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Region Schwandorf
Sonntag, 25. Februar 2018 2

Interview

Gesche startet selbstbewusst durch

Der Burglengenfelder Rathauschef lässt keinen Zweifel, dass er seinen Widersachern weiter die Stirn bieten will.
Von Thomas Rieke

Bürgermeister Thomas Gesche an seinem Arbeitsplatz im historischen Rathaus Foto: Rieke

Burglengenfeld.Kaum aus dem Urlaub zurück, sah sich Bürgermeister Thomas Gesche mit den Folgen eines längeren Streits konfrontiert. Der MZ stand er nicht nur dazu Rede und Antwort.

Herr Bürgermeister, die Rechtsaufsicht sagt, sie sollten eine von der SPD geforderte Gegendarstellung im städtischen Infoblatt veröffentlichen. Doch Sie wehren sich. Wäre das nicht eine Chance gewesen, einen Fehler zuzugeben, dem Gegner dadurch Wind aus den Segeln zu nehmen – und die Lage zu entspannen?

Thomas Gesche: Einen Fehler einzuräumen, täte mir nicht weh. Aber es liegt kein Fehler vor, und ich werde keinen Präzedenzfall schaffen. Bringen wir eine Gegendarstellung, würde immer wieder versucht, das Mitteilungsblatt politisch zu nutzen.

Wir sehen das anders. Sie hätten das zur einmaligen Sache erklären und einen Haken dahinter setzen können. Vorausgesetzt, künftig hätten die Inhalte der Broschüre tatsächlich nur noch streng „neutralen“ Charakter.

Das Infoblatt wurde stets objektiv genutzt. Gleichzeitig bin ich aber unverändert der Meinung, dass ein Bürgermeister komplexe Zusammenhänge oder aktuelle Geschehnisse auch erklären muss. Und ich werde mir auch künftig von keiner Partei den Mund verbieten lassen.

Das Klima im Stadtrat war 2017 gekennzeichnet von vielen hitzigen Debatten, teils auch schwerwiegenden Angriffen gegen Ihre Person. Das Klima sei „noch nie so schlecht“ gewesen, merkte BWG-Sprecher Albin Schreiner an. Hat er Recht?

Nein – diese Behauptung ist rein politisch motiviert. Das Klima ist, ganz im Gegenteil, seit meiner Amtszeit um Welten besser geworden.

Wie begründen Sie diese These?

Ich will Ihnen Beispiele nennen: Früher trauten sich manche Stadträte kaum, etwas zu sagen. Der Stadtrat war quasi entmachtet, da es Jahre gab, in denen nur zwei oder auch nur eine Sitzung stattfand. Heute sind es bis zu zwölf! Unangenehme Debatten wurden im Keim erstickt, und Räten wurden gezielt wichtige Informationen vorenthalten. Was ich also sagen will: Die von Ihnen angeführte Behauptung zeigt, wie dreist die BWG versucht, unsere Bürger für dumm zu verkaufen.

Es gibt harte Vorwürfe gegen Sie. Einer davon lautet, Sie hätten mehrfach Ihre Kompetenzen überschritten, ein anderer, sie würden Anträge gegnerischer Fraktionen verschleppen.

Anträge werden vielleicht nicht immer sofort im gleichen Monat, aber so schnell wie möglich behandelt und so angesetzt, wie es zum Wohl unserer Stadt am besten ist. Was die angeblichen Kompetenzüberschreitungen betrifft, so ist auch das Stimmungsmache. Ich komme aus der Verwaltung und kenne daher die einschlägigen Gesetze und Geschäftsordnungen sehr gut. Ich halte mich an sie präzise.

Die Mehrheit des Stadtrats hat beschlossen, die Stadt solle Sie wegen des teuren „Kassensturzes“ auf Rückzahlung von 70000 Euro verklagen. Lässt sie das wirklich so unberührt, wie Sie nach außen immer betonen?

Das ist nur ein politisches Manöver, was von den Fakten des Gutachtens ablenken will. Mich persönlich belastet das nicht, weil ich zu jeder Zeit richtig gehandelt und den Beschluss mit einem stundenbasierten Honorar richtig vollzogen habe. Das wird im Zweifelsfall auch ein Gericht bestätigen.

Schade ist nur, dass dieser Beschluss von SPD, BWG und zwei Vertretern der FWL der Stadt schadet. Dieses unnötige Schauspiel bindet Arbeitskraft und Geld und hat nur das Ziel, Negativstimmung zu erzeugen.

Zum Streiten gehören immer mindestens zwei. Inwiefern wären sie bereit, Teilschuld zuzugeben – und beispielsweise bestimmte Spitzen gegen Ihre Widersacher zurückzunehmen?

Es ist nie einer alleine Schuld. Deswegen hinterfrage auch ich mich stets kritisch. Trotzdem muss ich feststellen, dass die BWG vom ersten Tag an Fundamentalopposition betreibt und die SPD recht bald damit angefangen hat, um einerseits die Fakten leugnen zu können (siehe KPMG-Gutachten) und andererseits so wenig politische Erfolge wie möglich zuzulassen. Diese Strategie hat sie selber entlarvt, indem sie schon in ihrem Jahresrückblick 2015 die Devise ausgegeben hat, größtes Ziel sei es, den Bürgermeisterposten so schnell wie möglich zurückzuerobern.

Was müsste geschehen, um das Klima im Rat zu verbessern? Gibt es da überhaupt eine Aussicht?

Ich hoffe, dass mir die Bürger über 2020 das Vertrauen schenken, so dass ich die erfolgreiche Arbeit fortführen kann. Und ab 2020 wird Folgendes passieren: Einige altgediente Kräfte werden ausscheiden und junge, unbelastete nachrücken; die Bank der Fundamentalopposition wird dadurch kleiner. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass im neuen Rat die Einsicht siegt, dass wir nur zusammen für unsere Stadt etwas erreichen können.

Was hielten Sie von Friedensgesprächen, einem Burgfrieden?

Eine lebhafte Demokratie lebt auch von verschiedenen Ansichten, also auch Kontroversen. Insofern muss nicht immer „Friede, Freude, Eierkuchen“ die Devise sein. Klar ist aber, dass ich immer zu offenen, ehrlichen und konstruktiven Gesprächen und Zusammenarbeit bereit bin.

Wenn ich mir übrigens ihren „Fragenkatalog“ anschaue, fällt mir auf, dass sich die meisten Fragen um Vorwürfe und Streitigkeiten drehen. So kommen wir aus dieser bewusst herbeigeführten Negativspirale nie heraus. Mir wäre es viel wichtiger, zu sagen, was für die Zukunft Ziele und Visionen sind. (Fortsetzung folgt!)

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