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Interventionsstelle für häusliche Gewalt

Opfern häuslicher Gewalt fehlt oft Zugang zu Hilfsangeboten. Das soll eine neue Kooperation im Landkreis Schwandorf ändern.
Von Marina Wudy

Häusliche Gewalt tritt vermehrt an Tagen auf, an denen viele Menschen Zuhause sind. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa
Häusliche Gewalt tritt vermehrt an Tagen auf, an denen viele Menschen Zuhause sind. Symbolfoto: Maurizio Gambarini/dpa

Schwandorf.Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt werden, haben oftmals Hemmungen oder Ängste, entsprechende Hilfsangebote anzunehmen. Im Landkreis Schwandorf gibt es deshalb seit 1. Januar diesen Jahres wieder eine Interventionsstelle für häusliche Gewalt. Gemeint ist damit eine Zusammenarbeit zwischen dem Frauenhaus Schwandorf und den entsprechenden Sachbearbeitern der einzelnen Polizeiinspektionen im Landkreis. Das Ziel: Aktiv auf betroffene Frauen zugehen, die von sich aus keine Hilfe suchen würden. Ganz neu ist die Kooperation jedoch nicht.

Zahl der Fälle häuslicher Gewalt steigt

Von 2016 bis 2017 gab es bereits eine entsprechende Interventionsstelle im Landkreis Schwandorf. Aufgrund von Personalmangels musste diese jedoch nach nur einem Jahr eingestellt werden. Barbara Arendt, Opferschutzbeauftragte am Polizeipräsidium Oberpfalz, begrüßt die Wiederaufnahme der Interventionsstelle sehr. „Wir hatten da einige Zeit einen blinden Fleck in Schwandorf“, sagt sie. Dabei steigen laut Arendt die Zahlen für häusliche Gewalt in der Operpfalz kontinuierlich: Im Jahr 2019 gab es insgesamt 1490 Fälle häuslicher Gewalt, und damit 95 mehr als noch im Vorjahr. 222 Fälle davon und damit rund 14,9 Prozent seien im Landkreis Schwandorf aufgetreten.

Die neue Interventionsstelle

  • Besetzung:

    Im Frauenhaus in Schwandorf ist eine Mitarbeiterin mit zehn Stunden pro Woche eigens für die Kooperation mit der Polizei und die Beratung der Frauen zuständig.

  • Förderung:

    Das Projekt wird gefördert aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Ebenfalls an der Finanzierung beteiligt sind der Landkreis Schwandorf und der Verein Frauen helfen Frauen e.V Schwandorf.

  • Beteiligung:

    Mit in der Kooperation sind die Polizeiinspektionen Schwandorf, Nabburg, Oberviechtach, Neunburg und Burglengenfeld. Auch die Polizeistation Nittenau macht mit.

  • Koordination:

    Die Koordination der Zusammenarbeit übernimmt Kriminalhauptkommissarin Barbara Arendt, Opferschutzbeauftrage am Polizeipräsidium Oberpfalz.

Laut Arendt sei es jedoch schwierig einzuschätzen, ob diese Steigerung tatsächlich darauf hindeute, dass es eine Zunahme an Fällen häuslicher Gewalt gebe. „Die steigenden Zahlen könnten auch auf eine erhöhte Bereitschaft zur Anzeige von Fällen häuslicher Gewalt hindeuten“, sagt die Kriminalhauptkommissarin. Anders gesagt: Es könnte sein, dass Frauen immer häufiger Gewalt im eigenen Zuhause nicht still hinnehmen, sondern schneller die Polizei einschalten.

Aktives Beratungsangebot soll Frauen entlasten

Zeigen betroffene Frauen ihre Partner tatsächlich an, kommt die neue Interventionsstelle ins Spiel, wie Edith Poguntke, Geschäftsführerin des Frauenhauses in Schwandorf, erklärt: Nach einem Einsatz bei häuslicher Gewalt könnten die Polizeibeamten mit Erlaubnis der betroffenen Frau deren Daten zunächst direkt an das Frauenhaus übermitteln. „Wir nehmen dann innerhalb der nächsten drei Tage umgehend Kontakt mit der Frau auf, um einen Beratungstermin zu vereinbaren“, erklärt Poguntke. In dringenden Fällen könne die Beratung auch per Telefon erfolgen; insgesamt können bis zu drei Beratungstermine in Anspruch genommen werden.

Die Beratung sei dabei „individuell und lösungsorientiert“. Durch das aktive Zugehen auf die Frauen würden diese entlastet und durch die enge Zusammenarbeit mit der Polizei würde ihnen zudem signalisiert, dass ihr Problem ernst genommen werde, so Poguntke. Die Geschäftsführerin zeigte sich sehr erfreut, dass die Interventionsstelle heuer wieder besetzt werden konnte. Das liege unter anderem daran, dass im September 2019 der Personalschlüssel für Frauenhäuser angehoben worden sei.

Corona-Krise begünstigt Auftreten häuslicher Gewalt

Die momentane Situation bezüglich der Corona-Krise sei außerdem eine besonders gefährliche Zeit für Opfer häuslicher Gewalt, da sind sich Opferschutzbeauftrage Barbara Arendt und Frauenhaus-Geschäftsführerin Edith Poguntke einig. Denn: „Tage, an denen alle daheim sind, begünstigen häusliche Gewalt“, sagt Arendt. Traditionell seien das Feiertage und die Wochenenden. Momentan seien aber aufgrund der Coronakrise viele Familien eng aufeinander, da gebe es vermehrt Erziehungskonflikte unter den Eltern, weiß Edith Poguntke. Hinzu kämen oft noch Probleme mit der finanziellen Situation, und fehlende Aufgaben Zuhause.

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Derzeit können beide Expertinnen zwar noch keinen eindeutigen Anstieg an Hilfesuchenden verzeichnen – aber: „Wir gehen davon aus, dass sich die momentane Situation auf Opfer häuslicher Gewalt auswirken wird“, sagt Edith Poguntke. Sie weist darauf hin, dass die Notrufnummer (0 94 71) 71 31 des Frauenhauses „auch in Pandemiezeiten Tag und Nacht erreichbar“ sei. Grundsätzlich werde im Frauenhaus außerdem jede hilfesuchende Frau, unabhängig von ihrer Nationalität oder Religion, aufgenommen. Die einzigen Kriterien, die gegen eine Aufnahme sprechen würden, seien eine Alkohol- oder Drogensucht sowie psychische Erkrankungen.

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