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Fundstück

Historische Drehleiter kehrt heim

Nicht mehr taufrisch, aber in sehr guter Verfassung: Die Drehleiter „Leila“ aus dem Jahr 1938 steht wieder in der Feuerwache in Schwandorf.
Von Jürgen Kuprat

  • Ein historischer Schatz: Die Schwandorfer Drehleiter ist die einzige, weltweit noch original erhaltene Ausführung. Fotos: Kuprat
  • Nach der Überstellung zur Feuerwehr Schwandorf am 31. August 1938 wurde zunächst mit dem Fahrzeug geübt, bevor es in Dienst gestellt wurde.
  • In einer Vielzahl von spektakulären Einsätzen war die KLH 20 im Laufe der Jahre gefordert.
  • Im Jahr 1970 ging „Leila“ dann schließlich in den Ruhestand.
  • Das Orginalnummernschild
  • Handgemaltes Wappen
  • Rudimentäres Interieur
  • OB Helmut Hey lässt sich informieren.

Schwandorf. Die Freude war dem ersten Vorsitzenden Andreas Hohler ins Gesicht geschrieben: mit Unterstützung des THW Schwandorf konnte am Freitag die alte Drehleiter auf einem Tieflader von Oberviechtach nach Schwandorf zurückgeführt werden. Grund genug, am Samstag einen kleinen Festabend zur Vorstellung von Leila abzuhalten. Geladen waren neben den Honoratioren auch die Sponsoren, die den Ankauf der historischen Drehleiter möglich machten.

Gut, den Zustand der Drehleiter kann man nicht mehr als taufrisch bezeichnen, dennoch ist das historische Fahrzeug in einer sehr guten Verfassung, wie Sachkundige vermelden. Es fehlen keine wichtigen Teile, das Getriebe ist funktionsfähig, sogar die meisten Einzelteile sind noch vorhanden, unter anderem die originalen Holz-Unterleger für die Abstützung und das originale Nummernschild.

Dieses Fahrzeug ist wahrhaft ein alter Schatz: die Firma Magirus aus Ulm hat nur vier Fahrzeuge des Typs „KLH 20“ (Kraftfahrleiter Handbetrieb mit 20 Meter Steighöhe) auf dem eigens für Feuerwehren hergestellten Fahrgestell der Firma HansaLoyd aus Bremen hergestellt. Und von diesen ist die Schwandorfer Drehleiter die einzige, weltweit noch original erhaltene Ausführung.

Das Fahrzeug hat ein bewegtes Leben hinter sich, wie Vorsitzender Andreas Hohler und Stadtbrandinspektor Christian Schwendner vortrugen. Im Jahr 1938 wurde die KLH 20 als Ersatz für eine bisher verwendete Anhängeleiter von der Stadt Schwandorf gekauft. 14.288,75 Reichsmark mussten dafür bezahlt werden. Der Liter Benzin kostete damals noch 39 Pfennig, ein Kilo Brot 37 Pfennig.

Nach der Überstellung zur Feuerwehr Schwandorf am 31. August 1938 wurde zunächst mit dem Fahrzeug geübt, bevor es in Dienst gestellt wurde. Das Fahrzeug war damals grün lackiert – es gab noch keine Feuerwehr, sondern die „Feuerlöschpolizei“. Erst nach dem Krieg wurde eine neue, diesmal rote Lackierung, vorgenommen.

In einer Vielzahl von spektakulären Einsätzen war die KLH 20 im Laufe der Jahre gefordert. In den Kriegsjahren wurde sie sogar nach Nürnberg beordert, wo nach schweren Bombenangriffen große Teile der Stadt in Flammen standen. Angesichts der Tatsache, dass lediglich 60 PS zu Verfügung standen und die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h betrug, dürfte die Anfahrt einige Zeit in Anspruch genommen haben. Im Führerhaus hatten nur zwei Mann Platz, der Rest saß auf Bänken, welche im Freien auf dem Podium angebracht waren. Lediglich Lederriemen dienten zum Festhalten während der Fahrt. Das Aufstellen der Leiter war ebenso mühsam. Keine hydraulischen oder elektrischen Antriebe halfen – mit Handkurbeln wurde zunächst die Abstützung ausgefahren, dann der vierteilige Leiterpark. Das Drehen des Leiterparks ging natürlich auch nur händisch.

Im Jahr 1969, es war Frühjahr, wurde die Schwandorfer Wehr gegen Mittag zum Kloster Ettmannsdorf gerufen. Dort war ein Großbrand ausgebrochen, bei dem die KLH 20 gute Dienste leistete. Auch bei Bränden landwirtschaftlicher Anwesen war sie immer wieder im Einsatz, Fotografien aus dieser Zeit belegen dies.

Im Jahr 1970 schließlich ging Leila in den Ruhestand. Eine neue Drehleiter wurde angeschafft, diesmal mit hydraulischem Antrieb. Eine Weile, bis 1978, wurde sie noch vom städtischen Bauhof genutzt. Am 28. November 1992 schließlich wurde sie von Kreisbrandmeister Willi Stengl nach Kröblitz (bei Neunburg vorm Wald) geholt.

Die Spur verlor sich dann, bis im November 2012 Hans Kraus von der Feuerwehr Klardorf die Schwandorfer Kameraden auf Berichte über eine Ausstellung hinwies, bei der auch Leila zu sehen war. Hektisch wurde recherchiert, bis man herausfand, dass die Leiter noch im Landkreis Schwandorf stand: Stefan Lindner aus Oberviechtach hatte das Fahrzeug bei sich stehen. Es erfolgten erfolgreiche Verhandlungen über einen Rückkauf, und somit schließt sich der Kreis: die alte Dame ist wieder zu Hause.

Nun benötigt die Feuerwehr Schwandorf, wie OB Hey anmerkte, einen langen Atem und viel Kraft. Erst dann erstrahlt das historische Fahrzeug wieder in neuem Glanz. Geld muss aufgewendet werden, keine Frage. Doch eigentlich sollte es für jeden Schwandorfer Bürger eine Ehre sein, ein paar Euro zu spenden. Denn Leila hat in ihrem Leben vielen Schwandorfern im Unglück geholfen. Nun ist es Zeit, etwas davon zurückzugeben.

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