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Natur

Jäger: Wolf auf Kamera „erkennbar“

Im Raffa-Wald bei Burglengenfeld geht wohl ein „großer Beutegreifer“ um. Eine Wildkamera scheint das zu bestätigen.
Von Josef Schaller

Am 21. März 2018 um 0.31 Uhr wurde diese Aufnahme im Raffa von einer Wildkamera gemacht. Nach Meinung von Jägern ist hier ein Wolf gut erkennbar. Foto: Georg Schiessl
Am 21. März 2018 um 0.31 Uhr wurde diese Aufnahme im Raffa von einer Wildkamera gemacht. Nach Meinung von Jägern ist hier ein Wolf gut erkennbar. Foto: Georg Schiessl

Burglengenfeld.Georg Schießl, Jäger und Gastwirt aus Schirndorf, staunte nicht schlecht, als er am Gründonnerstag die Aufnahmen seiner Wildkamera sichtete, die er neben einem Wühlplatz für Wildschweine an einem Baum installiert hatte: „Das ist ein Wolf“, war sein erster Gedanke. Auch sein Sohn, der ebenfalls zur Jagd geht, hat da keine Zweifel. Bestätigung bekam Schießl auch von einem weiteren, befreundeten Jäger, als er die Aufnahme sah. Unter dem Bild, auf dem der Beutegreifer gut und deutlich erkennbar ist, steht die Uhrzeit: 21. März 2018 um 00.31 Uhr.

Ist die Angst vorm bösen Wolf berechtigt? Wir haben bei Experten nachgefragt.

Die Mittelbayerische Zeitung recherchiert bereits seit knapp vier Wochen zu einem möglichen Aufenthalt eines Wolfes im Waldgebiet „Raffa“ bei Burglengenfeld. Ein Jäger, der anonym bleiben möchte, hatte nämlich bereits am 4. März unserem Medienhaus mitgeteilt, dass dort ein Wolf gesichtet worden sei, ebenfalls von einer Wildkamera aufgezeichnet. Mehr wollte der Informant dazu nicht sagen. In Insiderkreisen wird darüber seit mehreren Wochen gesprochen. Nähere Einzelheiten will aber niemand wissen, auch nicht der Leiter des Forstbetriebes Burglengenfeld, Thomas Verron, sowie Hubert Wein, Vorstand der Jagdgenossenschaft, die ebenfalls davon gehört haben.

Bestätigung für Hohenfels

Trotz umfangreicher Recherchen ist der MZ bis heute nicht bekannt, ob es die besagte Aufnahme tatsächlich gibt. Ausschließen kann man es nicht, wie die Aktualität zeigt. Zudem bestätigten sowohl der Bundesforstbetrieb Hohenfels als auch das Landesamt für Umweltschutz (LfU), zuständig für das staatliche Monitoring großer Beutegreifer (Wolf, Luchs, Bär), jeweils in einer Pressemitteilung gesicherte Nachweise für einen männlichen Wolf auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels, und das über den Zeitraum eines ganzen Jahres, bis Mitte Januar 2018.

Ein glaubhafter Hinweis: Ein Jäger, der im „Raffa“ regelmäßig zur Jagd geht, behauptet, er habe nahe dem Parkplatz beim Kunstwaldgarten einen Wolf aus geringer Entfernung gesehen – in einem Abstand von 40 Metern Fotos: bjs
Ein glaubhafter Hinweis: Ein Jäger, der im „Raffa“ regelmäßig zur Jagd geht, behauptet, er habe nahe dem Parkplatz beim Kunstwaldgarten einen Wolf aus geringer Entfernung gesehen – in einem Abstand von 40 Metern Fotos: bjs

Das erste Mal konnte der Wolf dort am 10. Januar 2017 genetisch nachgewiesen werden. Seitdem sei die Anwesenheit dieses Tieres regelmäßig in verschiedenen Teilen des Truppenübungsplatzes, teilweise sogar mit Fotos und Videos, bestätigt worden, heißt es weiter in der Pressemitteilung des Bundesforstbetriebes.

Dabei konnte der Rüde auf der gesamten Fläche des Areals genetisch nachgewiesen werden. Momentan soll er sich aber im Veldensteiner Forst aufhalten. Reviergrößen können bis zu 250 Quadratkilometer betragen, ist auf der Internetseite des LfU nachzulesen. Und Wölfe gelten als gute Schwimmer. Warum sollte also dieser Wolf nicht auch im Waldgebiet „Raffa“ aufgetaucht sein, das Luftlinie nur fünf Kilometer vom Truppenübungsplatz entfernt ist.

