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Region Schwandorf
Donnerstag, 19. Juli 2018 27° 1

Aufführung

Großer Applaus für die Neuinszenierung

Mit einer gelungenen Premiere startete das Neunburger Festspiel „Vom Hussenkrieg“ in die 36. Saison.
Von Ralf Gohlke

  • Im Neunburger Burghof werden wieder die Klingen gekreuzt. Nach 36 Jahren setzt die Neuinszenierung des Regisseurs Cornelius Gohlke neue, moderne Akzente bei der Aufarbeitung der Schlacht gegen die Hussiten von 1433. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Sinn von Kriegen. Fotos: R. Gohlke
  • Beim Opening wurde auch das Publikum miteinbezogen.
  • Viel Applaus gab es nach der Premiere für Regisseur Cornelius Gohlke, seine Assistentin Nina Töppel und das ganze Ensemble.

Neunburg. Die Spannung auf das, was das Publikum in der 36. Auflage der Neunburger Burgfestspiele erwarten würde, war groß. Nur wenige Details über die Neuninszenierung durch den neuen Regisseur Cornelius Gohlke waren vorab an die Öffentlichkeit gedrungen. Selbst die Ensemblemitglieder hielten sich bedeckt, wenn im Probenumfeld nachgefragt wurde. Für sie bestand die größte Herausforderung darin, zum Teil über Jahrzehnte hinweg einstudiertes Rollenspiel einfach zu vergessen, Texte neu zu lernen und sich anders als gewohnt auf der Freilichtbühne zu bewegen.

Kulisse minimiert


„Es war ein grandioser Abend! Glückwunsch an alle Beteiligten zu dieser Premiere. Ich wünsche euch weiterhin so tolle Aufführungen.“ – So schrieb Thomas Stalla, der Schirmherr für die 36. Festspielsaison, gleich im Anschluss für jedermann sichtbar auf Facebook. Damit gab er auch die Meinung des Publikums wieder, das Ensemble und Regisseur am Ende einen begeisterten Applaus gespendet hatte.

„Ich fand es toll, vor allem dass es weniger martialisch zugegangen ist, der Zenger seinen Sohn nicht erschlagen hat und auch Ott Ostmann überleben durfte“, meinte auf Nachfrage des Reporters unseres Medienhauses Stephan Ludwig, selbst ehemaliger Schirmherr. Mit dieser Einschätzung lag Ludwig keineswegs allein. Einige Befragte äußerten sich in ähnlicher Weise.

Auch wenn die meisten Textpassagen dem Kenner der Version von Nikol Putz vertraut waren, fanden sie sich in einem völlig neuen Umfeld wieder.

Am Auffälligsten war das jetzt eher „spartanische Bühnenbild“. Die alte Kulisse mit Fahnen und Wappen ist verschwunden. An ihre Stelle tritt die weiße Kirchenwand. Ihr Vorteil besteht darin, dass sich auf ihr Schatten fantastisch abbilden. So verdoppelt sich zum Beispiel die Anzahl der Kämpfer bei der Schlacht rein optisch.

Die Szenen bei Hofe und in der Schwarzenburg wurde nur mit einem einfachen Vorhang begleitet, der überraschende Auftritte ermöglicht, so auch den der nunmehr vier Erzähler. Letztere agieren in den Kostümen ihrer jeweiligen Rollen.

Die Veränderungen in der gesamten Aufführung beginnen bereits beim Opening, in das das Publikum aktiv mit eingebunden ist, sei es bei einem Tänzchen, Spielen oder einfach nur im Dialog mit Ensemble-Mitgliedern.

Auch die Begrüßung durch Bürgermeister Martin Birner erfolgte aus dieser Situation heraus. Der freute sich, eine große Anzahl von Gästen namentlich willkommen heißen zu können. Zugleich entschuldige er sich dafür, dass einige Sitzreihen wohl doppelt verkauft worden waren und meinte, eine Premiere mit 110 Prozent Auslastung habe es bislang auch noch nicht gegeben.

Spannende Schlacht


An die Grundzüge des Manuskripts von Autor Peter Klewitz erinnerten im Anschluss die Szenen der streitenden Ratsherren und der Bürgerfrauen, in denen aber der Konflikt über den Sinn der kriegerischen Auseinandersetzung mehr betont wurde. Neu war eine Familienszene mit dem „Michl“, der in der Vergangenheit immer den Hussiten zum Opfer gefallen war.

Nun ist er es, der den Hussiten verletzt, was später noch eine wichtige Rolle spielen wird, wenn der zu seinen Eltern gebracht wird. Hervorragend in ihre Rollen gefunden haben der neue Pfalzgraf, Michael Hellmuth, und die Pfalzgräfin Beatrix, Silke Biegerl. Von letzterer fordert der Pfalzgraf „mehr Unterordnung“. Er vertritt nämlich die Ansicht, sein Sohn Christoph (Jonathan Binder) sollte sich in der Schlacht als Ritter bewähren.

Die Schlacht als solche in Szene zu setzen, war auch für Cornelius Gohlke die größte Herausforderung. Er löste sie dadurch, zunächst nur die vier Reiter gegeneinander kämpfen zu lassen. Dann erst treffen Ritter und Fußvolk aufeinander und bewegen sich dabei in Zeitlupe, was die Dramatik enorm steigert.

Am Ende steht erneut Gesang, dem ebenfalls ein breiteres Feld eingeräumt wird. Das Fazit: Es lohnt sich in jedem Fall, eine der noch bis zum 4. August stattfindenden Vorstellungen zu besuchen.

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