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Höhle in Burglengenfeld entdeckt

Ein Baggerfahrer stieß bei Arbeiten rund um den Toom-Markt darauf. Die Höhle könnte Auswirkungen aufs Trinkwasser haben.

In der Höhle gibt es trocken gefallenen Sinterwasserfall mit Knöpfchensinterbildungen.
In der Höhle gibt es trocken gefallenen Sinterwasserfall mit Knöpfchensinterbildungen. Foto: Dr. Klaus Dieter Raum

Burglengenfeld.76 Meter lang, 14 Meter tief, in Teilen aufrecht begehbar und ein uraltes Archiv der Erdgeschichte: Bei den Bauarbeiten rund um den Toom-Baumarkt an der Umgehungsstraße ist eine durchaus stattliche Höhle entdeckt worden. Das meldeten die Stadtwerke Burglengenfeld in einer Pressemitteilung. Der Hydrogeologe Dr. Klaus Dieter Raum und die Höhlenforscherin Sabrina Huber haben sie demnach freigelegt, vermessen und untersucht.

Denn unter anderem müsse geklärt werden, ob Auswirkungen auf die Burglengenfelder Trinkwasserversorgung zu erwarten seien. Der Verwaltungsrat der Stadtwerke hat daher einen sogenannten Tracerversuch in Auftrag gegeben, mit dem die Fließgeschwindigkeit des Grundwassers in Richtung der Trinkwasserbrunnen im Raffa ermittelt werden soll.

Ein Video aus dem Inneren der Höhle sehen Sie hier:

So sieht es in der entdeckten Eiszeithöhle aus

Die Höhle heißt jetzt „Zwicknagelschacht“

Bei den Bauarbeiten der Unternehmensgruppe Küblböck an der Umgehungsstraße mussten in einem Teilbereich des Baufeldes etwa sechs Meter Lehm und Kalkstein abgetragen werden. Dabei wurde der Zugang zu einer Schachthöhle freigelegt. Und so kam die Höhle auch zu ihrem Namen: Zwicknagelschacht. Denn in der Höhlenforscher-Szene ist es guter Brauch, Höhlen nach ihrem Entdecker zu benennen. In dem Fall war es Baggerfahrer Peter Zwicknagel.

Dr. Klaus Dieter Raum (l.), Sabrina Huber (2.v.l.) und Evl Anders (2.v.r.) untersuchten die neu entdeckte Höhle. Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth und Dipl.-Ing. (FH) Josef Hollweck dankten für den nicht ungefährlichen Einsatz unter der Erde.
Dr. Klaus Dieter Raum (l.), Sabrina Huber (2.v.l.) und Evl Anders (2.v.r.) untersuchten die neu entdeckte Höhle. Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth und Dipl.-Ing. (FH) Josef Hollweck dankten für den nicht ungefährlichen Einsatz unter der Erde. Foto: Michael Hitzek

Der Bauherr habe das Richtige getan, informierte unter anderem das Wasserwirtschaftsamt Weiden, die Kooperationsgemeinschaft „Trinkwasserschutz Oberpfälzer Jura“ und die Stadtwerke Burglengenfeld als örtlichen Wasserversorger. Die zogen Evl Anders und Dr. Klaus Dieter Raum vom Sachverständigenbüro für Grundwasser Anders und Raum aus Velden an der Vils, sowie die Höhlenforscherin Sabrina Huber aus Langquaid, hinzu.

Höhle liegt im Schutzgebiet der Trinkwasserversorgung

Schnell sei den Fachleuten klargewesen, dass die Höhle größer sein müsse als das zunächst sichtbare, kleine Einstiegsloch. Weitere Untersuchungen seien angebracht gewesen, denn: Das Gebiet, über dem sich die Höhle erstreckt, liege teilweise im Schutzgebiet der Burglengenfelder Trinkwasserversorgung. „Natürlich fanden auch wir allein die Tatsache spannend, dass eine derart weit verzweigte Höhle entdeckt worden ist, von der bislang niemand etwas wusste. Aber für uns als Wasserversorger steht die Frage im Vordergrund: Ist der Schutz unseres Trinkwassers sichergestellt?“, sagt Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth.

