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Sicherheitsdienst

Guards erteilen auch Platzverweise

Gewalt und Sachbeschädigungen beunruhigen die Burglengenfelder. Künftig ist ein Sicherheitsdienst im Einsatz: Die Bavarian Guards sollen für Ordnung sorgen.
Von Harald Kuchler

Alkohol lässt die Hemmschwelle für Gewalt bei Jugendlichen oft sinken. Dann wird nach dem Lokalbesuch bei geringen Anlässen hemmungslos zugeschlagen, die Opfer erleiden schwere Verletzungen. Foto: dpa

Burglengenfeld. Der 40-jährige Leonberger hatte mit seinem Freund ein paar Bier getrunken, beide verließen das Lokal in der Kirchenstraße in den frühen Morgenstunden des 28. Juli. Auf dem Weg zum Marktplatz passierten sie eine Gruppe Jugendlicher. Was dann geschah, schildert das Opfer der MZ: „Aus heiterem Himmel haben einige aus der Gruppe plötzlich auf uns eingeprügelt. Ich bekam Faustschläge ins Gesicht und das Sprunggelenk von meinem Fuß ist ab.“ Der Mann wurde in der Klinik Lindenlohe operiert, ihm mussten eine Platte und Schrauben eingesetzt werden. Im Gesicht zählte der Arzt sieben Hämatome. Auch der Freund des Mannes wurde verletzt.

Tätlichkeiten, Körperverletzungen, aber auch Pöbeleien und Sachbeschädigungen im inneren Stadtgebiet finden fast wöchentlich ihren Niederschlag in den Polizeimeldungen der Mittelbayerischen Zeitung. Leser und Bürger sind beunruhigt über die Sicherheitslage. Die Stadt hat nun auf die „Zunahme von Gewalt und Sachbeschädigungen in der Altstadt“ reagiert, wie am Donnerstag in der MZ zu lesen stand. Der private Sicherheitsdienst „Bavarian Guards“ soll an den Wochenenden für mehr Ruhe an den Brennpunkten in der Innenstadt sorgen. Die Kosten teilen sich die Stadt und die im Wirtschaftsforum zusammengeschlossenen Burglengenfelder Geschäftsleute.

Streifen sind unbewaffnet

„Wir fangen an diesem Wochenende mit dem Einsatz an und werden dann jeweils am Samstag und Sonntag von 2 bis 6 Uhr präsent sein“, sagt Bavarian Guards-Inhaber Andre Rieth, den die MZ nach den Einzelheiten der Vereinbarung fragte. Schwerpunkte werden der Marktplatz und die Kirchenstraße sein. Die Streifen des Sicherdienstes sind mit vier Mann besetzt, denn, so Rieth „mit zwei Mann steht man schlecht da, wenn man sich einer größeren Gruppe gegenübersieht“.

Die Streifen sind unbewaffnet, sie haben allerdings das Recht, gewaltbereite Personen aus Gruppen herauszufiltern und die Personalien aufzunehmen sowie diese Personen bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Sein Personal habe eine gute Ausbildung und sei in Selbstverteidigung geübt, so Rieth, der vor kurzem mit seiner Firma von Burglengenfeld nach Leonberg umgezogen ist. „Auf dem Marktplatz üben wir das Hausrecht der Stadt aus und können Platzverweise erteilen.“ Die Zusammenarbeit mit der Stadt gilt erst einmal bis Mitte September. Die erste Zeit werde sicher sehr fordernd werden für seine Mitarbeiter, „aber ich bin guter Dinge, dass sich die Lage bald bessert“.

Vorfälle wie die Körperverletzungen am Wochenende des 27. und 28. Juli hätten natürlich Aufmerksamkeit erregt, sagt Egid Viehauser, Leiter der Polizeiinspektion Burglengenfeld. Von einer signifikanten Zunahme solcher Fälle könne man allerdings nicht sprechen, so der Erste Polizeihauptkommissar. Er zitiert aus der Statistik: „Im Zeitraum von 1. Januar 2013 bis 31. Juli 2013 haben wir drei gefährliche und zehn vorsätzliche Körperverletzungen im gesamten Innenstadtbereich registriert sowie zehn Sachbeschädigungen. Das sind Verhältnisse wie in den Jahren vorher.“

Polizei kann nicht alles abdecken

Er begrüße es aber, wenn die Stadt nun Maßnahmen ergreife. Man werde mit den Bavarian Guards gut zusammenarbeiten, denn durch den privaten Sicherheitsdienst erhöhe sich die ständige Präsenz von Sicherheitspersonal an den gefährdeten Orten. „Die Polizei kann am Wochenende nicht alle Zeiten und Plätze abdecken“, so Viehauser. Meistens zeichne sich schon im Vorfeld ab, dass es zu Tätlichkeiten kommen könnte, „wenn man merkt, da gibt es eine Rudelbildung, da braut sich was zusammen.“ Der Sicherheitsdienst könnte dann die Polizei verständigen, aber auch selbst eingreifen. „Sie haben das Jedermannsrecht, sie können also Personen festhalten, die Straftaten begehen. Und sie können Nothilfe leisten, das heißt, sie dürfen einschreiten, um anderen zu helfen.“

Viele Straftaten werden auch aufgeklärt, so Viehauser. Auch zu den Schlägern am vergangenen Wochenende, die den 40-jährigen Leonberger so übel zurichteten (in der ersten Polizeimeldung war fälschlicherweise von einem 20-Jährigen die Rede) habe man Hinweise bekommen. „Drei Tatverdächtige wurden ermittelt.“

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Ist der Einsatz des Sicherheitsdienstes sinnvoll?

Die Bavarian Guards sind ab diesem Wochenende in Burglengenfeld mit vier Mann im Einsatz, um für Sicherheit im Bereich der Kirchengasse und des Marktplatzes zu sorgen. Die Polizei erkennt keine Zunahme von Gewaltdelikten.

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