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Hoffnungsvolle Blicke in die Zukunft

Ab Montag dürfen wieder Messen gefeiert werden. Zum letzten Mal bietet deshalb Pfarrer Hirmer einen Zeitungsgottesdienst.
Von Pfarrer Michael Hirmer

Pfarrer Hirmer und P. John sind vorbereitet, wenn Gläubige wieder die Messe mitfeiern dürfen.  Foto: Pfarrei Teublitz
Pfarrer Hirmer und P. John sind vorbereitet, wenn Gläubige wieder die Messe mitfeiern dürfen. Foto: Pfarrei Teublitz

Teublitz.Darf man nach sieben Sonntagen mit leeren Kirchen und nach acht Wochen Corona-Ausnahmezustand schon ein Fazit ziehen? Wohl wissend, dass vielleicht noch ungewisse Zeiten auf uns zukommen werden, wage ich es, in die Zukunft zu blicken. Dabei hilft mir das Evangelium, in dem sich Jesus heute mit einem guten Hirten vergleicht.

Ich denke mir, liebe Leserinnen und Leser, wer die Zukunft nach Corona meistern will, muss sich radikal eine Frage stellen: Was ist eigentlich menschliches Leben? Leben bedeutet in unserer Zeit vor allem „erleben“. Zu erleben gibt es Vieles. Ja, man muss vieles erleben, um „in-sein“ zu können. Nicht nur das Freizeitverhalten des modernen Menschen ist zum Erlebnis-Stress geworden. Was man da nicht alles erleben muss? Viele Genussmöglichkeiten können ausgeschöpft werden; Tag und Nacht ist Party angesagt, und besonders die Urlaubszeiten sind voller Animation und Entertainment.

Möglichkeit zum Durchatmen

Nur logisch, dass dann zu Beginn der Corona-Zeit viele erst einmal durchatmen konnten: „Ich bin froh, dass der ganze Stress weniger ist. Endlich muss ich nicht von Termin zu Termin springen“, hörte ich immer wieder. Als unser gesellschaftliches Leben heruntergefahren wurde, merkten viele Menschen erst, wie ruhelos ihr Leben ist und wie maßlos sie es übertrieben haben in ihren Aktivitäten und in ihrem Drang nach Erleben. Konnten Sie, liebe Leserinnen und Leser, durchatmen? Wie geht es Ihnen jetzt nach acht Wochen Corona-Lockdown? Wie blicken Sie in die Zukunft?

Ruhelose Maßlosigkeit zeichnet unsere Erlebnis-Kultur aus. Schnell hierhin und dorthin; schnell noch dieses und jenes erledigen. In der Arbeit muss sowieso immer alles noch viel schneller gehen. Die Geschwindigkeit unseres Lebensstils potenziert sich von Jahr zu Jahr und von Generation zu Generation. Immer mehr und immer schneller lautet das Motto unserer Zeit. Das Leben vieler Menschen ist zu einem schnellen Rausch des „immer-mehr-haben-Wollens“ und des „immer-mehr-genießen-Wollens“ geworden.

Ist das Leben, liebe Leserinnen und Leser, nicht viel mehr als ein immer größerer Rausch des Erlebens? Vielleicht wacht der moderne Alleskönner-Mensch in der Krise aus diesem verführerischen Rausch auf? Jesus, der gute Hirte, spricht im Evangelium des Sonntags nicht von Erleben und Genuss. Er spricht vielmehr von „Leben in Fülle“. „Ich bin gekommen damit sie [die Menschen] das Leben in Fülle haben“ (Joh 10,10). „Leben in Fülle“ ist eine ganz andere Hausnummer als das Erleben von Genuss und Lifestyle.

Den ganzen Gottesdienst können Sie sich hier im Video ansehen:

Mit Pfarrer Hirmer Gottesdienst feiern

Eine neue Perspektive

Dieses „Leben in Fülle“ zeigt uns eine ganz neue Perspektive. Es bleibt nicht mehr in der sich immer schneller drehenden, irdischen Welt verhaftet. „Leben in Fülle“ verweist uns auf ein Leben darüber hinaus. Das wahre und vollkommen erfüllte Leben, so sagt uns Jesus der gute Hirte, finden wir nicht alleine in dieser Welt. Wer das vollendete Leben sucht, wird es letztlich nicht im „immer mehr“ unserer Erlebnis-Kultur finden, sondern im Vertrauen auf Gott.

