hätten. Auffällig ruhig sei es in seinem Hotel gewesen, räumt er ein. Den meisten Touristen sei es jetzt zu brenzlig in der ukrainischen Hauptstadt. Gut belegt sei dagegen eines der großen Hotels mit direktem Blick auf den Majdan – da gebe es im Moment von den Fenstern aus einiges zu sehen.

Wegen der politischen Krise daheimzubleiben, das sei für ihn in keinem Moment in Frage gekommen, sagt Ziegler. Man dürfe die Menschen in ihrer Not nicht allein lassen, ist er überzeugt. Nicht ganz so gelassen wie er sei seine Frau Angelika gewesen, räumt er ein. „Sie ist schon froh, dass ich wieder da bin.“

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