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Gottesmutter Maria auf Achse

Wenn die „Gnadenmutter von Saltendorf“ auf Wanderschaft geht, dann stehen die Menschen vor besonderen Herausforderungen.

Die Gottesmutter mit Floristin Petra Kürzinger, P. John, Kirchenpfleger Matthias Obermeier, Schreiner Karl Popp und Pfarrer Hirmer (v. l.) Foto: Pfarrei Teublitz
Die Gottesmutter mit Floristin Petra Kürzinger, P. John, Kirchenpfleger Matthias Obermeier, Schreiner Karl Popp und Pfarrer Hirmer (v. l.) Foto: Pfarrei Teublitz

Teublitz.„Uns hat es mit am stärksten getroffen“, runzelt Pfarrer Michael Hirmer die Stirn, als er in der leeren Saltendorfer Marienkirche steht. „Das komplette Leben unserer Pfarrgemeinde wurde uns verboten: Keine Veranstaltungen und keine Gottesdienste waren erlaubt.“ In der Tat trafen die Regelungen, die im Zuge der Corona-Krise angeordnet wurden, die Religionsgemeinschaften sehr hart, so die Teublitzer Pfarrei in einer Mitteilung.

Doch wer den Teublitzer Pfarrer kennt, weiß, dass Hirmer nicht im Jammertal versinkt: „Wir haben innerhalb kürzester Zeit gelernt, Seelsorge neu zu definieren und zu betreiben.“ Nun soll es ab 4. Mai unter besonderen Bedingungen wieder möglich sein, Gottesdienste mit Publikum zu feiern.

Auf Wanderschaft

  • Marienstatue:

    Am 1. Mai wird die Gottesmutter ab 10 Uhr durch Teublitzer Straßen getragen.

  • Betroffene Straßen:

    Rötlsteinstraße, Sonnenstraße, Lohstraße, Koppenbühlstraße, Beethovenstraße, Dr.-Fr.-Flick-Straße, Parkstraße, Richtstraße, Angerstraße, Ganghoferstraße, Burgerweg, Ostenstraße, Fichtenstraße, Blumenstraße, Fischbacher Straße, Frankenstraße, Peter-Ludwig-Straße, Wiesenstraße, Frankengraben, Dollingerstraße, Maxhütter Straße, Hans-Böckler-Straße, Regensburger Straße, Hauptstraße.

„Der Monat Mai ist besonders der Gottesmutter Maria geweiht“, greift der Teublitzer Pfarrer die zaghaften Schritte zur Normalisierung auf. Dabei hat er sich von der langen Geschichte der Gottesmutter von Saltendorf inspirieren lassen. „Vor über 650 Jahren wird zum ersten Mal eine Wallfahrt nach Saltendorf urkundlich erwähnt“, packt der Pfarrer sein geschichtliches Wissen aus, „Damals lag ganz Europa nach der großen Pest-Epidemie am Boden.“ Gerade in schweren Zeiten pilgerten die Menschen aus Teublitz und Umgebung zur „Gnadenmutter von Saltendorf“, um dort Hilfe in Not zu erbitten.

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Die Parallelen zur unserer Zeit zieht der Seelsorger von Teublitz und Saltendorf schnell. „Nach der Corona-Krise werden große Herausforderungen auf unsere Gesellschaft und die ganze Welt zu kommen.“ Die Aufgabe der Kirche sei es, in Zeiten der Ungewissheit den Menschen nahe zu sein und ihnen dies auch durch Symbole zu zeigen. Ein Symbol sei dabei die „Gnadenmutter von Saltendorf“, eine fast 600 Jahre Marienfigur, die den Hochaltar der Saltendorfer Kirche körnt.

Den Menschen nahe sein

„Gerade in schweren Zeiten, ist diese Marienfigur immer auf Wanderschaft gegangen“, erklärt Pfarrer Hirmer. Das letzte Mal sei sie am Ende des Zweiten Weltkrieges im Wald versteckt worden, um vor Plünderung und Zerstörung geschützt zu werden. „Nach dem Krieg trugen die Bewohner von Saltendorf ihre Gottesmutter in feierlicher Prozession zurück in die Kirche.“

Am kirchlichen Hochfest „Maria Schutzfrau Bayerns“, das jedes Jahr am 1. Mai gefeiert wird, werden Pfarrer Michael Hirmer und Pfarrvikar P. John Mathew die „Gnadenmutter von Saltendorf“ durch die Straßen von Teublitz und Saltendorf tragen. „Wenn Maria mit Jesus auf dem Arm die Kirche verlässt und zu den Menschen geht, ist das ein klares Zeichen dafür, dass Gott den Menschen nahe ist“, erklärt der Pfarrer diese Aktion, „Wir bitten die Gottesmutter Maria um Fürsprache für die Sorgen, Nöte und Anliegen der Menschen in Teublitz und Saltendorf.“

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In den Gärten mitbeten

Um die Madonna durch die Straßen tragen zu können, hat Schreinermeister Karl Popp eine spezielle Tragevorrichtung konstruiert. Damit soll am 1. Mai ab 10 Uhr die altehrwürdige Marienstatue durch die Straßen getragen werden. „Für mich ist es etwas Besonderes, so etwas schreinern zu dürfen“, kommentiert Karl Popp den ungewöhnlichen Auftrag des Pfarrers.

„Ich denke, dass die Bewohner unserer Pfarrgemeinde die Aktion sehr gut aufnehmen werden“, freut sich Pfarrer Michael Hirmer auf den 1. Mai. „Sicherlich werden viele Menschen aus ihren Fenstern schauen oder an den Türen und in den Gärten mitbeten, wenn wir mit der Gottesmutter vorbei ziehen werden.“ Darin liegt wohl auch der tiefere Sinn, wenn die „Gottesmutter von Saltendorf“ nach 75 Jahren wieder auf Wanderschaft geht: Die Menschen zum Gebet und zur christlichen Solidarität einzuladen.

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