MyMz
Anzeige

Heldinnen für die Klinik-Patienten

Sandra Delling und Jessica Beck arbeiten am Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf. Die Krise hat für sie auch Positives.

Jessica Beck (l.) und Sandra Delling (r.) arbeiten in der kardiologischen Station des Krankenhaus St. Barbara. Foto: Claudia Seitz
Jessica Beck (l.) und Sandra Delling (r.) arbeiten in der kardiologischen Station des Krankenhaus St. Barbara. Foto: Claudia Seitz

Schwandorf.Sandra Delling, Gesundheits- und Krankenpflegerin und Hygienebeauftragte in der Pflege am Krankenhaus St. Barbara, kann der Corona-Krise trotz Belastungen etwas Positives abgewinnen. „Wenn man so manchen Schicksalsschlag sieht, schätzt man das Leben und seine Gesundheit wieder mehr“, sagt sie. Damit bezieht sie sich nicht nur auf ihre Erfahrungen während der Corona-Krise. Mit ihrer Kollegin Jessica Beck ist sich Delling einig, dass sie als Team der kardiologischen Station B2, die im März zu einem Covid-Isolierbereich umfunktioniert wurde, sogar von der Krise profitieren.

Mitten in Zeiten der Corona-Pandemie wird heute der internationale Tag der Pflege gefeiert. Er erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale. Deren Geburtstag jährt sich 2020 zum 200. Mal. Zu ihrer Zeit war sie eine Heldin für die kriegsversehrten Soldaten. Heute sind Pflegefachkräfte wie Sandra Delling und Jessica Beck die Heldinnen für alle Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt werden.

Mit Humor gegen Belastungen

Sandra Delling hat ein berufskundlicher Vortrag in der Schule zuerst zu einem Pflegepraktikum und dann zur festen Überzeugung gebracht, den richtigen Beruf gefunden zu haben. Bei Jessica Beck verfestigten der Pflegehelferkurs an der FOS und ein anschließendes Praktikum auf der kardiologischen Station ihren Berufswunsch. Dabei, erinnert sich Beck, fand sie als Kind Kliniken ganz schlimm: „Stand ein Besuch im Krankenhaus an, musste man mich reintragen. Ich konnte den Geruch nicht ausstehen.“ Ihre Eltern hätten sich nicht vorstellen können, dass sie mal Pflegefachkraft werde. „Aber jetzt sind sie umso stolzer darauf, dass ich diesen Weg eingeschlagen habe“, sagt Beck.

Große öffentliche Anerkennung wird dem Pflegepersonal derzeit in vielen Ländern entgegengebracht. „Ihr seid riesig. Danke, Helden“ steht auf diesem Plakat eines Spaniers. Foto: Ricardo Rubio/Europa Press/dpa
Große öffentliche Anerkennung wird dem Pflegepersonal derzeit in vielen Ländern entgegengebracht. „Ihr seid riesig. Danke, Helden“ steht auf diesem Plakat eines Spaniers. Foto: Ricardo Rubio/Europa Press/dpa

In der Krise werden Pflegende plötzlich als Helden gefeiert, ihnen wird öffentlich applaudiert. Zu Recht, findet Pflegedirektor Frank Hederer. Seiner Meinung nach haben sie mit die größten physischen und psychischen Belastungen in dieser Zeit zu tragen – etwa das Arbeiten mit Schutzkleidung, die Angst vor Ansteckung, Flexibilität in der Arbeitszeit und im Einsatzbereich. Jessica Beck und Sandra Delling sehen das ähnlich. Sie sagen aber auch, dass sie sich mit der Situation arrangieren. So anstrengend sie das Arbeiten mit voller Schutzmontur empfinden – „man bekommt schlecht Luft, schwitzt stärker und verspürt mehr Durst“ – so dankbar sind sie, dass an ihrem Arbeitsplatz Schutzkleidung nie Mangelware war.

