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Infizierte: Warum nennt keiner Details?

Ein Leser drängt auf Infos zu Arbeitsort und Kontakten der Corona-Infizierten. Wir erklären, warum das nicht möglich ist.
Von Bettina Mehltretter

Der Geschäftsführer eines Textilunternehmens zeigt die Masken, die sein Unternehmen jetzt für die Krise produziert. Wer solche Masken trägt, kann andere schützen und damit dazu beitragen, dass das Coronavirus langsamer verbreitet wird. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Der Geschäftsführer eines Textilunternehmens zeigt die Masken, die sein Unternehmen jetzt für die Krise produziert. Wer solche Masken trägt, kann andere schützen und damit dazu beitragen, dass das Coronavirus langsamer verbreitet wird. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Schwandorf.MZ-Leser Thomas G. aus Neunburg vorm Wald hat sich in einer Facebook-Nachricht an die Mittelbayerische gewandt. Er ärgert sich, weil er nirgends erfährt, wo genau die Menschen arbeiten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, oder mit wem sie Kontakt hatten, sagt er. Wenn er sich deshalb selbst nicht schützen kann, müsse sich das Virus doch immer weiter ausbreiten, findet er.

Welche Informationen gibt das Landratsamt heraus?

Hans Prechtl ist Pressesprecher des Landratsamts. Bei den Besprechungen der Führungsgruppe Katastrophenschutz tragen die Experten selbst Mundschutz. Foto: Viktoria Schmalhofer
Hans Prechtl ist Pressesprecher des Landratsamts. Bei den Besprechungen der Führungsgruppe Katastrophenschutz tragen die Experten selbst Mundschutz. Foto: Viktoria Schmalhofer

Zu Beginn der Coronakrise, ab dem 8. März, hat Landratsamtssprecher Hans Prechtl noch jeden einzelnen Corona-Fall im Landkreis in seinen Pressemitteilungen protokolliert und Angaben zu Geschlecht, Alter und Wohnort des Infizierten gemacht.

Seit 24. März nennt das Landratsamt täglich nur noch die Zahl der neuen Fälle. Informationen zu Geschlecht, Alter und Wohnort gibt Prechtl allein schon wegen der vielen neuen positiven Testergebnisse nicht mehr heraus – das Gesundheitsamt habe die Kapazitäten dafür nicht, sagt er. „Wir bitten um Verständnis, dass wir die geänderte Praxis beibehalten werden.“

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Wie begründet das Landratsamt die Entscheidung?

Vor allem so: Der Krisenstab will nicht, dass sich Bürger fälschlicherweise sicher fühlen, sollte ihr Heimatort nicht auf der Liste der Wohnorte der Infizierten auftauchen. Schließlich komme man etwa beim Einkaufen auch mit Menschen in Kontakt, die in einer anderen Gemeinde wohnen. Und selbst wenn jemand noch nicht positiv getestet worden ist und damit noch nicht in der behördlichen Statistik geführt wird, kann er das Virus bereits in sich tragen und andere anstecken, erklärt Hans Prechtl.

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Welche Rechte haben Infizierte?

Mehr Details zu veröffentlichen als die, die das Landratsamt vom 8. bis zum 23. März genannt hat, stand übrigens nie zur Debatte. Auch ein Infizierter habe einen Anspruch auf Wahrung seiner Persönlichkeits- und Datenschutzrechte, sagt Prechtl. Die ärztliche Schweigepflicht sei zwar gegenüber dem Gesundheitsamt gelockert, aber nicht gegenüber der Öffentlichkeit.

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„Die Veröffentlichung von Arbeitgeber und Kontakten ginge viel zu weit und wäre ein klarer Rechtsverstoß“, erklärt Prechtl. Die Daten, die über einen Patienten bekanntgegeben werden, dürften nicht dazu führen, dass der Corona-Infizierte identifiziert werden könne. „Jeder, der hier eine maximale Datenpreisgabe fordert, möge sich bitte überlegen, ob er es im Falle einer eigenen Infektion bereitwillig hinnehmen würde, dass über ihn alle Daten veröffentlicht werden“, betont Prechtl.

Warum hieß es anfangs, es gebe Infizierte bei Webasto in Stockdorf?

Doch warum war zu Beginn der Corona-Krise in Deutschland mehrfach von erkrankten Webasto-Mitarbeitern die Rede? Das Unternehmen Webasto im oberbayerischen Stockdorf hat mehr als 1000 Mitarbeiter, zudem seien von den erkrankten Mitarbeitern keine weiteren Details genannt worden. Somit sei die Anonymität weiter gewahrt worden, erklärt Hans Prechtl. Zudem habe „Webasto“ die Fälle selbst öffentlich gemacht und nicht das zuständige Gesundheitsamt.

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