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Mitte Januar 2018 will eine weibliche Nordic-Walking-Gruppe bei Fischbach ein lautes und deutliches Wolfsgeheul vernommen haben, wie eine Beteiligte der MZ mitteilte. Dieser Hinweis bekommt möglicherweise nachträglich besondere Relevanz, weil die Wildkamera von Georg Schießl mit der Aufnahme vom 21. März nur wenige hundert Meter davon entfernt installiert war.

Tote Rehe aufgefunden

Erst vor wenigen Tagen hat unser Medienhaus von einem weiteren Vorfall erfahren. In einem Wald bei Loisnitz (Teublitz) hat Mitte März 2018 ein Jäger einen toten Rehbock aufgefunden, mit Bisswunden, die auf einen großen Beutegreifer (Wolf, Luchs) schließen lassen. Dr. Thomas Ferstl vom „Netzwerk Große Beutegreifer“, das das Monitoring unterstützt, teilte hierzu mit, dass bei dem Kadaver eine genetische Untersuchung veranlasst worden sei. Die Polizeiinspektion Burglengenfeld hat den Vorfall ebenfalls bestätigt.

Der Rest des Rehkadavers, den Georg Schießl am 28. März fand. Auch In einem Wald bei Loisnitz (Teublitz) hat Mitte März 2018 ein Jäger einen toten Rehbock aufgefunden, mit Bisswunden, die auf einen großen Beutegreifer schließen lassen.
Der Rest des Rehkadavers, den Georg Schießl am 28. März fand. Auch In einem Wald bei Loisnitz (Teublitz) hat Mitte März 2018 ein Jäger einen toten Rehbock aufgefunden, mit Bisswunden, die auf einen großen Beutegreifer schließen lassen.

Bereits im Januar/Februar 2017 gab es eine Reihe von Beobachtungen, darunter auch sehr glaubwürdige, die auf die Anwesenheit eines Wolfes im „Raffa“ hindeuteten, wie die MZ-Recherchen ergaben. Gleich vier Personen wollen dort einen Wolf gesehen haben. Zwei davon hatten ihre Beobachtungen auch dem Forstamt Burglengenfeld gemeldet, wie Verron der MZ bestätigte. Einer davon ist Josef Kastl, ein erfahrener Jäger, der als Jagderlaubnisnehmer im Raffa eine Fläche von 120 Hektar betreut. Bei einem Telefonat bestätigte er auch unserem Medienhaus seine Beobachtungen.

Nur wenige Meter neben dem Mischbauwerk, nähe Parkplatz Kunstwaldgarten, habe er in geringer Entfernung klar und deutlich einen Wolf erkannt. 40 Meter soll er nur entfernt gewesen sein. „In einer Rückegasse ist er gestanden und hat mich eine halbe Minute lang beobachtet.“ Dann sei er weitergelaufen. „Hätte ich den Wolf nicht mit eigenen Augen gesehen, würde ich es nicht glauben“, so Kastl. Weitere Sichtbeobachtungen, unter anderem von Anton Meier aus Burglengenfeld, sollen in der Nähe von Schirndorf und Greinhof gemacht worden sein.

Georg Schießl zeigt, wo das Reh, dessen Kadaver er am Vormittag des 28. März fand, gerissen wurde. Haar-Reste vom Fell hat er hier gefunden. Das Reh wurde dann bis zum Waldrand geschleppt und dort zur Hälfte gefressen.
Georg Schießl zeigt, wo das Reh, dessen Kadaver er am Vormittag des 28. März fand, gerissen wurde. Haar-Reste vom Fell hat er hier gefunden. Das Reh wurde dann bis zum Waldrand geschleppt und dort zur Hälfte gefressen.

Georg Schießl sowie ein weiterer Jäger bestätigten für das gleiche Zeitfenster das Auffinden von mehreren toten Rehen, „deren Fraßmuster nicht dem entspricht, was wir üblicherweise haben“. Erst vor zwei Tagen hat Schießl erneut einen Rehkadaver in seinem Jagdbezirk aufgefunden, besser gesagt: nur noch der Kopf und Brustbereich. Ein Fuchs könne ausgeschlossen werden, so der Schirndorfer Jäger. Es sei mittlerweile „nichts Außergewöhnliches“ mehr, in unseren Wäldern auf einen Wolf zu treffen, sagte Revierförster Gerhard Kerscher aus Stefling im Gespräch mit unserem Medienhaus. Er ist ebenfalls Mitglied im „Netzwerk Große Beutegreifer“. „Wir müssen mit Wölfen leben lernen!“, sagt Kerscher. „Der Wolf muss in unseren Köpfen ankommen!“

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