Ein Hasengesicht auf der Maske

Und sie wissen sich zu helfen, und gleichen mit Humor und kreativen Lösungen Mehraufwand und Unannehmlichkeiten aus. So kleben die beiden Frauen nun Pflaster auf den Nasenrücken und verlängern die Gummibänder der streng sitzenden Schutz-Masken mit Haargummis, um den Druck von der Nase und hinter den Ohren zu nehmen. Und zu Ostern haben sie sich Hasengesichter auf die Masken gemalt. Das hat nicht nur den Kollegen, sondern auch den Patienten ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. „Für die Patienten sehen wir mit der Schutzkleidung ja alle gleich aus“, sagt Delling. Umso dankbarer sind Patienten, wenn sich die Pflegekräfte Zeit für sie nehmen. Es helfe schon, den durch die Isolation oft psychisch angeschlagenen Menschen zuzuhören und ihnen zu zeigen, dass ihre Infektion nicht gleich bei allen Menschen Panik auslöst, so Delling und Beck.

Corona

Der Pfarrer sitzt oft am Krankenbett

Patienten in Schwandorf sollen die Krise körperlich und seelisch gut überstehen. Dafür setzt sich Pater Thomas Väth ein.

Die Krise am Krankenhaus St. Barbara hat zudem deutlich zum Vorschein gebracht, dass alle ein Team sind, das füreinander einsteht. Dazu gehören nicht nur die knapp 350 Pflegefachkräfte und Pflegehelfer, sondern auch Ärzte, Physiotherapeuten und Reinigungskräfte. Von Unterstützungsangeboten aus dem ganzen Krankenhaus weiß Jessica Beck zu berichten; von „einem sicheren Gefühl, dass man sich auf die Kollegen verlassen kann“, schwärmt Sandra Delling.

Corona hat bei den beiden jungen Frauen keine Zweifel an ihrer Berufswahl ausgelöst. Im Gegenteil: Jessica Beck sieht sich in ihrer Entscheidung klar bestärkt. „Wir werden durch die Pandemie mit einigen negativen Dingen konfrontiert. Aber es ist schön, dass uns große Wertschätzung von den Patienten, aber auch von unserem privaten Umfeld entgegengebracht werden“, sagt sie. Die derzeit große mediale Aufmerksamkeit für den Pflegeberuf stimmt die beiden aber nur verhalten zuversichtlich. Sie hoffen, dass das Ansehen auch nach der Krise so hoch bleibt. Es stecke, betonen beide, viel Fachwissen hinter ihrer Ausbildung.

Dauerhafte Anerkennung

Würde ihnen der Gesundheitsminister bessere Arbeitsbedingungen versprechen, stünden eine bessere Bezahlung – „analog zu unserem Fachwissen und der anspruchsvollen Ausbildung“ – und eine maßvolle Gestaltung der Arbeitszeit ganz oben auf der Wunschliste. Und die Forderung, dass eine Pflegekraft für weniger Patienten zuständig sein sollte, als es der derzeitige Schlüssel vorgibt. Denn aus den Gesprächen mit ihren Patienten und der gemeinsam verbrachten Zeit schöpfen viele Pflegende Kraft und Motivation für den stationären Alltag.

Freud und Leid, weiß Sandra Delling, liegen in einem Krankenhaus oft Tür an Tür. So gibt es Schwerkranke, die nach einem langen Aufenthalt geheilt entlassen werden. Aber sie denkt auch an eine 42-jährige Mutter, die immer wieder stationär behandelt wurde, und die schließlich in ihrer Schicht den Kampf gegen den Tumor verlor. Erlebnisse wie diese ruft sich Delling vor Augen, wenn alles ein bisschen viel wird. „Wenn ich die Schicksale mancher Patienten sehe, bin ich wirklich froh, dass ich jeden Tag aufstehen kann und gesund bin. Ihnen helfen zu können, macht mich stolz“, sagt sie.

Medizin

Neuer Oberarzt für St. Barbara

Der gebürtige Augsburger Dr. Benjamin Johannes Ottinger verstärkt das Team der Oberärzte am Schwandorfer Krankenhaus.

Weitere Artikel aus der Region Schwandorf lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht