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Region Schwandorf
Freitag, 17. August 2018 27° 1

Einsatz

Heiße Räder für die Spritze

Die historische Löschmaschine der Pentinger Feuerwehr wurde nun in einer Wagnerei neu bereift. Das war der Wehr wichtig.
Von Helga probst

Der auf etwa 400 Grad abgekühlte Eisenreifen wird wieder auf das Rad der Pentinger Löschmaschine aufgeschrumpft. Foto: Meier
Der auf etwa 400 Grad abgekühlte Eisenreifen wird wieder auf das Rad der Pentinger Löschmaschine aufgeschrumpft. Foto: Meier

Neunburg vorm Wald.Der Freiwilligen Feuerwehr Penting ist nicht nur die Pflege und Wartung ihres aktuellen Einsatzgerätes wichtig. Ganz besonders liegt den Kameraden auch der Erhalt ihrer historischen Spritze aus dem Jahr 1906 am Herzen. Bereits letztes Jahr haben sie in vielen Arbeitsstunden die Pumpe der Löschmaschine instand gesetzt. Außerdem wurden fehlende Teile nachgebaut und die technische Ausstattung restauriert. An das Fahrwerk jedoch, eisenbereifte Speichenräder, trauten sich die Feuerwehrmänner mangels Fachwissen nicht heran.

Die Überprüfung der Räder und deren Überholung waren ihnen aber auch sehr wichtig. Bei Festzügen fahren Personen auf der Spritze mit. Es war also ein Spezialist gefragt, der sich damit auskennt. Ein Wagner. Vor einigen Jahren wurde 1. Kommandant Jürgen Keilhammer auf einen der „letzten seines Standes“ aufmerksam. Schreinermeister Josef Buchinger aus Kalkofen bei Arnschwang hat sich diese alte Handwerkskunst selbst angeeignet. Vorsitzender Florian Meier nahm mit dem 61-Jährigen Kontakt auf.

Schon beim ersten Telefonat stellte sich heraus, dass Josef Buchinger wohl genau der richtige Mann für das Ansinnen der Pentinger Feuerwehrmänner war. Die Löschmaschine ging daher auf eine Reise nach Kalkofen am Hohen Bogen. Gleich bei der ersten Inaugenscheinnahme entging Buchinger nicht, dass der Sturz der Räder nicht mehr exakt stimmte und die Eisenreifen auf denselben ein leichtes Spiel hatten. Grund für Letzeres war, dass das Holz im Laufe der Jahrzehnte geschwunden ist.

Der feste Sitz ist wichtig

Der Schreinermeister, der sich nicht nur die Kunst der Wagnerei, sondern auch das Schmiedehandwerk angelernt hat, erklärte, dass die Eisenreifen neu aufgeschrumpft werden müssen. Dadurch werden die Räder wieder fest zusammen und die Speichen in die Nabe gepresst. Sowohl der richtige „Sturz“ der Räder, als auch der feste Sitz der Eisenreifen ist wichtig für das Fahrverhalten und die Sicherheit im Fahrbetrieb. Vergangenen Samstag nun lud Buchinger die Pentinger zu sich auf seinen Hof ein, um ihnen das Aufschrumpfen eines Eisenreifens anschaulich vorführen zu können. Dazu musste der Eisenreifen zunächst vom Rad herunter getrennt, verkürzt und wieder zusammengeschweißt werden.

Anschließend kam der Reifen in das Schmiedefeuer. In einem etwa dreißig Minuten langen Arbeitsvorgang wurde der Eisenring Stück für Stück durch die Glut gedreht und auf rund 800 Grad erhitzt. Wäre der Reifen nun glühend mit dieser Temperatur aufgezogen worden, hätte die Gefahr bestanden, dass das Holzrad stellenweise ausbrennt und so Hohlräume entstehen. Daher musste der Reifen zunächst wieder auf 400 Grad abkühlen. Dann hieß es, schnell und geschickt vorzugehen. Zusammen mit seinem beiden Helfern, seinem Sohn Josef und einem befreundeten Landwirtschaftsmechaniker, wurde der noch sehr heiße Reifen auf das Rad geschlagen.

Sofort danach kühlte er stufenweise in einer Wanne ab. Zischend zog sich der Reifen auf das Rad und presste es zusammen. Mit seinem fachmännischen Blick kontrollierte Josef Buchinger den richtigen Sitz. Staunend wohnten die Pentinger diesem Spektakel bei, das sie wohl so schnell nicht wieder zu sehen bekommen werden. Bevor das Rad dann wieder auf die Achse kam, hat Josef Buchinger auch noch den sogenannten Sturz der Räder eingestellt. Der Sturz stimmt, wenn die Räder unten leicht schräg nach innen stehen.

Noch eine technische Abnahme

Dies und eine ordentliche Schmierung in den Buchsen ist Voraussetzung für ein korrektes Fahrverhalten. Der Auftrag an den Wagner enthielt auch noch das Anfertigen von Ortscheiten, auch genannt Vorschleigln für die Pferdeanspannung. Auch hier zeigte Josef Buchinger, der mit seinem Betrieb insbesondere bei der Restaurierung von denkmalgeschützten Bauten gefragt ist, sein großes handwerkliches Geschick. Da die Spritze auch im öffentlichen Straßenverkehr gezogen wird und auf ihr Personen befördert werden, haben die Pentinger noch vor, eine weitere Empfehlung von Josef Buchinger zu verfolgen. Das Gefährt soll von einem technischen Prüfer, der auf alte, von Pferden gezogene Wagen spezialisiert ist, abgenommen werden.

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