MyMz
Anzeige

Hobby

Griff zur Häkelnadel ist „in“

Handarbeit liegt in Schwandorf und Umgebung bei Jung und Alt voll im Trend. Der absolute Renner in diesem Winter sind farbenfrohe Häkelmützen.
Von Andrea Rieder

Häkelmützen liegen voll im Trend. Ingrid Maria Turban zeigt zwei Modelle aus ihrer Wollwerkstatt. Foto: Rieder

Schwandorf. In der „Wollwerkstatt“ in der Schwandorfer Innenstadt geht es Schlag auf Schlag. Alle paar Minuten kündigt die Glocke über der Eingangstür einen neuen Kunden an, der auf der Suche nach der passenden Wolle ist. Handarbeiten ist wieder in, selbst gemachte Schals, Mützen oder Armstulpen werden stolz getragen. Der absolute Trend in diesem Winter: Häkelmützen in allen Variationen; mit oder ohne Bommel, quietschbunt oder doch lieber ein bisschen dezenter gehalten. Und am besten natürlich: selbst gemacht!

„Boshis“ brachten Hype ins Rollen

Losgetreten haben den Hype um die Häkelmützen zwei junge Männer aus Oberfranken mit ihrem Unternehmen „myboshi“. Seit 2009 sind die „Boshis“ (japanisches Wort für Mütze) auf dem Vormarsch. Die Mützen können entweder im Internet bestellt oder mit Hilfe einer Anleitung selbst gehäkelt werden. Das „Boshi-Buch“ ging in den Handarbeitsgeschäften weg wie die sprichwörtlich warmen Semmeln. Die Schwandorfer „Wollwerkstatt“ wartet derzeit auf Nachschub, das Buch ist ausverkauft – ebenso die schwarze Häkelwolle. „So geht es uns allen in der Umgebung“, sagt Inhaberin Ingrid Maria Turban. Die Geschäfte seien regelrecht geplündert worden.

Der Hype um die Häkelmützen kommt für die Einzelhändler keineswegs überraschend. „Wir hätten im vergangenen Jahr schon darauf gewartet, weil uns die Mützen als der neue Trend angekündigt worden sind. Wir wären bereit gewesen“, erzählt Turban. Durchgesetzt hat sich die gehäkelte Kopfbedeckung in unseren Gefilden aber erst ein Jahr später. In diesem Winter hat der Hype die Große Kreisstadt erreicht – mit kleiner Verspätung, dafür aber mit voller Wucht.

Mit geringem Aufwand zum Erfolg

Das Erfolgsgeheimnis der Häkelmützen liegt für die Handarbeitsexpertin in der Erfolgsgarantie: „Das Häkelmuster ist auch für Anfänger geeignet. Man hat mit geringem Aufwand schon ein Erfolgserlebnis.“ An einem einzigen Abend könne eine schöne Mütze entstehen. Außerdem hätten die Mützen Suchtpotenzial. Meistens bleibe es nicht bei einer, „man will dann noch die Farbkombination und die und die ...“.

Überwiegend sind es immer noch Frauen, die in Turbans Geschäft nach der passenden Wolle für ihre Handarbeiten suchen, um die 90 Prozent schätzt sie. Immer wieder sind es aber auch Jugendliche, die sich für ihr Strick- oder Häkelvorhaben eindecken. „Viele Jahre haben Schüler Stricken und Häkeln in der Schule nicht mehr gelernt. Weil Handarbeiten jetzt aber wieder voll im Trend liegt, steigt die Schule mit ein“, erklärt sich die Geschäftsinhaberin diese Entwicklung. Und genau in diesem Moment betritt eine Mutter ihren Laden, um für ihren Sohn, der in der Schule gerade häkeln lernt, Wolle einzukaufen. In Neongrün, so war es gewünscht, denn bei der Jugend sind derzeit grelle Farben in den schrägsten Kombinationen angesagt. „Da denkt man sich erst, das passt ja gar nicht zusammen. Aber die Mützen sehen am Ende echt klasse aus!“, berichtet Turban.

Interview: Zwei Jungs mit der richtigen Masche

Thomas Jaenisch und Felix Rohland haben 2009 das Unternehmen „myboshi“ gegründet. Über das Internet verkaufen sie sehr erfolgreich ihre Mützen.

Wie kam es zu der Idee, selbst Mützen zu häkeln?

Als Studenten hatten wir wenig Geld und viel Zeit. 2009 haben wir bei einem Skilehrer-Austausch mit Japan teilgenommen. Dort lernten wir von einer spanischen Skilehrerin das Mützenhäkeln. Dann sind uns zwei Australier begegnet, die uns unsere selber gehäkelten Boshis abkaufen wollten. Bei einem anschließenden, alkoholgeschwängerten Karaokeabend kam dann die Geschäftsidee. Am nächsten Tag haben wir uns die Domain „myboshi.net“ gesichert.

Wie haben Sie ihre Idee umgesetzt?

Die ersten Bestellungen haben wir noch selbst gehäkelt. Als wir nicht mehr hinterher kamen, halfen unsere Mütter aus. Die Bestellungen stiegen weiter, so dass wir eine Anzeige schalten mussten. So wurden die ersten Mitarbeiter rekrutiert. Mittlerweile bekommen wir Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aus logistischen Gründen produzieren wir aber nur in Oberfranken. Derzeit beschäftigen wir 30 Häklerinnen – größtenteils Damen über 60 – und verkaufen im Jahr um die 20 000 Boshis.

Was zeichnet eine „myboshi‘“ aus?

Sie ist Handarbeit und mit dem Konfigurator im Internet individuell gestaltbar. Aus 30 Modellen und den verschiedenen Farben ergeben sich Millionen Möglichkeiten. Seit letztem Jahr verkaufen wir auch Wolle und die Anleitung „myboshi – Mützenmacher“, die das meistverkaufte Handarbeitsbuch in Deutschland ist.

Tragen Sie selbst immer eine Boshi?

Meistens schon. In manchen Situationen bin ich aber gern inkognito. Sonst kommen oft Leute und wollen wissen, wie ich das mit dem Farbübergang gemacht habe. Unter den Boshi-Trägern gibt es eine richtige Gemeinschaft. Man spricht sich gegenseitig auf die Boshis an, tauscht Häkelerfahrungen aus und fühlt sich mit den anderen verbunden.(mt)

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht