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Vortrag

Georg Greflinger: Leben voller Abenteuer

Der Neunburger Barockdichter war auch Übersetzer, Kriegsberichterstatter, Chronist, Soldat und Kurier.
Von Hans Steinsdorfer

Peter Pauly beim Vortrag über das Leben und Wirken von Georg Greflinger im Schloßsaal Foto: ghs
Peter Pauly beim Vortrag über das Leben und Wirken von Georg Greflinger im Schloßsaal Foto: ghs

Neunburg.Leben und Werk des Neunburger Barockdichters Georg Greflinger erscheinen spannend und abenteuerlich. Bei einer kurzweiligen Zeitreise ins 17. Jahrhundert stellte Peter Pauly den Literaten aus dem Dreißigjährigen Krieg vor. Bei der Vorstellung des Gesamtwerks Greflingers bezieht sich Pauly auf die Literaturwissenschaftlerin Astrid Dröse: „Greflinger beackerte ein literarisches, publizistisches Feld, das von Gelegenheitsdichtungen über Chroniken, Büchern über Stil und Form sowie Lebensführung, Stadtführern, Gartenpflegeanleitungen, Übersetzungen von Corneille und Lope de Vega bis hin zu politisch zeitgeschichtlichen Artikeln reichte. Dazu kamen Gedichtbände und eigene Dramen“.

Geboren wurde Greflinger um 1620 bei Neunburg an der „Asch“, wahrscheinlich der Ascha zwischen Unteraschau und Katharinental. 1625 oder im Januar 1626 als Georg vier oder fünf Jahre alt war und das Vieh hütete, erlebte er, dass Soldaten seine lutherische Familie ermordeten und das elterliche Anwesen abbrannten. Man brachte Georg, das Waisenkind, zu Verwandten nach Regensburg, wo er das Gymnasium besuchte. Er durchlief den üblichen sechsjährigen humanistischen Kurs, auch das Handwerkszeug, das er später als Dichter benötigte, erlernte er hier. Als Greflinger – noch nicht einmal 15 Jahre alt – in Wittenberg zu studieren begann, musste er das Studium nach kurzer Zeit aus Geldmangel aufgeben.

Er trat dann in den Dienst des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. und folgte mit ihm auch der sächsischen Armee. Er diente da als Schreiber, Kriegsberichterstatter, Chronist, Soldat und Kurier. Dass er 1639 bei der Schlacht von Pirna in Lebensgefahr geriet, scheint sicher. Im gleichen Jahr wird das erste Werk Greflingers, die Weihnachtsgedanken, gedruckt. Noch im Krieg, um das Jahr 1640, verlässt Greflinger die Sachsen und wir treffen ihn in Danzig, wo er sich in Elisa, eine Tochter aus gut bürgerlichem Haus verliebt. Der Widerstand gegen diese Verbindung seitens der Eltern Elisas verbittern ihn, neben seiner Armut und seiner bäuerlichen Herkunft wirft man ihm seine vergangenen Liebschaften vor.

1657 erscheint seine Herkulesarbeit „Der Deutschen Dreyßigjähriger Krieg“. Er heiratet im Jahr 1650, dieser ersten Ehe entstammt eine Tochter, seine erste Frau stirbt. Er heiratet erneut. Vier Söhne aus dieser Verbindung sind bekannt. Am Ende seines Lebens wird es ruhig um ihn. Ein Gedicht läßt darauf schließen, dass er Trost im Alkohol suchte.

Greflinger stirbt 1677 im Alter von etwa 57 Jahren. Seine Würdigung in den Literaturgeschichten fällt meist mager aus. Er habe nur Mittelmäßiges geschrieben. Lediglich der große Literaturhistoriker Walter Muschg schreibt über „unseren Neunburger“: „Diesem Leiden entstieg das Beste, was die deutsche Dichtung damals hervorgebracht hat“.

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