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Prozess

Haftstrafe für Parkgeld-Dieb

Ein Schwandorfer Bauhof-Bediensteter zog jahrelang unbehelligt über 600 000 Euro aus städtischen Parkautomaten.
Von Reinhold Willfurth

Ein Bauhof-Bediensteter hat jahrelang die Schwandorfer Parkautomaten geleert – und ein ansehnliches Vermögen angehäuft. Foto: Sophia Rothut
Ein Bauhof-Bediensteter hat jahrelang die Schwandorfer Parkautomaten geleert – und ein ansehnliches Vermögen angehäuft. Foto: Sophia Rothut

Schwandorf.Ein Mitarbeiter des Schwandorfer Bauhofs hat über mindestens sechs Jahre Geld aus Schwandorfer Parkautomaten für sich abgezweigt. Der geständige 42-Jährige musste sich deswegen vor dem Landgericht Amberg verantworten. Das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsvizepräsidentin Roswitha Stöber verurteilte den Familienvater am Mittwoch wegen schweren Diebstahls zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten.

In der Anklageschrift von Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier waren ursprünglich sogar über 480 Fälle aufgelistet, in denen sich der Schwandorfer mit den Parkgroschen bedient hatte. Am Schluss blieben immer noch 287 Fälle übrig. Der Anklagevertreter rechnete mit einer hohen Dunkelziffer. Der Mitarbeiter war bereits seit 2005 mit der Leerung der Parkscheinautomaten betraut.

Teilweise hatte er bis zu 12000 Euro Hartgeld auf sein Girokonto bei einer Bank in Regenstauf einbezahlt – in einer einzigen Woche. Ausgegeben hat er das Geld nach eigenen Angaben für ein Auto, ein Motorrad, vor allem aber für Besuche in Spielcasinos in Tschechien und für die Dienste von Prostituierten.

Mit einem denkbar einfachen technischen Trick überwand der gelernte Kfz-Mechaniker die Sicherungseinrichtung der Geldkassetten, die sich eigentlich beim Herausziehen aus dem Parkautomaten von selbst verschließen sollten. Er bohrte zunächst ein kleines Loch in die Unterseite der Kassette. Mit einem simplen Schraubenzieher konnte er dann das Schloss öffnen und das Hartgeld herausschütteln.

Unbemerkt von der Stadtverwaltung und durch keinerlei Vier-Augen-Kontrolle behelligt, sackte der 42-Jährige jahrelang das Hartgeld ein und verwandelte es am Bankschalter in ein ansehnliches Vermögen. Trotz des verdächtigen Einzahlungsverhaltens gab es auch keine Reaktion der Bank in Form einer Verdachtsanzeige für Geldwäsche.

Niemand hat etwas bemerkt

Eigentlich sollte der 42-Jährige jeweils am Donnerstag die angeblich gesicherten Geldkassetten der 30 städtischen Parkautomaten in der Schwandorfer Sparkasse abliefern. Allein dort konnten die Behälter mit einem Schlüssel geöffnet werden. Nur dass der Bauhof-Arbeiter die Kassetten bereits vorher inspiziert, per Schraubenzieher geöffnet, die Parkmünzen in jeweils acht Kilo schwere Geldsäcke abgefüllt und diese zur Bank seines Vertrauens getragen hatte, wo man die Beute dann in einen ansehnlichen Kontostand umrechnete. Dieser brauchte aber ständig Nachschub, wie der Angeklagte vor Gericht erläuterte. Vor allem der kostspielige Besuch von Prostituierten, manchmal mehrmals pro Woche, aber auch das Zocken in tschechischen Spielcasinos sowie der Kauf eines Autos oder eines Motorrads hätten ständig am Geldvorrat genagt. Mit der Zeit sei er immer gieriger geworden, sagte der 42-Jährige und verglich sein Verhalten mit einer Art Sucht.

Reinhold Willfurth schreibt in seinem Kommentar, dass nicht nur einer allein die Schuld an der Misere trägt:

Kommentar

Gelegenheit macht Diebe

Ein städtischer Mitarbeiter bedient sich jahrelang ungeniert aus den Geldkassetten der Parkscheinautomaten in der Großen Kreisstadt. Ohne dass es jemand...

Nachdem sich über Jahre hinweg weder Verwaltung noch Stadtrat über die seit 2008 deutlich fallenden Einnahmen aus den städtischen Parkscheinautomaten gewundert hatten, ließ der Schwandorfer Kämmerer im Sommer 2017 doch noch einmal genauer hinsehen. Während der Ermittlungen wurde es dann dramatisch: Der 42-Jährige, der als fleißig und sorgfältig galt, erlitt am 13. Juli einen schweren Arbeitsunfall, unter anderem mit mehrfachem Beckenbruch. Kurzzeitig geriet sogar ein Kollege in Verdacht, die Maschine, mit der der Schwandorfer verunglückte, manipuliert zu haben. Von alledem blieb nichts übrig. Am 14. November stellte sich der Täter der Polizei, mit dem Wunsch, verhaftet zu werden und mit dem Hinweis, er werde sich sonst „ins Ausland absetzen“.

Es wurde ihm leicht gemacht

Vorsitzende Richterin Roswitha StöberFoto: Willfurth
Vorsitzende Richterin Roswitha StöberFoto: Willfurth

Unter anderem diese Aussage bewog das Landgericht, die von Verteidigerin Carolin Hierstetter beantragte Aussetzung des Haftbefehls wegen „Fluchtgefahr“ abzulehnen und den in Hand- und Fußfesseln vor Gericht vorgestellten Angeklagten gleich nach Prozessende wieder in die Haft zurückzuschicken. Die Anwältin entließ die Stadt Schwandorf bei der Einschätzung der Schuld ihres Mandanten nicht aus der Verantwortung. „Schön blöd, dass das so lange möglich war“, kommentierte sie die Tatsache, dass der Dieb aus dem eigenen Haus jahrelang zugreifen konnte. Spätestens 2010 hätte der Stadt die Unregelmäßigkeiten auffallen müssen.

„Ihm wurde es nicht gerade schwer gemacht“, sagte auch Staatsanwalt Strohmeier in seinem Plädoyer. „Offenbar hat niemand registriert, dass die Einnahmen in den Keller gehen“. Der 42-Jährige habe gewusst, dass ihn niemand kontrolliere. Zugute hielt der Ankläger dem Täter dessen Geständnis. Er verwies aber auch auf den hohen Schaden für die Allgemeinheit und die erhebliche kriminelle Energie des Schwandorfers. Zweifel hegte Strohmeier daran, dass der Täter den weitaus größten Teil der Beute bei Prostituierten gelassen habe. Mehrmals wöchentlich deren Dienste in Anspruch genommen zu haben und dann stets pünktlich um 6.30 Uhr im Bauhof präsent zu sein – „das kann‘s nicht gewesen sein“.

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