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Region Schwandorf
Mittwoch, 26. September 2018 14° 1

Integration

„Hier sind alle immer so beschäftigt“

Der indische Pfarrvikar Pater John fühlt sich in Teublitz gut aufgehoben, lernt aber auch Kulturunterschiede kennen.
Von Werner Artmann

„Pudelwohl“ fühlt sich Pater John in der Pfarrei Teublitz – wie hier am Unsinnigen Donnerstag am Rathausplatz bei der Faschingsvorführung der „Narrischen Deiblitzer Weiber“. Foto: Artmann
„Pudelwohl“ fühlt sich Pater John in der Pfarrei Teublitz – wie hier am Unsinnigen Donnerstag am Rathausplatz bei der Faschingsvorführung der „Narrischen Deiblitzer Weiber“. Foto: Artmann

Teublitz.„Alles in Deutschland war neu für mich, die Sprache, die Kultur, die Sitten und die Bräuche, und alles musste ich erleben und lernen“, sagt lächelnd Pater John aus dem indischen Bundesstaat Kerala, der vor einem halben Jahr seinen Dienst als katholischer Geistlicher und Pfarrvikar in Teublitz begann. Erstmals in seinem Leben erlebte er Fasching in Teublitz und war von den Darbietungen der „Narrischen Deiblitzer Weiber“ am Unsinnigen Donnerstag hellauf begeistert.

Heimat im Pfarrhaus gefunden

Seine neue Heimat fand Pater John im Teublitzer Pfarrhaus, wo Pfarrer Michael Hirmer, Haushälterin Alexandra Zeins und Pfarrsekretärin Waltraud Neumüller alles tun, damit sich der Pater aus Indien in Bayern wohl fühlt. „Auch Mesner Günter Karcher hilft mir immer, besonders beim Autofahrenüben,“ sagt der Pfarrvikar, als er darauf anspielt, dass er jetzt erst einmal den deutschen Führerschein braucht: „Viel Theorie muss ich für die Führerscheinprüfung lernen!“ Dafür hat ihm Pfarrer Hirmer eine App auf das Tablet installiert, mit dem er in englischer Sprache die Führerscheintheorie „büffeln“ kann.

„Ich habe mich sehr gefreut, als ich vom bischöflichen Ordinariat gebeten worden bin, einen indischen Mitbruder aufzunehmen,“ erinnert sich Pfarrer Hirmer und fügt hinzu, „jetzt ist die Freude noch viel größer, denn mit Pater John habe ich einfach einen lieben Menschen und tollen Mitbewohner gefunden.“ Auch Pater John selbst ist sehr glücklich, in Teublitz leben und wirken zu dürfen: „Viele nette Leute hier. Ich spreche mit ihnen, sie verstehen mich und sie helfen mir, wie ich besser sprechen kann.“ Jedoch muss der Geistliche zugeben, dass er sich mit dem bayerischen Dialekt noch schwer tut. Jedoch ist er voller Begeisterung, wenn er über die Mentalität der Teublitzer spricht: „Die Menschen hier sind sehr ehrlich. Die Leute hier sagen hier immer die Wahrheit. Sie loben, aber sagen auch, wenn es nicht gut war. Die Leute betonen hier immer das Positive, nicht das Negative. Und das motiviert mich.“
Jedoch wundert er sich, dass die Leute nach einem Gottesdienst sofort nach Hause laufen: „In Indien sprechen die Leute miteinander. Nach der Messe ist hier die Kirche leer. In Indien ist nach der Messe die Kirche noch lange voll. Alle Menschen sind hier so beschäftigt mit allem.“ Stets beschäftigt erlebt der indische Pfarrvikar auch Pfarrer Hirmer: „Er sitzt oft und lange im Büro, telefoniert und macht Offizielles.“

„Was mich an John fasziniert und was wir deutschen Pfarrer von unseren indischen Mitbrüdern vielleicht lernen können ist, dass wir mehr als Geistliche leben sollten,“ antwortet Pfarrer Hirmer auf die Frage, was er von Pater John lernen könnte. Ich denke, dass John uns deutsche Pfarrer als Einzelkämpfer wahrnimmt.“

Die Pfarrgemeinde Herz Jesu erlebt der Pfarrvikar John aus Indien dagegen als sehr lebendig. „Wie hier Gottesdienst gefeiert wird ist sehr flexibel. Wir grüßen die Leute hier. In Indien ist alles strenger. Auch gehen wir hier mehr auf die Kinder ein, wenn sie sich zum Beispiel um den Altar stellen dürfen.“ In den vielen Veranstaltungen der Pfarrgemeinde ist Pater John mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Natürlich gehörte dazu auch die Faschingszeit. Erstmals konnte er dazu auch die „Narrischen Deiblitzer Weiber“ am Rathausplatz in ihrem Element erleben, wo er bei der Polonaise mit eingebunden wurde.

„Wenige kommen in die Kirche“

„Mittlerweile habe ich mich auch schon an das Wetter hier gewöhnt,“ sagt Pater John, der in Indien ganz andere Temperaturen gewöhnt ist und zeigt auf seinen dicken Pullover, „ich ziehe mich immer dick an, das hilft.“ Noch ganz nicht gewöhnt hat er sich an die Situation der Kirche hier: „Wenige kommen in die Kirche. Vielleicht gibt es verschiedene Gründe: Vielleicht Arbeit, Steuer, kein Interesse an der Kirche. Die Leute glauben, die Kirche ist sinnlos,“ und er fragt sich, wie man dies überwinden könnte.

„Ich denke, dass Integration niemals eine Einbahnstraße ist,“ resümiert Pfarrer Hirmer nach einem halben Jahr des Zusammenlebens. „Pater John kann uns viel geben. Wir lernen von seiner Gelassenheit und Freundlichkeit. Ich freue mich darauf, mit ihm den Glauben an Gott erleben und entdecken zu dürfen.“ Pater John wird voraussichtlich drei Jahre in Teublitz wohnen. Jedoch ist er nicht für die Pfarrgemeinde Herz Jesu zugewiesen. Sobald er fit für die Pastoral ist, soll er als „Springer“ in der Diözese Regensburg eingesetzt werden.

Vernetzung der indischen Priester

  • Die indischen

    Geistlichen sind sehr gut in Deutschland vernetzt. Die Priester der Vincent-Kongregation, der Pater John angehört, treffen sich monatlich zum Gebet und zum Austausch.

  • Auch gibt es regen

    virtuellen Kontakt zu den indischen Priestern, die in der Diözese Regensburg und darüber hinaus wirken. (bat)

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