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Region Schwandorf
Mittwoch, 15. August 2018 25° 6

Einsatzübung

Jede helfende Hand ist gefragt

Rund 70 Aktive der Feuerwehren aus der Gemeinde Bodenwöhr probten den Ernstfall nach einem „Zugunglück“.
Von Randolf Alesch

  • Einen Schwerpunkt der Übung bildete die Bergung von Verletzten aus einem Zug. Foto: Alesch
  • Die Teilnehmer an der Rettungsübung Foto: Alesch

Bodenwöhr.Immer wieder sorgen schwere Zugunglücke für Schlagzeilen in den Medien. Neben zumeist immensen Sachschäden sind dabei auch oftmals Tote und zahlreiche Verletzte zu beklagen. Bei solchen Unglücksfällen kommt dem möglichst schnellen, routinierten und geübten Einsatz der Rettungskräfte, egal ob Polizei, Feuerwehr, THW, Notfallmanager, Bahnmitarbeiter oder den Sanitätern und Ärzten ganz besondere Bedeutung zu, um Menschenleben zu retten und die Schäden möglichst niedrig zu halten. Neben der körperlichen Anstrengung sind sie vor allem auch großen psychischen Belastungen ausgesetzt.

Rund 70 Helfer im Einsatz

Einer, der solche Situationen kennt, ist Alois Neft aus Windmais, selbst seit vielen Jahren erfahrener Lokführer bei der DB AG und Aktiver bei der FFW Erzhäuser. Aus diesem Grunde kam er auf die Idee, eine Einsatzübung für seine Kollegen der Feuerwehren aus der Gemeinde Bodenwöhr, durch deren Einzugsgebiet die Bahnstrecke 5800 von Schwandorf nach Furth im Wald führt, zu organisieren. Das Echo war riesig: Rund 70 Aktive der Feuerwehren aus Bodenwöhr, Erzhäuser, Pingarten, Taxöldern sowie Alten- und Neuenschwand fanden sich am Freitagabend am Bahnhof in Bodenwöhr ein. 2. Bürgermeister Albert Krieger hieß die Einsatzkräfte willkommen, freute sich über die Bereitschaft der DB AG, diese Ausbildungsmaßnahme unentgeltlich zu ermöglichen und spendierte vonseiten der Gemeinde nach Ende der Übung eine Brotzeit für alle Teilnehmer. Drei Loks, ein Regionalexpress zur Personenbeförderung mit Neigetechnik aus Schwandorf, eine Diesellok aus Regensburg und eine Rangierlok aus Nürnberg, wurden für den Übungszweck nach Bodenwöhr geschafft. Unterstützt wurde Neft durch Lokführer-Ausbilder Johann Fröhlich, Netzbezirksleiter und Notfallmanager Tobias Kastner sowie dem Kommandanten der FFW Erzhäuser, Markus Wittmann.

Selbstmorde, Sturm- und Oberleitungsschäden, Bahnbetriebsunfälle so-wie Unfälle an Bahnübergängen seien die Hauptursachen für so genannten Bahneinsätze, zu denen dann neben den anderen Rettungsdiensten auch regelmäßig die Feuerwehren gerufen werden. Größtes Problem ist hierbei oftmals den genauen Unfallort zu finden und ihn vor allem mit dem Einsatzgerät zu erreichen, da nicht zu jedem Streckenpunkt befahrbare Wege führen. Deshalb kommt es hierbei auch oft auf die körperliche Fitness der Einsatzkräfte an. Einen Schwerpunkt der Übung bildete die Bergung von Verletzten aus einem Zug. Hierbei kam es vor allem auf die Überwindung der bis zu zwei Metern betragenden Höhenunterschiede von der Zugtür auf ein gegebenenfalls noch abschüssiges Schotterbett an. Dabei ist jede Hand gefragt, die mitanpacken kann. Weiter wurden technische Einzelheiten, wie zum Beispiel das Öffnen einer Zugtür bei Energieausfall, demonstriert. Man erfuhr auch, dass der Regionalexpress von zwei 755 PS starken Motoren angetrieben wird, während die Diesellok 232 über 4000 PS und die Rangierlok 294 über 1300 PS starke Motoren verfügt. Außerdem wurde das „Sanden“ eines Zuges, wodurch der Bremsvorgang auf einer rutschigen oder vereisten Strecke verstärkt werden kann, erklärt. Abhängig von der Geschwindigkeit kann der Bremsweg trotzdem noch bis zu 800 m betragen. Im Gegensatz zu einer normalen Lok der Oberpfalzbahn, die auf der Strecke von Schwandorf nach Furth im Wald bis zu 120 km/h schnell fährt, darf der Regionalexpress infolge seiner Neigetechnik bis zu 160 km/h schnell fahren. „Bei dieser Geschwindigkeit“, so Neft, „habe man beim Feststellen eines Hindernisses, auch bei guter Sicht, regelmäßig keine Chance, rechtzeitig abzubremsen, es kracht“. Bei schlechter Sicht oder in der Nacht weiß der Lokführer manchmal gar nicht, warum es gekracht hat. Die Geschehnisse würden auf einem Fahrtenschreiber festgehalten, so dass eine nachträgliche Manipulation nicht möglich wäre.

Eine schwere Belastung

„Ein Suizid, also, wenn sich jemand vom Zug überfahren lässt“, so Ausbilder Johann Fröhlich, „sei auch immer ein psychologisches Problem für den betroffenen Lokführer“. Er werde sofort abgelöst, ärztlich betreut und sei zunächst vom Dienst freigestellt, trotzdem stellt ein solches Ereignis für manchen Kollegen eine schwere Belastung dar.

Zum Abschluss der Übung bedankte sich Neft für die rege Teilnahme an der Fortbildung und kündigte an, dass er bei Interesse eine größere Übung im Rahmen der Brandschutzwoche mit Unfall zwischen Zug und Auto und zahlreichen Verletzten an einem unbeschrankten Bahnübergang auf der Nebenstrecke Bodenwöhr-Nittenau ins Auge gefasst habe. Hierbei sollten neben der FFW auch das BRK, ein Notarzt, die Polizei und das THW miteingebunden werden. Mitorganisator Markus Wittmann dankte Alois Neft, Johann Fröhlich und Tobias Kastner von der DB AG für die Durchführung der Fortbildung.

Schwere Zugunfälle 2018

  • Seeshaupt:

    Zwei Frauen wurden am 7. Mai bei einem Bahnunglück in der Nähe von Seeshaupt/Oberbayern getötet. Die 67-jährige Pkw-Fahrerin übersah wohl das rote Signallicht, fuhr über einen unbeschrankten Bahnübergang und wurde dabei von einem Regionalzug auf der Strecke Iffeldorf-Seeshaupt erfasst, welcher den Pkw hunderte Meter mitschleifte. Die Fahrerin und die Beifahrerin (83) starben noch an der Unfallstelle.

  • Aichach:

    Ebenfalls am 7. Mai fuhr ein aus Augsburg kommender Personenzug kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Aichach/Oberbayern auf einen stehenden, leeren Güterzug auf. Bei dem Unglück kamen der 37-jährige Lokführer des Personenzuges und eine 73-jährige Passagierin ums Leben. Weitere 14 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Derzeit wird gegen den Fahrdienstleiter als Unfallverursacher ermittelt. (tal)Rund 70 Aktive der Feuerwehren

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