Die Besonderheiten der Höhle

  • Der Ursprung:

    Der Fund von Kryocalciten weise laut Höhlenforscherin Sabrina Huber darauf hin, dass die Höhle in einer einst gletscherfreien Zone liege, aber in der Eiszeit unter Permafrostbedingungen entstanden sei. Ungewöhnlich sei die Größe der versteinerten Seelilien aus dem früheren Jurameer. Entdeckt haben Sabrina Huber und Dr. Klaus Dieter Raum auch tektonische Störungsbahnen, schöne Sinterbildungen, Fossilien, Manganausfällungen und Hornsteinknollen, und in einem Raum sogar Tropfsteine.

  • Der Zustand:

    Höhlenforscherin Sabrina Huber sagte nach der ersten Besichtigung, das Gestein sei sehr brüchig, und von Rissen und Spalten durchzogen. Die Höhle könne nur mit „ausreichender Kenntnis“ der Gefahren tiefer Schachthöhlen und mit entsprechender Sicherung befahren werden. Es herrsche Absturzgefahr. „Die Höhle ist geologisch sehr, sehr interessant“, sagt Sabrina Huber. Sie ist Vorsitzende des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Bayern und eine erfahrene Höhlenforscherin.

Dazu müsse man wissen: Aufgrund der geologischen Gegebenheiten in der Region des Oberpfälzer Jura sei das Grundwasser besonders gefährdet. „Unsere Trinkwasserbrunnen im Raffa liegen in einem sogenannten Karstgebiet“, sagt Gluth. Das heißt: Über Klüfte im Gestein oder über Dolinen könne Niederschlags- und Oberflächenwasser schnell ins Grundwasser gelangen. Das gelte ebenso für Schadstoffe, die mit Niederschlags- und Oberflächenwasser transportiert würden.

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Das sei seit Jahrzehnten bekannt und auch der wesentliche Grund für den Bau der Aktivkohleanlage im Raffa durch die Stadtwerke gewesen. Fachmann Dr. Klaus Dieter Raum sei wenig überrascht über die Entdeckung der Höhle gewesen. Dass es Hohlräume und Klüfte in Karstgebieten und damit auch im Bereich der Bauarbeiten für den neuen Baumarkt gebe, sei zu erwarten gewesen. Und weil das Bebauungsgebiet zum Teil am Rand des Wasserschutzgebietes Burglengenfeld und in der weiteren Schutzzone für die Trinkwasser-Brunnen liegt, waren dem Bauherren im Zuge des Genehmigungsverfahrens etliche Auflagen gemacht worden.

So müssten etwa wassergefährdende Stoffe so gelagert und gesichert werden, dass keine Verunreinigung des Bodens erfolge. Verbrennungsmotoren oder Aggregate dürften nur auf befestigtem Untergrund aufgestellt werden. Baufahrzeuge dürften im Baustellenbereich nicht auf unbefestigten Flächen betankt werden.

Tiefster Punkt liegt 30 Meter über dem Grundwasserspiegel

Der tiefste Punkt der bislang befahrenen Höhle liege laut Dr. Raum nur rund 30 Meter über dem Grundwasserspiegel. Die Frage, die die Stadtwerke klären wollen: Wie lange würde es etwa nach einem Unfall in dem Bereich dauern, bis möglicherweise verunreinigtes Wasser im Grundwasser und bei den Trinkwasserbrunnen im Raffa ankäme? Wie lange also hätten die Stadtwerke in so einem Schadensfall Zeit, um zu reagieren?

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Aufschluss bringen soll ein sogenannter Tracerversuch. Dabei werde an geeigneten Stellen in der neu entdeckten Höhle mit lebensmittelechtem Farbstoff versetztes Wasser eingebracht. Anhand der Färbung könne nachvollzogen werden, welchen Weg das Wasser nehme und wie schnell das gehe. Das könne wenige Stunden dauern – oder mehrere Monate. „Man kann über der Erde nicht sehen, was unten los ist“, sagte Dr. Raum in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsrats der Stadtwerke. Der Tracerversuch soll voraussichtlich im Juli durchgeführt werden. „Der Höhlenfund zeigt beeindruckend die Besonderheiten des Einzugsbereichs unserer Trinkwasserversorgung auf. Und wie wichtig es war, die Aktivkohleanlage im Raffa zu bauen“, sagte Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth.

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