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Region Schwandorf
Samstag, 24. Februar 2018 1

Einkaufen

Investieren oder zusperren?

Online-Konkurrenz, Angst vor der Baustelle: Manches Geschäft in der Schwandorfer City macht dicht. Doch es gibt Lichtblicke.
Von Reinhold Willfurth

Mit der „Bücherwelt“ sperrt Ende März die letzte Eigentümer-geführte Buchhandlung Schwandorfs zu.Foto: Willfurth

Schwandorf.Die Stammkunden waren entsetzt. „Omei omei, wo sollen wir jetzt hingehen?“, habe es geheißen, als sich die Nachricht von der Schließung herumsprochen hatte, erinnert sich Ingrid Neger. Wohin ein Gutteil des einstigen Umsatzes der „Bücherwelt Schwandorf“ geht, liegt für Ingrid Neger und Mitinhaberin Waltraud Horsted freilich auf der Hand: Bücher werden, wenn überhaupt, zunehmend im Netz gekauft.

Das bekommen kleine Buchhandlungen wie die 2002 eröffnete „Bücherwelt“ besonders zu spüren. Neger und Horsted ziehen jetzt schweren Herzens die Konsequenzen: Zum 1. April schließt die Buchhandlung in der Bahnhofstraße kurz vor der Einmündung in die Friedrich-Ebert-Straße.

„Wir sind etwas deprimiert“

Die erfolglose Suche nach einem Nachfolger, das Ende des Mietvertrags und die unsicheren Aussichten angesichts der Großbaustelle Friedrich-Ebert-Straße vor der Haustüre hatten die beiden Buchhändlerinnen zusätzlich bewegt, das Kapitel „Bücherwelt“ endgültig zu schließen. „Wir sind beide etwas deprimiert“, gibt Waltraud Horsted die Stimmungslage wieder. Denn, so Ingrid Neger, „wir hätten gerne weitergemacht“.

„Wir sind beide etwas deprimiert.“

Waltraud Horsted

Entgegen der Gerüchte definitiv weitermachen wird die Buchhandlung Rupprecht. „Keine Sekunde“ habe man an eine Schließung gedacht, Umbau hin oder her, sagt Maria Rupprecht, Inhaberin der Buchhändler-Kette aus Vohenstrauß.

Trotzdem: In der Friedrich-Ebert-Straße sind die Leerstände vor dem Beginn der Umbauarbeiten im Frühjahr nicht zu übersehen. Vor allem rund um den Ostteil der geplanten Flaniermeile wurde zum Jahresende aus den verschiedensten Gründen zugesperrt. So sucht der Friseur „Liebeshaar“ per Aushang einen Nachfolger, das Mobiliar gibt es gratis dazu. Zwei weitere Leerstände warten bislang ebenfalls noch auf einen Mieter.

Gregor Plößl Foto: Willfurth

Noch einen Leerstand in diesem Bereich will Gregor Plößl unbedingt vermeiden. Doch der umtriebige Schuhhändler will sich künftig auf das Traditionsgeschäft „Schuhhaus Gruber“ am Ausgang der Friedrich-Ebert-Straße zum Marktplatz konzentrieren und den „Schuhlöffel“ aufgeben. Viele kleine Firmen aus Italien und Deutschland, die den „Schuhlöffel“ mit individuellem Design im Mittelpreis-Segment beliefert haben, seien weg, erläutert Plößl. Und als Familienbetrieb sei es auch nicht gerade leicht, zwei Standorte gleichzeitig am Leben zu erhalten.

Hier wird investiert: Schuhhaus Gruber am Marktplatz Foto: Willfurth

Bis er einen Nachmieter gefunden hat, will Plößl den „Schuhlöffel“ aber tageweise weiterbetreiben. Überhaupt stemmt sich der Schuhhändler gegen den Pessimismus, der bei manchen Händlern angesichts der Durststrecke von zwei Jahren Umbauzeit in der Friedrich-Ebert-Straße um sich greift. Denn auf den geplanten Umbau zur Flaniermeile lässt Plößl nichts kommen: „Ich glaube fest daran, dass es nachher umso schöner wird. Da kann sich jeder drauf freuen“, sagt Plößl.

Renovierung statt Leerstand

Wie zum Beweis für diese Haltung wird das Schuhhaus Gruber, das Plößl in der dritten Generation betreibt, demnächst neu gestaltet. Am 22. Februar soll es nach drei Wochen Umbauzeit wieder in neuem Glanz eröffnen. In der Breite Straße verschwindet demnächst mit dem Einzug eines auswärtigen Händlers in die einstige Ausweich-Bäckerei Glaab ein weiterer Leerstand.

Gründe zum Aufgeben und zum Investieren

  • Konkurrenz:

    Nur mehr einen Tag, am nächsten Freitag, hat der „Biomarkt“ am Adolf-Kolping-Platz geöffnet, dann ist Schluss. Inhaber Matthias Scharnweber hat vor der Konkurrenz eines neun Bio-Supermarkts in der Peripherie kapituliert.
    Einkaufen auf dem Sofa per Maus-Klick wird immer beliebter. Die Geschäfte leiden unterschiedlich. Betroffen sind vor allem Buchhändler, aber auch die Bekleidungsbranche. Sogar der Riese H&M muss die ersten Filialen schließen.

  • Investitionen:

    Geschäftsinhaber Gregor Plöhsl glaubt fest an den Erfolg des Umbaus in der Friedrich-Ebert-Straße. Noch vor dem Baubeginn investiert er in sein Traditionsgeschäft „Schuhhaus Gruber“. Der Umbau dauert drei Wochen.

  • Sachzwänge:

    Nicht immer sind E-Commerce oder Bauarbeiten ein Grund zum Schließen. Die Filiale von „Bonita“ in der Friedrich-Ebert-Straße wurde aufgegeben, weil der Ableger des Modekonzerns Tom Tailor in Schwierigkeiten geraten ist.

Auch an anderen Stellen hat der Händler Grund zum Optimismus ausgemacht. So habe das „Süße Eck“ am Unteren Marktplatz aufwendig erweitert. Für einen Lichtblick hält Plößl auch den Aufstieg der „Zuckerpuppe“ vom Miniladen in der Schwaigerstraße zum Café am Oberen Marktplatz.

Weniger gut sieht es auf dem Adolf-Kolping-Platz aus. Dort räumt Mattias Scharnweber seinen Biomarkt, der sich seit 2010 einen Namen bei umweltbewegten Kunden gemacht hat. Die Konkurrenz durch einen neuen Bio-Supermarkt in der Regensburger Straße und die „gefühlt seit letzten Sommer“ abnehmende Laufkundschaft rund um den Kolpingplatz hätten ihn zum Zusperren bewogen. Einen Nachmieter gebe es noch nicht. Fest stehe aber, dass kein Lebensmittelmarkt einziehen werde.

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