Wenn ich nach acht Wochen Corona-Krise in die Zukunft schaue, dann blicke ich, liebe Leserinnen und Leser, auf Gott, der mir kein Erlebnis verspricht, sondern das Wesentliche im Leben zeigt.

Viele Menschen haben in den letzten Wochen erkennen können, dass in unseren mitmenschlichen Beziehungen viel mehr Kraft steckt als im teuersten Abenteuerurlaub. Andere haben entdeckt, was wirklich systemrelevant ist: nämlich Mitmenschlichkeit und Engagement. Jesus nennt dies Nächstenliebe. „Leben in Fülle“ bedeutet zu erkennen, was mein Leben mit tiefem Glück erfüllt und nicht nur mit dem oberflächlichen Rausch der Dinge betäubt.

Chancen aus der Krise

Ich bin zutiefst davon überzeugt, liebe Leserinnen und Leser: Wer Krisen überwinden und daraus lernen will, darf nicht einfach zurückkehren zum alten Lebensstil. Vielmehr muss er aufbrechen zu neuen Horizonten. Wo erkennen Sie in ihrem Leben diese weiten Horizonte? Wo bahnt sich für Sie ein erfülltes Leben an?

Ich wage in dieser Krise einen optimistischen Blick in die Zukunft. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch von so einer tiefen Sehnsucht nach einem vollendeten Leben erfüllt ist, dass wir den richtigen Weg in die Zukunft finden werden.

Um diesen Weg gehen zu können, braucht es jetzt „gute Hirten“. Es braucht jetzt Menschen, die sich trauen, weiter und tiefer zu blicken. Es sind Persönlichkeiten gefragt, die sich nicht vom rauschenden Getöse der Ungewissheit ablenken lassen, sondern voll Liebe die Menschen in diesen schweren Zeiten begleiten. Ein guter Hirte für unsere Mitmenschen können auch Sie sein, liebe Leserinnen und Leser.

Nein, mein Gott verspricht mir in dieser Krisenzeit kein Entertainment, keine Animation und kein buntes Erlebnis. Er stellt mir vielmehr einen „guten Hirten“ zur Seite, dem ich vertrauen und den ich letztlich lieben kann. Da ist dieser Jesus, der mich kennt, mich beim Namen ruft und der mich in die Weite des „Lebens in Fülle“ begleitet. In diese von Gott geschenkte Zukunft blicke ich voller Zuversicht und Hoffnung.

Pfarrer Michael Hirmer sagt Vergelt’s Gott

  • Danke:

    Nach acht Zeitungsgottesdiensten möchte ich Vergelt’s Gott sagen. Vielen Dank an die Mittelbayerische Zeitung, die der Kirche jeden Samstag auf einer ganzen Seite Raum gegeben und ein Video online gestellt hat. Die Idee entsprang einem Telefonat mit Lokalchef Martin Kellermeier, aus dem ein Format entstand, das bundesweit Nachahmung fand. Danke an mein Team: an P. John, Diakon Heiner Neumüller, Sekretärin Waltraud Neumüller und Haushälterin Alexandra Zeins; an Mesner Günter Karcher, Organist Norbert Hintermeier, Lektorin Helga Schmid und Techniker Matthias Kalb.

  • Großer Dank:

    Besonders aber danke ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. Ich habe viele positive Rückmeldungen von Ihnen bekommen. Vergelt’s Gott dafür. Viele haben die Angebote des Zeitungs- wie auch des Video-Gottesdienstes genutzt. Ich hoffe, dass der ein oder andere Gedanke Sie durch diese Zeit begleiten konnte.
    Sieben Sonntage musste ich ohne Menschen Gottesdienst feiern. Nicht nur ich, sondern alle Pfarrer freuen sich, jetzt wieder mit Ihnen Gottesdienst in der Kirche feiern zu können. – Ich wünsche Ihnen Gottes Segen, Ihr Pfarrer Michael Hirmer.

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