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Architektur

Glasfassade schützt neuen Holzbau

Den Anbau des Landratsamts Schwandorf schirmt ein altbekannter, heimischer Werkstoff vor Witterungsschäden und Hitze ab.
Von Reinhold Willfurth

So soll die Fassade des neuen Anbaus am Landratsamt aussehen. Visualisierung: Büro Schönberger
So soll die Fassade des neuen Anbaus am Landratsamt aussehen. Visualisierung: Büro Schönberger

Schwandorf.Wie schützt man die Holzfassade eines Neubaus vor der Witterung, ohne sie abzudecken oder sie regelmäßig aufwendig streichen zu müssen? Eine Antwort auf diese Frage brachte Architekt Christian Schönberger kürzlich aus Freiburg mit. Dort hatte man die Fassade des mehrstöckigen „Hauses der Bauern“ mit einem Vorhang aus Glas versehen und damit Charakter und Optik des Holzbaus ebenso gesichert wie dessen Haltbarkeit. Dazu isoliere die „Glasvorhangfassade“ den Bau mustergültig, sagte Schönberger bei der Präsentation seines Entwurfs für den Anbau des Landratsamts am Montag im Bauausschuss des Kreistags.

Die Wappen der Landkreisgemeinden zieren die Südseite. Visualierung: Büro Schönberger
Die Wappen der Landkreisgemeinden zieren die Südseite. Visualierung: Büro Schönberger

Die Kreisräte waren von der Idee eines Glasvorhangs für den Behörden-Anbau angetan, zumal dabei zum heimischen Rohstoff Holz noch der heimische Werkstoff Glas dazukomme, wie Schönberger betonte. Die Glasfassade hält rund 60 Prozent der Sonneneinstrahlung ab, sagte Stefan Schedl von der OTH Amberg-Weiden, dessen Institut für Energietechnik das Klimakonzept für den Erweiterungsbau erarbeitet hat. Die Zustimmung fiel den Räten nach diesem heißen Sommer nicht schwer, die rund 185 000 Euro Mehrkosten sind aus ihrer Sicht zu verschmerzen.

Damit die Bediensteten der Kfz-Zulassung und des Jugendamts auch im nächsten Glutsommer ohne Klimaanlage einen kühlen Kopf bewahren können, sind aber noch weitere Maßnahmen nötig. Neben den Außenjalousien an den von der Glasfassade ausgesparten Fenstern zählt dazu vor allem die Fußbodenheizung, durch die im Sommer kühles statt warmes Wasser fließt und so für eine angenehme Raumtemperatur sorgen soll. Hier entstehen Mehrkosten von rund 80 000 Euro. Ungefähr 200 000 Euro mehr als zunächst geschätzt sind für zusätzliche Dämmungen auf dem Dach fällig.

Gemeindewappen leuchten

Glasplatten schützen die Außenhaut. Visualierung: Büro Schönberger
Glasplatten schützen die Außenhaut. Visualierung: Büro Schönberger

Gefallen fanden die Kreisräte auch an der Idee von Architekt Schönberger, an der Südseite des Anbaus satinierte, nachts hinterleuchtete Glasplatten zu montieren, in die die Wappen der 33 Landkreisgemeinden geätzt werden sollen. Die Wappen auf der Seite des zukünftigen Sitzungssaals sollen daran erinnern, dass die Kommunen den Landkreishaushalt zu großen Teilen tragen, meinte Schönberger.

Nicht anfreunden konnte sich die Mehrheit im Ausschuss von der spontanen Idee von Rudi Sommer (Grüne), statt der Glasplatten doch lieber gleich Photovoltaik-Paneele vor die Fassade zu hängen. Abgesehen von den enormen Mehrkosten befürchtete Architekt Schönberger Probleme mit dem Brandschutz. Und auch optisch sei die Solar-Fassade nicht gerade ein Augenschmaus. Zudem könne es durch die Umplanung zu weiteren Verzögerungen beim Bau kommen, sekundierte Michaela Gottmeier. „Schließlich haben wir bereits im Dezember den Holzbau beschlossen“, warf die Leiterin des Hochbauamts in die Diskussion. Die Hochbauarbeiten müssten demnächst dringend ausgeschrieben werden.

Holz und Glas

  • Technik:

    Die vorgehängten Glasplatten sorgen für Witterungs- und Hitzeschutz.

  • Wappen:

    Die Wappen der 33 Landkreisgemeinden sollen auf der Südseite leuchten.

  • Sitzungssaal:

    Der in Holzbauweise errichtete Sitzungssaal schließt sich an den Anbau an.

„Uns rennt die Zeit davon“, so Gottmeier. „Wir haben bereits viel getan“, verwies Georg Butz (CSU) auf die Entscheidung für einen ökologischen Holzbau. Vergeben sind bereits die Arbeiten für Erd- und Fundamentarbeiten, das Tiefgeschoss, das Treppenhaus und die Aufzugsanlage.

Das Amt platzt aus allen Nähten

Der Platz im Landratsamt reicht für die derzeit rund 420 Mitarbeiter(innen) schon länger nicht mehr aus. Gesundheitsamt, Tiefbauamt und die „Lernende Region“ sind in das benachbarte Ämterzentrum ausgelagert (42 Personen). Das Staatliche Schulamt ist in einem Neubau in Wackersdorf untergebracht (acht Personen). Bei der Frage nach dem Werkstoff für einen Erweiterungsbau war der Kreisrat vor gut einem Jahr auf eine andere Linie umgeschwenkt. Rudi Sommer (Grüne) hatte einen Holzbau vorgeschlagen und dafür neben ökologischen Gründen auch das Argument eingebracht, einem Landkreis mit einer der größten Waldflächen Bayerns stünde ein Behördenbau mit diesem Werkstoff gut zu Gesicht. Dem wollten sich die Kreisräte und Landrat Thomas Ebeling nicht verschließen, zumal die Alternative aus Holz nicht teuerer kommt als das ursprünglich geplante Gebäude aus Beton.

So soll der Sitzungssaal einmal innen aussehen. Visualierung: Büro Schönberger
So soll der Sitzungssaal einmal innen aussehen. Visualierung: Büro Schönberger

Ebenfalls aus Holz besteht der zweite Bauabschnitt am Landratsamt: der repräsentative neue Sitzungssaal, der das Provisorium in der Kantine des Landratsamts ablösen soll. Zunächst aber soll mit Volldampf der Behördenanbau in die Höhe gezogen werden: Vor der Kür kommt die Pflicht.

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