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„Ich bin ein kroatischer Bayer“

David Davordelale fährt in Neunburg Taxi und fiebert beim WM-Finale mit dem kroatischen Fußball-Nationalteam mit.
Von Roland Thäder

Der „kroatische Bayer“ David Davordelale mit Nationaltrikot und Lederhose hofft auf einen Sieg des Teams um Stürmerstar Mario Mandzukic im WM-Finale.Foto: Thäder
Der „kroatische Bayer“ David Davordelale mit Nationaltrikot und Lederhose hofft auf einen Sieg des Teams um Stürmerstar Mario Mandzukic im WM-Finale.Foto: Thäder

Neunburg.50 Kroaten leben in der Stadt Neunburg. David Davordelale ist einer von ihnen, der zumindest in Neunburg im Nebenerwerb arbeitet und in Erzhäuser wohnt: Und David ist ein glühender Fußballfan. Seit Kroatien am Mittwochabend nach dem Fußballkrimi mit 2:1 nach Verlängerung gegen die englische Nationalelf erstmals in ein Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft eingezogen ist, ist er völlig aus dem Häuschen. Der Reporter des MZ-Medienhauses traf den Fan und Fahrer für Taxi Hofmann und den Neunburger Partyservice von Karl Haberl an seinem Arbeitsplatz, um mit ihm über seine Gefühle nach dem historischen Sieg und seine Erwartungen für das WM-Finale am Sonntag zu sprechen.

Denn eines ist wohl unumstritten. Trotz der genialen Momente, in denen Ivan Perisic in der 68. Minute im Halbfinale den 1:1-Ausgleich erzielt hat und Mario Mandzukic nach einer Uwe-Seeler-würdigen Hinterkopfballvorlage von Perisic in der 109. Minute zum 2:1-Sieg einnetzte: Die Equipe Trikolore, „Les Bleues“, wie sie die Franzosen ihr Nationalteam nennen, sind der klare Favorit. Dafür sorgen Stars, wie Antoine Grisman, der auch schon die deutschen Titelträume 2016 im Halbfinale während der Europameisterschaft hat platzen lassen.

Frankreich in Sicherheit wiegen

Das sieht der 68-Jährige in Senj zwischen Rijeka und der Insel Krk geborene David naturgemäß nicht so. „Die Franzosen haben nur eine große Klappe, die Kroaten bleiben vor dem Finale dagegen gelassen.“ Die Chancen dafür, dass sein Team gewinnt, schätzt er mit 50:50 ein. Er hofft sogar, dass die Franzosen 1:0 in Führung gehen, dann wiegen die Spieler um Mandzukic, Perisic Modric und Rebic den Gegner in Sicherheit und schlagen im geeigneten Moment zu.

Lesen Sie mehr: Jubel, Euphorie, Trance - Das kleine Kroatien ist seit der Fußball-WM im Ausnahmezustand. Können die Erfolge der Weltmeisterschaft für den zerrissenen Adriastaat auch die Wende in Politik und Wirtschaft bringen?

Das habe das Team schon zweimal erfolgreich praktiziert. Kroatienhabe sich auch die junge englische Mannschaft eine Stunde lang totlaufen lassen. „Die Kroaten sind im Fußball taktisch sehr hinterfotzig“, täuschen Schwäche vor und nutzen das Überraschungsmoment, sagt David, der seit 38 Jahren in Deutschland lebt und arbeitet. Nun ist er allerdings Rentner.

Mario Manzukic und Ivan Perisic jubeln nach dem Siegtreffer gegen England. Foto: dpa
Mario Manzukic und Ivan Perisic jubeln nach dem Siegtreffer gegen England. Foto: dpa

„Ich bin ein kroatischer Bayer oder ein bayerischer Kroate, ganz wie du es sehen willst“, sagte der gelernte Koch, der auch schon Gastwirt war. Deshalb hat er sich für das Fotoshooting mit dem MZ-Reporter auch gekleidet, wie es sich gehört. Mit dem Trikot der kroatischen Nationalmannschaft und einer Lederhose posiert er vor dem Taxi das er fährt in Fanmanier.

„Kroatien ist im Fußball taktisch hinterfotzig.“ Kroatien ist im Fußball taktisch hinterfotzig.“

David Davordelale, kroatischer Fußballfan

Überhaupt: „Mein Traum WM-Fußball-Finale wäre ein Bayerisches Nationalteam gegen das kroatische“, sagt David und fügt hinzu, da ginge ich immer als Sieger vom Platz. Und auch für seinen Landsmann Nico Kovacs, den neuen Trainer der FC-Bayern, hat er einen guten Rat. Er soll doch bitte Ante Rebic, den 19-jährigen Stürmer der kroatischen Nationalmannschaft, von seinem ehemaligen Arbeitgeber Frankfurt an die Isar holen. Er habe das Riesentalent ja selber aus Kroatien mit an die Mainmetropole gebracht, so David Davordelale.

Versalzen Antoine Grisman &Co. den Kroaten die WM-Suppe? Foto: dpa
Versalzen Antoine Grisman &Co. den Kroaten die WM-Suppe? Foto: dpa

Das Halbfinale verfolgte hat der Fußballfan zu Hause am Bildschirm und freute sich natürlich tierisch über den Erfolg über England. Dasselbe wird er beim Finale am Sonntag machen. Denn: „Fußball schaue ich immer alleine mti einer Flasche Rotwein. Ich mag dummen Kommentare in meinem Rücken.“ Denn in seiner Jugend hat er in seiner Heimatstadt Senj auch aktiv Fußball gespielt. Doch sollte Kroatien „Les Bleues“ schlagen, fährt er nach Regensburg. Dort feiert eine kroatische Fangemeinde im Fall des Titelgewinns sicher entweder unter der Steinernen Brücke oder Im Chaplin beim Ostentor-Kino.

Sehnsucht nach Schweinebraten

In Bayern fühlt sich David nun seit fast 40 Jahren zu Hause und, wie er sagt, „sauwohl“. „Wenn ich einmal Urlaub in Kroatien mache, habe ich nach einer Woche Sehnsucht nach Schweinebraten mit Knödel und einem Weißbier.“ Riesig stolz ist er schon jetzt auf das kroatische Nationalteam. Aber nicht nur auf die Fußballer, sondern auch auf die Wasserballer, die schon Weltmeister sind. Basketballer und Tennisspieler aus dem Land mit gerade einmal rund vier Millionen Einwohnern gehören ebenfalls zur Weltspitze. Wenn am Sonntag der ganz große Wurf gelingt, werde dies dem kroatischen Fußball einen großen Schub geben. Nachdem das Teams von Jogi Löw schon in der Vorrunde glanzlos gescheitert ist, drücken wir also dem lebenslustigen und sympathischen Kroaten und seinem Nationalteam am Sonntag im WM-Finale einfach die Daumen. Einige der Spieler werden wir ja einige Wochen später in der Bundesliga ja wiedersehen.

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