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Gutes Beispiel

Ein Kommentar von Elisabeth Hirzinger, MZ

Das Problem wird seit Jahren thematisiert – und es ist immer noch nicht gelöst. Nach wie vor gibt es in der nördlichen Oberpfalz zu wenig Kinder- und Jugendpsychiater. Vier (!) Stellen hat die kassenärztliche Vereinigung ausgeschrieben. Eine davon wird jetzt besetzt. Gott sei Dank.

Nächste Woche eröffnet eine große Praxis aus Regensburg eine Filiale in Schwandorf. Für diese Entscheidung müssten Stadt und Landkreis den Ärzten eigentlich den roten Teppich ausrollen. Mit ihrer sozialpsychiatrischen Praxis in Schwandorf schließen Manfred Wurstner, Dr. med. Franz-D. Griesbach und Dr. med. Susanne Mielich nämlich eine große Lücke – zumindest ein Stück weit.

Vielleicht ist diese Initiative auch ein Anstoß für Kollegen, sich dort niederzulassen, wo sie dringend gebraucht werden. Ein großes Risiko dürften sie mit einer Entscheidung für eine Praxis auf dem Land nicht eingehen. Wenn man die Bedarfsermittlung zugrundelegt, die Wartezeiten bei den wenigen niedergelassenen Psychotherapeuten in der Oberpfalz und in den Ambulanzen anschaut und die Erfahrungen der einschlägigen Beratungsstellen in Betracht zieht, müssen sich die Inhaber sozialpsychiatrischer Praxen keine Gedanken über mangelnden Zulauf machen.

Dass sich bei solchen Voraussetzungen nicht mehr Therapeuten für die ausgeschriebenen Stellen interessieren, mag auf den ersten Blick irritieren. Wenn man sich allerdings anschaut, was mit der Therapeuten-Ausbildung verbunden ist, muss man sich nicht wundern, dass Psychotherapeuten dünn gesät sind.

Die Ausbildung zum Kinder- und Jugendtherapeuten ist etwas für Idealisten und eigentlich eine Zumutung. Es kann nicht angehen, dass Ärzte Psychologen oder Diplom Sozialpädagogen, die sich weiterbilden wollen, nach dem Studium weitere vier Jahre nicht nur auf Geld verzichten, sondern die Ausbildung auch noch – mit immerhin 30 000 Euro – aus der eigenen Tasche finanzieren müssen.

Und es geht gar nicht, dass sich der Bezirk, der eigentlich schon vor Jahren im Landkreis Schwandorf eine Anlaufstelle für psychisch kranke Kinder und Jugendliche schaffen wollte, hier fein raushält und es privaten Praxen überlässt, Familien mit psychisch auffälligen Kindern zu helfen.

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