mz_logo

Region Schwandorf
Dienstag, 14. August 2018 24° 3

Prozess

Internet-Chat wird zum Fall für Kripo

Ein 18-Jähriger aus dem Städtedreieck hat sich an eine Elfjährige herangemacht. Er muss nun vier Tage in Arrest.
Von Cornelia Lorenz

Der heute 19-Jährige hat per Facebook Kontakt zu dem Mädchen aufgenommen. Über WhatsApp tauschten die zwei Fotos aus. Foto: Patrick Pleul/dpa
Der heute 19-Jährige hat per Facebook Kontakt zu dem Mädchen aufgenommen. Über WhatsApp tauschten die zwei Fotos aus. Foto: Patrick Pleul/dpa

Schwandorf.Im echten Leben kannten sich die beiden nur vom Sehen – in der Anonymität des Internets dagegen war alles anders: Zwischen einem 18-Jährigen aus dem Städtedreieck und einem elfjährigen Mädchen hatte sich Ende 2016 ein verhängnisvoller Kontakt entwickelt. Für den jungen Mann endete die Bekanntschaft mit dem Kind vor dem Amtsgericht Schwandorf am Dienstag mit einer Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs. „Es ist schlimm zu sehen, was man im Internet alles anstellen kann“, sagte Richterin Petra Froschauer. Der heute 19-Jährige muss vier Tage in Jugendarrest und außerdem 50 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Für Froschauer war das ein angemessenes Strafmaß für die Vergehen, die die Staatsanwaltschaft dem 19-Jährigen zur Last legte: Ende 2016 hatte er unter falschem Namen via Facebook mit dem Kind Kontakt aufgenommen. Bald wurden Handynummern ausgetauscht und Nachrichten über WhatsApp versendet. Dabei handelte es sich keineswegs um harmloses Geplänkel: Der Angeklagte schickte dem Mädchen pornografische Fotos, forderte es auf, ihm sexuelle Handlungsanweisungen zu geben und brachte es dazu, ihm ein Foto von ihrem nackten Intimbereich zu schicken. Die Staatsanwaltschaft wertete die Vorfälle als sexuellen Missbrauch von Kindern in drei Fällen und legte dem Angeklagten auch den Erwerb und die Verbreitung kinderpornografischer Schriften zur Last.

Große Schwester ist misstrauisch geworden

Die Ermittlungen waren ins Rollen gekommen, weil die große Schwester des Mädchens misstrauisch wurde und bei der Polizeiinspektion Burglengenfeld Anzeige erstattete. Sie habe „hochsexualisierte Chatverläufe“ auf dem Handy der Elfjährigen entdeckt, berichtete sie den Beamten. Eine Beamtin der Kriminalpolizei Amberg nahm daraufhin das Handy genau unter die Lupe und stieß auf die virtuellen Unterhaltungen und pornografischen Bilder. Das elfjährige Mädchen bestätigte im Gespräch mit der Kripo die Kontakte zu dem 19-Jährigen. „Es war ihr peinlich – traumatisiert wirkte sie aber nicht“, sagte die Beamtin vor Gericht aus.

Der Jugendarrest

  • Im Jugendstrafrecht

    ist der Jugendarrest ein so genanntes Zuchtmittel. Mit dessen Vollzug soll einem jugendlichen Straftäter klar gemacht werden, dass er für das Unrecht, das er begangen hat, geradestehen muss.

  • Der Jugendarrest

    kann in Form von Freizeitarrest verhängt werden. Auch ein Dauerarrest ist möglich: mindestens über sieben Tage und höchstens über vier Wochen.

Der Angeklagte war im Verlauf der Ermittlungen von Anfang an geständig gewesen. Er räumte auch ein, das Alter des Mädchens gekannt zu haben. Er hat sich bei ihm entschuldigt. Die Taten begründete der junge Mann damit, nicht nachgedacht zu haben. Mittlerweile hat er Kontakt zu einem Therapeuten aufgenommen, um Probleme aus seiner Vergangenheit aufzuarbeiten. Mit dem Gesetz ist er bereits 2013 in Konflikt geraten, als er wegen Sachbeschädigung eine Woche Jugendarrest verbüßte. Auch mit einem frisierten Mofa und ohne Führerschein hat ihn die Polizei bereits erwischt. „Jetzt sitze ich wieder hier – das wollte ich vermeiden“, sagte der junge Mann. Er ist derzeit arbeitslos, bemüht sich aber um einen Ausbildungsplatz.

Mehr Berichte aus dem Schwandorfer Gerichtssaal gibt es hier.

Richterin Froschauer attestierte ihm, dass es ihm an der altersgemäßen Reife fehle und man ihn deshalb noch wie einen Jugendlichen behandeln müsse. Seine Vergangenheit solle er dringend aufarbeiten. Der Arrest als Strafe müsse sein, betonte sie. Schließlich habe er ein elfjähriges Kind mit Dingen konfrontiert, für die es überhaupt nicht bereit sei. In der Anonymität des Internets habe der Angeklagte gar nicht einkalkuliert, was er mit seinem Verhalten auslösen könne, weil er nur auf seinen eigenen Spaß aus gewesen sei. Über dieses Verhalten müsse er nun dringend nachdenken.

Mehr Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht