MyMz
Anzeige

Gastlichkeit

Historie mit erlesenen Zutaten

Die „Kulinarische Stadtführung“ war ausgebucht. Jetzt soll dafür ein Gutscheinsystem zum Beschenken entwickelt werden.
Von Roland Thäder

  • Stadtführer Theo Männer erläuterte den Teilnehmern an der „Kulinarischen Führung“ die Odyssee des Stadtbrunnens.Fotos: Thäder

Neunburg. Lukullus, der römische Feldherr, der für seine üppigen Gastmahle berühmt war, hätte am Freitagabend seine helle Freude gehabt. Denn die Premiere der „kulinarischen Wanderung“ des Tourismusvereins und der Stadt Neunburg durch die Innenstadt und seine Gasthäuser war ausgebucht. 19 Gourmets wandelten zwischen Aperitif und Dessert auf den geschichtlichen Spuren der Pfalzgrafenstadt. Die Führung dauerte rund fünf Stunden und es wurden vier Gasthäuser angesteuert und ein Vier-Gänge-Menü serviert (auch vegetarisch), in jedem Wirtshaus ein Gang.

Die Gasthäuser waren das La Mamma, Die Südtiroler Stubn, das Gasthaus Sporrer und das Restaurant Esszimmer in der Schwarzachtalhalle. Als Stadtführer fungierte natürlich Museumsmann Theo Männer. „Keiner kennt die Geschichte der Stadt Neunburg besser als er“, sagte Ulrike Meixner von der Touristinfo Neunburg zur Begrüßung .

Gute Bausubstanz überraschte

Schon vor Beginn fachsimpelten einige Teilnehmer vor dem La Mamma darüber, wo denn hier der ehemalige Bahnhof und das frühere Arbeitsamt stünden. „Die Bausubstanz ist ja tipptop“, sagte einer der Teilnehmer aus Neukirchen-Balbini, der 40 Jahre auf dem Bau gearbeitet hatte, überrascht über das alte Gemäuer. Neben dem Markt kamen die Teilnehmer aus Rötz, Dieterskirchen, Kulz, Neunburg und Maxhütte-Haidhof.

Ausgangspunkt dieser Tour war das La Mamma in der Bahnhofsstraße 15, wo die Gesellschaft einen Aperitif nahm. Jeder konnte zwischen Aperol Spritz und einem Hugo wählen. Als Appetizer gab es dort zum Auftakt leckere belegte Häppchen mit Bruschetta oder Parmaschinken mit geraspeltem Hartkäse.

Männer begann seine Führung, indem er darauf hinwies, dass der kulturhistorische Schwerpunkt auf den alten Wirtshäusern lag. Dafür hatte er 6o Fotos mitgebracht, um den Unterschied zwischen gestern und heute zu demonstrieren. So kam die Bahn 1896 nach Neunburg und dafür benötigte man natürlich eine Bahnhofsgastronomie, heute das La Mamma. Im Umfeld der damals hippen Gegend siedelten sich wohlhabende Bürger an und bauten Villen.

Die zum La Mamma angrenzende Wiese war nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise das Sportgelände der US-Armee, wo auch American Football gespielt wurde. Die Neunburger standen diesem Sportgeschehen ehr skeptisch bis verwundert gegenüber, erinnert sich Männer. Dann schlenderte die Gesellschaft die Bahnhofsstraße über die Allee hinunter zum Jobplatz/Duscher-Kreuzung.

Mit Anekdoten, beispielsweise über König Max II., der einmal in Neunburg in der Alten Post abgestiegen ist und in der Folge der Pfalzgrafenstadt ein Bezirksgericht bescherte, weshalb der historische Schlosssaal gebaut wurde, unterhielt Männer die Gäste. Dann ging es in die Tiroler Stubn zur Vorspeise.

Als die Wasserleitung kam

Am Stadtplatz an der Ecke Schrannenplatz/Hauptstraße erzählte Männer den Gästen die Odyssee vom Stadtbrunnen, der Ende des 19. Jahrhunderts mit der Verlegung der gusseisernen Wasserleitung erneuert wurde. Später kaufte ihn ein Investor für den Rosengarten, bevor die Stadt ihn wieder zurückkaufte. Die Madonna auf der Spitze ist allerdings eine Replik. Auf dem Weg zum Gasthaus Sporrer zum Hauptgang erfuhren die Teilnehmer dann noch, wie ein Lehrling aus dem Hause Klemenz nach der Lehrzeit die Weißwurst nach Neunburg brachte.

Beim Sporrer gab es dann „Schweinerei im Pfandl“, knuspriges Wammerl, kleine Schweinshaxe, Ripperl, dazu Naabecker Dunkelbiersoße, einen Keks, Sauerkraut und kleine Kartoffel- und Semmelknödel. Die Alternative war ein vegetarisches Gericht mit hausgemachten Schopperln, mediterran gebratenem Gemüse mit Kirschtomaten, Pinienkernen und Fetabröseln.

Die letzte Etappe führte dann über die Hauptstraße ins Restaurant Esszimmer in der Schwarzachtalhalle, wo ein erlesenes Dessert wartete. Es gab Heidelbeer-Yogurt-Parfait mit Schokocrumble mit Erdbeeren und Himbeerespuma (eine Mischung aus Sahne, Buttermilch und Himbeeren aufgeschäumt) und eine Mascarponemousse zum Nachtisch.

Die Kulinarische Führung war drei bis vier Wochen nach der Ankündigung ausgebucht, sagte Ulrike Meixner gegenüber unserem Medienhaus. Wenn man Vergleichswerte anschaue, „sind wir sehr zufrieden damit, dass das Angebot gleich beim ersten Mal so eingeschlagen hat. Wir wollen gleich nächste Woche damit beginnen, ein Gutscheinsystem zum Beschenken zu entwickeln“ , so Meixner weiter. Die Reihe wird fortgesetzt.

Weitere Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier.

Die Speisenfolge

  • Interesse:

    Sonja und Rudi Schachinger aus dem Stadtteil Leonberg in Maxhütte-Haidhof hatten aus der MZ von der Kulinarischen Führung erfahren und fanden die Idee, Kultur und gutes Essen zusammenzuführen, ansprechend.

  • Medien:

    Wo heute das Bistro residiert, hatte einst das Neunburger Amtsblatt und ihr Nachfolger, die Neunburger Zeitung, ihren Sitz. Das Lokalblatt ging später in der Mittelbayerischen Zeitung auf, die seit mehr als 40 Jahren nun schon bei der Druckerei Schmidl zu Hause ist.

  • Tiroler Stubn:

    In den Tiroler Stubn gab es dann eine zünftige Vorspeise mit Südtiroler Speck, Pfefferbeißern und hausgemachtem Griebenschmalzbrot. Serviert wurden sie von den Wirtsleuten Tom und Heike Eckl, die auf Bodenständigkeit achten.

  • Stadtführer:

    Theo Männer erläuterte den Teilnehmern die historischen Besonderheiten der Stadt, sei es an der Jakobs- oder Spitalkirche, dem Stadtplatz oder mit Anekdoten, die sich um die zahllosen Wirtshäuser ranken, die es einmal in Neunburg gegeben hat. Fotos (4): ro

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht