MyMz
Anzeige

Sprachkurs

„I ho no nia koa Geld niat ghabt!“

Oberpfälzisch hat in Hubert Treml endlich einen Lobbyisten gefunden. Er meistert die schwierige Aufgabe.

Oberpfälzisch-Kurs mit Hubert Treml

STÄDTEDREIECK. „San, sats, san…“ Was sich anhört wie eine japanische Anrede ist die Beugung des Hilfsverbs „sein“ im Plural in der Oberpfälzer Sprache, Teil des Oberpfälzisch-Kurses von und mit Hubert Treml im Mehrgenerationenhaus in Maxhütte-Haidhof. Zwar hatten sich nur zwei Handvoll Interessierter eingefunden, um dieser Sprache auf den Grund zu gehen, doch die waren mit Feuereifer bei der Sache.

Ober- und Niederbayrisch und auch Fränkisch sind „in“, dauerpräsent in den Medien. Man denke nur an den „Komödienstadl“ oder auch die Fernsehserie „Dahoam is Dahoam“. Aber die Mundart von über einer Million Menschen zwischen Tirschenreuth und Regensburg ist nahezu unbekannt, wird totgeschwiegen, im wahrsten Sinn des Wortes, weil der Oberpfälzer von Haus aus maulfaul ist und er sich geniert, sich und seinen Dialekt zu outen, dem oft unterstellt wird, er klinge sehr nach einem Bellen.

„Hawadere“ oder „Griaß di“

Das soll sich ändern, Oberpfälzisch hat endlich einen Lobbyisten, der es sich auf die Fahne geschrieben hat, unserem Idiom den Stellenwert zu geben, den es verdient. Eine schwere, aber offensichtlich auch vergnügliche Aufgabe. Der Spaß kommt keinesfalls zu kurz, Treml ist auch ein Komödiant, Gelächter kommt schon auf bei den unterschiedlichen Begrüßungsformeln, die gemeinsam erarbeitet werden: von „Hawadere“ über „Griaß di“ bis „meiwoukummstdenndubeidemsauwedaher“, je nach sozialer Stellung des Begrüßten. Der Oberpfälzer macht hier feinste Unterschiede!

Womit Treml schon bei den Personalpronomina und ihrer Deklination in Numerus und Kasus angekommen war: I, du, er/sie/es ist noch einfach, mia, etz/dirts, döi schon schwerer, und die Beugung von etz in enk/eich und weiter in engane/eiane im Gegensatz zu unsane und dene earane… ja, das gibt Probleme. Umso mehr, als sich oft gravierende regionale Unterschiede in Ausdruck, Aussprache und Schreibweise ergeben.

Paradox ist dabei, dass laut Treml, in der Hauptstadt der Oberpfalz, in Regensburg, im Grund gar kein Oberpfälzisch gesprochen wird. Die Beugung von Verben ist extra schwierig. Wem schon Latein Probleme bereitet hat, ist arm dran. Beinahe, denn Treml hat eine Regel gefunden, das „nix-st-t-wöi ghabt-ts-wöi ghabt“- Schema, damit geht’s (3. Fall, passt) Und das Ausfüllen von Lückentexten vertieft das eben Gelernte.

Nach einer kurzen Pause nimmt sich der Sprachkurs des A an, von dem mindestens sechs zu unterscheiden und schier nicht schreibbar sind, vom offenem kurzen A zum hellen langen eher AA gesprochenem, aber von Ah zu unterscheidendem A zum dunklen tiefen A und dem abfallenden eher O klingendem A zum stimmlosen A. Aha?

Die Dreifach-Verneinung

Die Köpfe rauchen, die Zeit schreitet fort, wird knapp, wir lassen die unregelmäßigen Verben dann aus, die sollen wir stur zu Hause pauken. Es gilt noch Konversation zu üben, etwa ein angeregtes Tischgespräch, was nicht soo schwer ist, denn der Oberpfälzer drückt einfach vieles extrem knapp (an Guadn) oder gar durch beredtes Schweigen aus, wogegen er in anderen Dingen wieder übertreibt und es gar auf eine Dreifach-Verneinung bringt: „I ho no nia koa Geld niat ghabt!“ Hingegen verkürzt sind etwa hinüber und herüber, auch hin- und herauf, hin- und herunter. Es wird einfach durch die veränderte Endsilbe ausgedrückt, wie umme, umma, affe, affa, owe, owa. Gar nicht übersetzbar ist das Wort „fei“, ein verstärkendes Füllwort unklarer Herkunft.

Zur Entspannung nehmen wir uns der Schimpfwörter an und – besser – der eigenartigen oberpfälzer Liebeserklärungen: „I moch de“ oder „Du daugst ma“. Der Kurs endet mit den Bezeichnungen für Zeitangaben, logisch aufgebaut wie sonst nirgends: viertel-, halba-, dreiviertel-Viere etwa, und den Jahres- und -zeitennamen. Auch hier macht der Oberpfälzer extra Unterschiede, wie grad, wo es „assewärts“ geht.

Und soviel dieser Abend auch beinhaltete, war es doch nur ein kurzes Streifen einer komplexen, sehr vielfältigen Sprache, die durch alle Regionen von zwei Lauten geprägt ist: ou und ej… Und vielleicht schreibt er noch seinen Roman, der Treml, den Titel hat er ja schon: „Douda liegt a Douda“. Unsern Dialekt kann er damit jedenfalls nicht meinen.

Hubert Treml ist Diplomtheologe. Er folgt inzwischen seiner eigentlichen Berufung als freischaffender Künstler, wobei er sich zum Allrounder entwickelt hat.

Der Künstler schreibt nicht nur Bücher, wie den Oberpfälzer Sprachkurs, sondern auch Lieder, die er selbst singt, etwa im Duett mit Franz Schuier als b.o.s.s.

Theater spielt Treml in der Gruppe „Die Ladenhüter“ oder er tritt Solo auf. Dazu führt er Regie oder textet für seine Kollegen(-nnen) aus der Kleinkunstszene.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht