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Architektourbus

Heimat für 32 000 Oberpfälzer Schätze

Das moderne Depot des Museums Neusath-Perschen hat ein großes Volumen. Es fügt sich dennoch harmonisch in die Landschaft ein.
Von Petra Beer-Dausch

Auf der Reise durch den Landkreis Schwandorf macht der Archiktourbus 2015 auch beim Depot des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen Halt. Trotz der modernen Anmutung fügt sich das Depot harmonisch in die Landschaft ein. Fotos: Zunner Architekten/Beer-Dausch

Neusath-Perschen.Rund 32 000 Objekte, von der Haarnadel bis zum Webstuhl, sind im Zentraldepot des Oberpfälzer Freilandmuseums Neusath-Perschen eingelagert. Eine stolze Summe. Und stolz sind auch die Maße des 2012 fertig gestellten Depot-Gebäudes: Länge 55 Meter, Breite 35 Meter, Nutzfläche 3000 Quadratmeter, Volumen 12 000 Kubikmeter. Das Depot, südlich des Eingangs- und Ausstellungsgebäudes gelegen, ist viel größer, als es der Besucher sieht. Durch die terrassenförmige Bauweise am Hang, das abgeschrägte, begrünte Dach, die zurückhaltende Gestaltung der Holzlamellen-Fassade und die Begrünung mit ortstypischen Bäumen und Sträuchern fügt sich das Depot harmonisch in die Landschaft ein. Und so sind die Skeptiker, die bezweifelten, dass so ein moderner Funktionsbau neben den alten Häusern des Museums funktionieren kann, spätestens seit der Eröffnung verstummt, bestätigt die stellvertretende Museumsleiterin Johanna Ullmann-Süß.

Sie ist die Leiterin des Depot- und Ausstellungswesens im Freilandmuseum und freut sich mit ihren Mitarbeitern über die nahezu perfekten Arbeitsbedingungen im Zentraldepot. Dadurch könnten die vier Hauptaufgaben Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln optimal umgesetzt werden. Das war längst nicht immer so. Schon in den 1990er Jahren, erinnert sich Ullmann-Süß, zeichnete sich ab, dass die in Neusath angemieteten Depot-Räume zu klein werden.

Altes Depot viel zu klein

Schließlich sei ein Punkt erreicht worden, an dem sie nicht mehr die Verantwortung habe übernehmen können. „Schließlich schenken uns die Leute die Dinge ja mit der Maßgabe des Bewahrens“, so Ullmann-Süß. In einem Depot müssten dafür bestimmte Parameter eingehalten werden: Die Helligkeit ist stufenlos regelbar. Die Raumtemperatur liegt zwischen 15 und 18 Grad. Die relative Luftfeuchtigkeit ist bei 50 bis 55 Prozent optimal eingestellt. Eventuelle Schädlinge in den Objekten werden in einem Quarantäne- und Begasungsraum bekämpft. Der Anlieferungsbereich dient als natürliche Klima- und Schmutzschleuse.

Die Großraumvitrine ist das Herzstück des Informationsraums.
Die Großraumvitrine ist das Herzstück des Informationsraums.

All diese Parameter waren Vorgaben an das beauftragte Architekturbüro Zunner in Amberg. Dabei waren andere Punkte wie der Standort oder die Bauweise anfangs nicht so klar. Es gab auch die Idee, das Depot im Wald zu verstecken, erinnert sich Johanna Ullmann-Süß. Für sie keine Alternative: „Ich wollte immer, dass der Bereich Sammeln, Bewahren, Erforschen mehr in die Öffentlichkeit kommt.“ Der jetzige Standort in unmittelbarer Nähe des Ausstellungs-, Eingangs- und Verwaltungsgebäudes und in Sichtweite der historischen Häuser und Höfe sei der bestmögliche. Da stimmt auch Architekt Armin Keck vom Büro Zunner zu. Dort war von Anfang an klar, dass nur ein funktionales, modernes Gebäude die technischen Anforderungen an ein Zentraldepot erfüllen kann. „Alle, die ein neues Depot bauen, bauen funktional“, sagt auch Ullmann-Süß.

ArchitektOurbus 2015

  • Termin:

    Der Architekturzirkel Schwandorf veranstaltet zusammen mit der Stadt Schwandorf am Samstag, 9. Mai, zum 9. Mal einen ArchitektOurbus ab Schwandorf. Zwei Reisebusse starten um 13 Uhr am Volksfestplatz.

  • Ziele:

    Bei der Rundfahrt werden fünf Projekte vorstellt: Neubau Kinderkrippe Schwandorf, Neubau Geschäftshaus Hermann/Glöckler in Schwarzenfeld, Sanierung und Erweiterung Wohnhaus Messerer in Pfreimd, Sanierung und Umbau für die Kieferorthopädische Praxis Dr. Mertins, Pfreimd, Neubau Depot des Oberpfälzer Freilandmuseums, Neusath.

