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Recht

Hinter Fahrschulauto besonders aufpassen

Wer hinter einem Fahrschüler fährt, muss so viel Abstand halten, dass er bei einem überraschenden Bremsmanöver anhalten kann.
von Albin Schreiner, Rechtsanwalt

Wer hinter einem Fahrschulauto fährt, muss damit rechnen, dass der unerfahrene Fahrer plötzlich bremst. Foto: Swen Pförtner/dpa
Wer hinter einem Fahrschulauto fährt, muss damit rechnen, dass der unerfahrene Fahrer plötzlich bremst. Foto: Swen Pförtner/dpa

Schwandorf.Wer hinter einem Fahrschulfahrzeug fährt, ist zu erhöhter Sorgfalt verpflichtet. Er muss seinen Abstand so wählen, dass er auch bei einem überraschenden Bremsmanöver des Fahrschülers noch rechtzeitig anhalten kann. Das hat das Landgericht Saarbrücken unlängst so entschieden.

Der Entscheidung lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die spätere Klägerin fuhr hinter einem Fahrschulfahrzeug, in dem ein Fahrschüler hinter dem Steuer und ein Fahrlehrer als Beifahrer saßen, in einen Kreisverkehr ein. Vor dem Verlassen des Kreisverkehrs verlangsamte der Fahrschüler dann sein Auto und trat beim endgültigen Verlassen des Kreisverkehrs vollends auf die Bremse, so dass die Klägerin, die in geringem Abstand folgte, auf das Fahrschulfahrzeug auffuhr. Beide Fahrzeuge wurden bei dem Unfall beschädigt, das der Fahrschule im Heckbereich und das der Klägerin im Frontbereich.

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Die Klägerin räumte ein Mitverschulden von 50 Prozent am Heckschaden der Fahrschule ein, wollte aber zugleich ihren Frontschaden zu 50 Prozent von der Fahrschule und von deren Haftpflichtversicherung ersetzt haben. Die Beklagten beriefen sich darauf, dass das Fahrschulfahrzeug durch seine Aufschrift von weitem als solches erkennbar war, und dass die Klägerin daher mit Fahrfehlern dessen Lenkers rechnen hätte müssen. Die Klägerin bekam daraufhin vor dem Amtsgericht in erster Instanz zunächst recht.

Gegen dieses Urteil legten die beklagte Fahrschule und deren Haftpflicht-Versicherung Berufung zum Landgericht ein mit dem Ziel, eine Abweisung der Klage zu erreichen.

Das Landgericht stellte hierzu fest: Nach § 4 Abs. 1 S. 1 StVO sei der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug derart weit einzuhalten, dass auch dann hinter diesem angehalten werden könnte, wenn eine abrupte Bremsung vollzogen wird. Wer also im Straßenverkehr auf den Vorausfahrenden auffährt, war in der Regel unaufmerksam oder zu dicht hinter ihm. Dafür spreche der Beweis des ersten Anscheins.

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Grundloses Abbremsen oder auch das „Abwürgen“ des Motors seien zudem typische Anfängerfehler, mit denen der Führer das nachfolgenden Fahrzeugs rechnen müsse, insbesondere wenn das vorausfahrende Fahrzeug deutlich als Fahrschulfahrzeug gekennzeichnet sei. Grundsätzlich seien die Beklagten daher für den Schaden am Pkw der Klägerin nicht haftbar zu machen.

Einzig und allein aufgrund des besonderen Umstands, dass der Klägerin räumlich wenige Reaktionsmöglichkeiten blieben, da der Fahrschulwagen bereits vor dem Verlassen des Kreisverkehrs abgebremst hatte, hielt die Kammer ausnahmsweise eine Haftungsverteilung von 70 Prozent zulasten der Klägerin und 30 Prozent zulasten der Beklagten für gerechtfertigt.

Die Klägerin konnte daher im Ergebnis lediglich 30 Prozent ihres Frontschadens von den Beklagten fordern.

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