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Region Schwandorf
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Lebensmittel

Schwandorfer Tafel grenzt niemanden aus

Die Ehrenamtlichen machen keinen Unterschied zwischen Hartz-IV-Empfängern, Flüchtlingen und anderen Bedürftigen.
Von Reinhold Willfurth

Rund vier Tonnen Lebensmittel pro Woche gibt die Schwandorfer Tafel aus.Foto: Heinzl/Archiv
Rund vier Tonnen Lebensmittel pro Woche gibt die Schwandorfer Tafel aus.Foto: Heinzl/Archiv

Schwandorf. Von Zuständen wie bei der Essener Tafel ist deren Schwandorfer Pendant weit entfernt. Ganz anders als die Kollegen in der Ruhrpott-Metropole haben Gero Utz und seine ehrenamtlichen Mitstreiter keinen Grund, die Notbremse zu ziehen und Asylbewerber von der kostenlosen Ausgabe von Lebensmitteln auszuschließen.

Das fällt den Tafel-Verantwortlichen aber auch insofern leichter als den Essener Kollegen, als sich in Schwandorf die Situation deutlich entspannt hat. Gero Utz nennt die Zahlen: Demnach verzeichnete die Schwandorfer Tafel in der Ausgabestelle Piusheim im vergangenen Jahr 8706 Einkäufe, ein klarer Rückgang im Vergleich zum Rekordjahr 2015 mit über 12 500 Einkäufen. Noch drastischer ist der Rückgang in der Ausgabestelle Städtedreieck. Dort wurden 2017 nur 980 Einkäufe verzeichnet – im Gegensatz zu gut 4800 im Jahr 2015.

Von 120 auf 250 Haushalte

Die Rekordzahlen aus dem Jahr 2015 haben natürlich mit dem großen Zustrom von Flüchtlingen in diesem Jahr und im Vorjahr zu tun, der auch die Schwandorfer Tafel unvorbereitet getroffen und, das räumt Gero Utz gerne ein, vor große Herausforderungen gestellt hat. Doch auch in Zeiten des großen Ansturms auf die Ausgabestellen im Schwandorfer Piusheim und in der Maxhütter Ockerstraße habe sich der Verein die Devise gegeben, dass niemand abgewiesen wird. „Wir haben bewusst versucht, nicht auszugrenzen“, sagt Gero Utz im Gespräch mit der Mittelbayerischen – und dies, obwohl die Zahl der zu versorgenden haushalte von 120 sprunghaft auf 250 gestiegen war. Die Schwandorfer Tafel behalf sich mit organisatorischen Maßnahmen. Ein Nummern-System sollte dafür sorgen, dass der Andrang kanalisiert und entzerrt wurde. Und in Zeiten des allergrößten Andrangs habe man die Notbremse ziehen müssen – was im Schwandorfer Fall lediglich hieß, dass nicht mehr zweimal, sondern nur noch einmal pro Woche eingekauft werden konnte. Dies sei fast ohne Ausnahme klaglos von den Kunden akzeptiert worden.

Der Andrang ist nach wie vor groß an den Ausgabetagen.Foto: Archiv
Der Andrang ist nach wie vor groß an den Ausgabetagen.Foto: Archiv

Und dies, obwohl das Piusheim nicht gerade perfekt auf lange Warteschlangen zugeschnitten ist. Es geht eng zu im Tiefgeschoss des Pfarrheims, die Kunden müssen sich bei Wind und Wetter draußen gedulden, bis sie dran sind. Eine kleine Überdachung ist die einzige Gelegenheit, die Menschen vor Regen und Schnee zu schützen, was aber bei großem Andrang nur wenig nützt. Trotzdem – Gero Utz weiß nur von vereinzeltem Ärger, der sich beim Warten in lautem Schimpfen oder gar Handgreiflichkeiten Luft gemacht hat. „Wenn es wirklich mal zu Unstimmigkeiten gekommen ist, haben wir konsequent durchgegriffen“, so Utz – und vergisst nicht zu betonen, dass sich auch Asylbewerber bei der Streitschlichtung verdient gemacht hätten.

Gesucht: ein neues Domizil

Mittlerweile ist der soziale Friede in der Warteschlange weniger gefährdet denn je. Zum einen können alle Kunden seit vergangenem Jahr wieder zweimal pro Woche einkaufen. Zusammen mit der gesunkenen Kundenfrequenz böte dies Raum für Entzerrung und etwas Entspannung für die 110 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter – wenn da nicht das Dauerproblem mit dem Standort Piusheim wäre.

Die Schwandorfer Tafel

  • Einkäufe:

    9686 Einkäufe 2017 an den beiden Ausgabestellen Schwandorf und Maxhütte-Haidhof, so wenig wie noch nie in den zehn Jahren Bestehen der Tafel

  • Mitarbeiter:

    110 Ehrenamtliche, die jährlich in über 14 500 Arbeitsstunden vier Tonnen Lebensmittel pro Woche von 62 Sponsoren abholen, anliefern und verteilen

  • Kunden:

    502 Ausweisinhaber versorgen 887 Familienmitglieder, darunter 132 Kinder

Neben der mangelhaften Wartesituation bereiten die Stufen zu den im Tiefparterre gelegenen Verkaufsräumen Probleme – für die Kunden, darunter auch rund 60 ältere Herrschaften, für die Logistik, die jede Woche vier Tonnen Nahrungsmittel über die Treppe befördern muss, und nicht zuletzt für die Tafel-Mitarbeiter, in der Mehrheit ebenfalls nicht mehr die Jüngsten. „Es gibt Ehrenamtliche, die sagen, das tu ich mir nicht an“, beschreibt Gero Utz das Treppen-Handicap.

Seit geraumer Zeit ist die Caritas, einer der Träger der Tafel, auf der Suche nach Ersatz. Doch der ist schwer zu finden. Utz zählt die Bedingungen für neue Räumlichkeiten auf: „Sie müssen gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein, dürfen nicht zu zentral liegen – Stichwort: Scham – sie müssen gut anfahrbar sein für unsere Lieferwagen, und schließlich sollte uns bei einem solchen sozialen Projekt auch der Vermieter entgegenkommen“.

Interessierte können sich an den Caritas-Kreisverband Schwandorf, Tel. (09431) 3816-0 in der Ettmannsdorfer Straße 19-21 wenden.

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