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Zur Person

Große Ehre für Schwandorfer Urgestein

Der Schwandorfer Stadtrat hat den SPD-Kommunalpolitiker, Buchautor und Stadthistoriker Franz Sichler zum Ehrenbürger ernannt.
Von Hubert Heinzl

Ein Leben für Schwandorf: Franz Sichler befasst sich auch mit 88 Jahren noch fleißig mit heimatgeschichtlichen Studien. Foto: Heinzl
Ein Leben für Schwandorf: Franz Sichler befasst sich auch mit 88 Jahren noch fleißig mit heimatgeschichtlichen Studien. Foto: Heinzl

Schwandorf.Franz Sichler (88) ist ein Mann, der die Schwandorfer Kommunalpolitik lange Jahre geprägt hat. Die Entscheidungen, das auch, aber vor allem die Debatten. Seit der SPD-Politiker sich 1996 nach 24 Jahren aus dem Stadtrat und sechs Jahre später auch aus dem Kreistag zurückgezogen hat, gab es nur wenige, die so kenntnisreich, engagiert und sattelfest bis ins Detail um die Entwicklung Schwandorfs und der Region gerungen hätten. Aber er ist auch so etwas wie das kulturhistorische Gedächtnis seiner Heimatstadt. Am Montag hat der Stadtrat jetzt in nichtöffentlicher Sitzung Sichlers vielfältige Verdienste um die Große Kreisstadt gewürdigt und ihm die Ehrenbürgerwürde verlieren.

Ein Sprung ins kalte Wasser

Kaum im Stadtrat, hat Franz Sichler 1972 die Aufgabe des SPD-Fraktionsvorsitzenden übernommen – „das war ein Sprung ins kalte Wasser. Da musste ich mich schon hineinknien“, wie er sich erinnert. Mit seinem Namen verbunden sind so wichtige Etappen in der Stadtgeschichte wie das Sport- und Freizeitzentrum rund um das Sepp-Simon-Stadion, aber auch die Errichtung des Jugendtreffs oder die Tatsache, dass im Blasturm am Ende statt einem Kaffeehaus ein Museum eingerichtet wurde. Im Kreistag lag dem langjährigen Berufsschuldirektor vor allem die Pflege der Bildungslandschaft am Herzen.

Franz Sichler war und ist ein Mensch mit vielfältigen Gaben: In jüngeren Jahren als Handballer, Leichtathlet, Trainer und Kampfrichter beim TSV Schwandorf aktiv, hat sich der 88-Jährige seit jeher für Kultur, insbesondere für die Musik, interessiert. Für seinen Freund Prof. Josef Zilch – ebenfalls Ehrenbürger – schrieb er den Text zur „Türmerkantate“, die inzwischen auch als Partitur zum Nachspielen veröffentlicht worden ist.

Auch als Buchautor ist Franz Sichler immer wieder hervorgetreten: Aus seiner Feder stammen zahlreiche Werke und Aufsätze zur Stadtgeschichte – in der Schwandorfer Stadtchronik beispielsweise, für die er sich auch maßgeblich im Stadtrat eingesetzt hat. Es gibt Bücher über das Schwandorfer Rathaus und Festschriften über Jubiläen der SPD, aber auch zur Trinkwasserversorgung in Schwandorf. Mit der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich Franz Sichler ebenso befasst wie mit der „Eisenbahnerstadt Schwandorf“. Und unter dem Titel „Mein lieber Schwan“ hat er in zwei Bänden heitere Geschichten und Anekdoten aus der Stadt zusammengetragen. Als Vortragsredner war Franz Sichler nicht nur im Schwandorfer Elisabethenheim gefragt. Schwandorf und das Bier, Gleichberechtigung, deutsche Geschichte – zu vielen Themen hatte Franz Sichler etwas beizutragen.

Noch lange nicht zur Ruhe gesetzt

Zur Ruhe gesetzt hat sich der neue Ehrenbürger aber auch mit 88 Jahren noch nicht. Denn die zur Schwandorfer 1000-Jahrfeier veröffentlichte Denkschrift zum Thema „Berühmte Schwandorfer Persönlichkeiten“ ist noch lange nicht vollständig. Unter dem Motto „Um Schwandorf verdient“ bereitet Franz Sichler eine Fortsetzung vor, die wenn auch vielleicht nicht gedruckt, aber doch auf jeden Fall auf der städtischen Homepage im Internet veröffentlicht werden soll.

„Um Schwandorf verdient“ – das passt auch auf Franz Sichler selber. Die kommunale Dankurkunde, die Schwandorfer Bürgermedaille und das Bundesverdienstkreuz am Bande wurden dem 88-Jährigen bereits verliehen. Doch die Ehrenbürgerwürde ist natürlich eine ganz besondere Auszeichnung. Natürlich freut sich Franz Sichler, aber er tut es auf seine Art – mit einer Portion Understatement. „Sicherlich ist das eine Ehre; es wäre vermessen, sich nicht darüber zu freuen“, formuliert es der 88-Jährige. Und weist im selben Atemzug darauf hin, dass er trotz seinem vielfältigen Engagement „zu keiner Stunde“ seine „beruflichen Pflichten vernachlässigt“ habe. „Das ist mir wichtig“, sagt er.

Die Ehrung für Franz Sichler ist auch ein zusätzlicher Mosaikstein in einer Familiengeschichte, die eng mit den Geschicken der Stadt verbunden ist. Sichlers Großmutter war von 1919 bis 1924 erste Frau im Schwandorfer Stadtrat, Vater Franz Sichler sen. nach dem 2. Weltkrieg kommissarischer Bürgermeister und Landtagsabgeordneter. Onkel Lorenz Sichler schließlich amtierte in den Jahren von 1948 bis 1958 als Oberbürgermeister der Stadt Schwandorf.

Die Entscheidung im Stadtrat über die Ehrenbürgerwürde fiel am Montag einstimmig. Dem Gremium lagen übrigens zwei Anträge vor – einer von SPD-Fraktionsvorsitzendem Franz Schindler und ein weiterer von Wolfgang Houschka, der Sichlers Wirken lange journalistisch begleitet hat. Verliehen wird die große Auszeichnung an Franz Sichler voraussichtlich am 16. November in der Schwandorfer Spitalkirche.

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Franz Sichler, Ehrenbürger

  • Person:

    Franz Sichler, geboren am 15. November 1928, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Seit langem ist er verbunden mit der SPD, aber auch dem TSV Schwandorf, der ihn 2016 für 80-jährige Mitgliedschaft ehrte. 42 Jahre arbeitete Sichler als Lehrer, zuletzt als Leiter der Berufsschule und Oberstudiendirektor.

  • Politik:

    Dem Schwandorfer Stadtrat gehörte Franz Sichler von 1972 bis 1996 an, davon die ersten sieben und wieder die letzten sechs Jahre als Fraktionsvorsitzender der SPD. Mitglied im Kreistag war er von 1978 bis 2002, also ebenfalls 24 Jahre.

  • Auszeichnungen:

    Franz Sichler erhielt die kommunale Dankurkunde und ist Träger der Bürgermedaille und des Bundesverdienstkreuzes am Bande.

  • Weitere Ehrenbürger:

    Altlandrat Hans Schuierer (86), verliehen am 27. Januar 2011; Altoberbürgermeister Helmut Hey (67), verliehen am 25. April 2014; Michael Kaplitz (71), ehemaliger Stadtrat, 2. Bürgermeister, verliehen 2017; Prof. Dr. h. c. Josef Zilch (89), Musikwissenschaftler; verliehen 2017. (hh)

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