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Engagement

Hans Söllner spielte gegen Rassismus

2006 übernahm Söllner an der Berufsschule Schwandorf die Patenschaft für Schule ohne Rassismus. Nun trat er dort auf.
Von Johannes Hartl

Der Liedermacher Hans Söllner ist der Schwandorfer Berufsschule seit 2006 als Pate für „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ verbunden. Foto: Johannes Hartl
Der Liedermacher Hans Söllner ist der Schwandorfer Berufsschule seit 2006 als Pate für „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ verbunden. Foto: Johannes Hartl

Schwandorf.Hans Söllner ist auf den ersten Blick niemand, den man sich auf einer Schulveranstaltung vorstellen kann. Mit den regelmäßigen öffentlichen Kontroversen, die der Musiker auslöst, und mit seiner kritischen Haltung verkörpert er tatsächlich eher das, was man früher einmal einen Lehrerschreck genannt hätte.

Doch als er am Mittwoch mit seiner Gitarre im Beruflichen Schulzentrum (BSZ) auftrat, hatte er dort fast ein Heimspiel. Rund 300 Schüler ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, das bayerische Urgestein live zu erleben; die Stühle in der Aula waren fast alle besetzt. Sogar kurz vor Beginn hatten Lehrer noch angefragt, ob ihre Klassen denn ebenfalls teilnehmen könnten, so groß war das Interesse.

Schüler wollten Söllner als Paten

Denn zwischen der Schwandorfer Schule und dem berühmt-berüchtigten Liedermacher besteht seit dem Jahr 2006 eine enge Verbindung, wie Lehrer Günter Kohl in seinem Grußwort in Erinnerung rief. Und die hat durchaus einen ernsten Hintergrund: Damals nämlich wurde Söllner „mit überwältigender Mehrheit“ von den Schülern auserkoren, um als Pate das Projekt „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ zu unterstützen.

Die „Respektcoaches“

  • Personen:

    Sylvia Sollfrank und Uschi Maxim vom Jugendmigrationsdienst der katholischen Jugendfürsorge sind am BSZ als Respektcoaches tätig.

  • Auftrag:

    Dort unterstützen sie junge Menschen bei der Integration und betreiben Präventionsarbeit, um nachhaltig gegen Radikalisierung zu arbeiten. Unter anderem finanzieren sie dazu Veranstaltungen, so wie die mit Hans Söllner.

  • Finanzierung:

    Gefördert wird der Jugendmigrationsdienst durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

  • Veranstaltungen:

    Zuletzt unterstützten die Respektcoaches eine Veranstaltung mit Sanem Kleff, der Direktorin von Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage, am BSZ.

Als zweite Schule in der Oberpfalz und als 14. in Bayern hat sie sich diesen Titel durch ihr Engagement gegen Rassismus vor 14 Jahren redlich verdient – auch aus dem Wissen heraus, welche tödlichen Folgen Hass und Intoleranz haben können. Schließlich besuchte jener Neonazis, der 1988 den Brandanschlag auf das Habermeier-Haus verübte, bei dem vier Menschen ihr Leben ließen, einst in Schwandorf die Klasse für Maler und Lackierer.

Seitdem organisiert das BSZ regelmäßig Veranstaltungen, um die Werte Demokratie und Toleranz in ihrem Schulalltag bewusst zu leben – darunter bereits zwei Konzerte mit Hans Söllner in den Jahren 2006 und 2009. Und tatsächlich ist der Musiker, wenn man genau hinsieht, dafür eine gute Wahl: In seinen Liedern bezieht er regelmäßig Position gegen Rassismus, setzt sich für Frieden und Menschlichkeit und gegen Krieg, Hass und Intoleranz ein.

Stücke von lustig bis ernst

Für Respektcoach Sylvia Sollfrank, die mit ihrer Kollegin Uschi Maxim vom „Jugendmigrationsdienst“ die Veranstaltung finanziert hat, ist Söllner denn auch der ideale Pate. „Er ist jemand, der den Mund aufmacht gegen Rassismus und Diskriminierung“, lobte sie dessen klare Positionierung. „Und er ist jemand, der zeigt, dass Toleranz und Heimatliebe sich nicht widersprechen müssen.“ Söllner selbst verzichtete darauf, eine große Ansprache zu halten oder Appelle an die Schüler zu richten; er ließ lieber seine Lieder für sich sprechen. Fast eineinhalb Stunden spielte er vor den Schülern und präsentierte eine bunt gemischte Auswahl an Songs. Von eher lustigen Stücken wie „Rasenmäher“ bis zu ernsten Liedern, die sich mit islamistischem Terrorismus beschäftigten, reichte sein musikalisches Repertoire an diesem Mittwoch.

Anders als 2006, als der Musiker die Patenschaft übernahm, war der Name Söllner längst nicht mehr allen Schülern ein Begriff. Aber mit seiner direkten Art und mit den unterhaltsamen Anekdoten, die er immer wieder zwischen seine Lieder einfließen ließ, konnte er sie nach einer gewissen Zurückhaltung dennoch erreichen.

Dabei ließ er es an deutlichen Worten nicht mangeln. Mit Blick auf die Flüchtlingskrise etwa lobte er ausdrücklich Bundeskanzlerin Angela Merkel für ihren Satz „Wir schaffen das“, auch wenn er gewiss kein Fan ihrer allgemeinen Politik sei. Letztlich seien alle Menschen gleich, betonte Söllner und brachte damit seine Haltung auf den Punkt. „Wir sind alle eine Welt, nicht ein Staat oder eine Nation.“

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