  • Zielgruppe:

    Der ArchitektOurbus richtet sich an alle Interessierten, künftige Bauherren und Entscheidungsträger in Verwaltungen oder kommunalen Gremien.

  • Karten:

    Im Tourismusbüro der Stadt Schwandorf können die Fahrkarten gegen eine Schutzgebühr in Höhe von zehn Euro (ermäßigt fünf Euro) reserviert und abgeholt werden.

Im Frühjahr 2010 erfolgte der Spatenstich, etwa eineinhalb Jahre wurde gebaut. Das Gebäude hat auf zwei Ebenen (Erdgeschoss und Untergeschoss) rund 3000 Quadratmeter Fläche, 2100 davon sind reine Depotfläche. Außerdem verfügt es über einen Anlieferungsbereich, einen Quarantäne- und Stickstoffraum zur Schädlingsbekämpfung, einen Inventarisierungsraum für die wissenschaftliche Bearbeitung der Exponate, Werkstätten für Holz- und Metallbearbeitung, einen großen Aufzug sowie einen Informationsraum und ein Schaudepot. Die Baukosten lagen bei rund vier Millionen Euro, gefördert wurde das Projekt des Bezirks Oberpfalz durch die EU, den Freistaat Bayern, die Bayerische Landesstiftung sowie die Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern.

Fassade in Holzlamellen-Optik
Fassade in Holzlamellen-Optik

Das Zentraldepot ist ein massiver Betonbau. Das ist im Inneren auch deutlich zu erkennen, die Betondecken sind nicht verkleidet, die Böden nur mit Verbundestrich beschichtet. Das Bild der Außenfassade prägen dagegen die horizontal angeordneten, abgeschrägten Holzlamellen. Dafür wurde einheimische Kiefer verwendet. „Holzverschalungen sind auch an den Scheunen im Museum zu finden. Wir haben für das Depot das gleiche Material verwendet, aber es modern interpretiert“, sagt Armin Keck, der die Bauleitung innehatte. Ein weiterer wichtiger Gedanke der Planung sei das „skulpturale Aussehen“ des Gebäudes. Es solle als ein kompakter Körper erscheinen. So wurde auf der Nordseite im Bereich der Werkstätten „ein Volumen subtrahiert“, das einen überdachten Vorplatz schafft, der für Arbeiten im Freien genutzt wird.

Das Depot wird über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe beheizt. Die Energie wird aus zehn Tiefensonden mit je 150 Meter Tiefe gewonnen. Die Fußbodenheizung ist direkt in die Betondecken eingebaut, durch diese Art der Bauteiltemperierung könne mit niedrigen Temperaturen gefahren werden. Für die Belüftung wurde eine „Low-Tech“-Variante gewählt, das Raumklima wird durch manuelles Ein- und Ausschalten der Ventilatoren, die eine Querlüftung erzeugen, eingestellt. „Im Depot sollte ja eigentlich nur sehr sparsam gelüftet werden, mit Berücksichtigung der klimatischen Außenwerte. Es sollte quasi ein abgeschlossener Kosmos sein“, sagt Johanna Ullmann-Süß. Aber die Mitarbeiter könnten die Lüftung sehr sensibel einstellen, bisher habe man die notwendige Luftfeuchtigkeit sehr gut im Griff. Auch die Soll-Temperaturen um die 18 Grad habe man immer erreicht. Dazu trägt der massive, gut gedämmte Beton-Baukörper entscheidend bei.

Großzügige Fensterbänder

Über den Zugangssteg, der als Aussichtsplattform einen Blick ins Freigelände ermöglicht, gelangt der Besucher in den Informationsraum des Zentraldepots. Dort werden in einer Großraumvitrine Neuzugänge im Depot präsentiert. Vier Objektterminals ermöglichen einen digitalen Zugang zu einem Teil der Exponate. Drei Fensterbänder erlauben einen Blick vom Informationsraum in den großen Teil des Depots, der aus konservatorischen Gründen nicht zugänglich ist.

Durch große Schaufenster kann der Besucher außerdem einen Blick in das angrenzende Schaudepot werfen. Auf 183 Quadratmetern sind dort rund 3500 Gegenstände zu sehen, die vor etwa 100 bis 200 Jahren von der Landbevölkerung in der Oberpfalz in Haus, Hof und Werkstatt verwendet wurden. Das mit Führungen zugängliche Schaudepot erfüllt zwei Aufgaben, die eigentlich nicht miteinander vereinbar sind: Das Bewahren von Objekten und das Zurschaustellen.

Die Anforderungen an ein modernes Museumsdepot sind vielfältig und gehen weit über die konservatorischen Parameter hinaus. Für Johanna Ullmann-Süß gehören auch die Akzeptanz beim Besucher, Besucherorientierung und Transparenz dazu. Dass dies alles im Zentraldepot „bestmöglich“ gelungen ist, daran hat auch die Architektur des Gebäudes einen entscheidenden Anteil.

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