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Geschichte

Jede Scheibe war ein Unikat

Die „Treff“-Schützen begehen ihr 180-jähriges Jubiläum. Gefeiert wird beim ältesten Burglengenfelder Verein aber nur intern.
Von Josef Schaller

Im Jahr 2015 wurde das Drei-Königs-Schießen zum letzten Mal ausgetragen. Die letzte Schützenscheibe gewann Karl-Heinz Lache (Vierter von rechts). Gestiftet und überreicht wurde sie vom Vorjahresgewinner Jochen Gröschel. Fotos: Schaller
Im Jahr 2015 wurde das Drei-Königs-Schießen zum letzten Mal ausgetragen. Die letzte Schützenscheibe gewann Karl-Heinz Lache (Vierter von rechts). Gestiftet und überreicht wurde sie vom Vorjahresgewinner Jochen Gröschel. Fotos: Schaller

Burglengenfeld.Drei Jahre waren gerade mal vergangen, nachdem zwischen Nürnberg und Fürth die erste Eisenbahnverbindung in Deutschland in Betrieb genommen worden war. Zwischen Burglengenfeld und Schwandorf verkehrte noch die Postkutsche, als der älteste, noch bestehende Burglengengenfelder Verein im Jahre 1838 gegründet wurde. Heuer begeht die Schützengesellschaft „Treff“ ihr 180-jähriges Bestandsjubiläum. Öffentliche Feierlichkeiten sind aber nicht geplant. 

Immer wieder umgezogen

Verfolgt man die Entwicklung des Vereins, muss man feststellen, dass gleich mehrmals sowohl der Vereinsname als auch die Vereinslokale und Schießstätten gewechselt wurden. Aus der Schützengesellschaft Burglengenfeld, gegründet im Gasthaus „Zum Goldenen Hirschen“, wurde später die „Zimmerstutzen-Schützengesellschaft Weiß-Blau“, dann die „Zimmerstutzen-Schützengesellschaft Deutsche Eiche“ und schließlich die „Schützengesellschaft Treff 1838“.

Schon oft musste die „Schützengesellschaft Treff“ umziehen. Aktuell hat der Verein sein Zuhause im Keller des ehemaligen Stadthotels im Naabtalpark gefunden.
Schon oft musste die „Schützengesellschaft Treff“ umziehen. Aktuell hat der Verein sein Zuhause im Keller des ehemaligen Stadthotels im Naabtalpark gefunden.

Beginnend bei der alten Schießstätte am Georgi-Anger, hat man danach im äußeren Postgarten sein Ziel anvisiert, dann beim Brücklkeller, im Bahnhofsrestaurant, in der Hauserschen Bierwirtschaft, in der Turnhalle des TV 1875, in der Gastwirtschaft Post und von 1971 bis 1995 im Keller des ehemaligen Vereinsheims des ASV Burglengenfeld in der Max-Tretter-Straße. Mit dem Umzug des ASV in den Naabtalpark mussten sich auch die Schützen wieder eine neue Bleibe suchen und fanden diese in einem Kellerraum im ehemaligen Stadthotel.

Bürgermeister Thomas Gesche bezeichnete das 180. Jubiläum als eine „schöne Sache“. Es sei etwas Besonderes, so ein langes Jubiläum feiern zu können.
Bürgermeister Thomas Gesche bezeichnete das 180. Jubiläum als eine „schöne Sache“. Es sei etwas Besonderes, so ein langes Jubiläum feiern zu können.

Ein fester Bestand im Terminkalender des Vereins war lange Zeit das traditionelle Drei-König-Schießen. Die Teilnahme war nur für Vereinsmitglieder vorgesehen. Für gute Schießergebnisse gab es Pokale und Sachpreise. Das beste Plattl gewann die Schützenscheibe. Jede war ein Unikat. Der Gewinner durfte sich geehrt fühlen, auch deswegen, weil sein Name auf der Scheibe verewigt wurde, ebenso wie der des Stifters. Das war der Gewinner des vergangenen Jahres. Früher sei direkt auf die Scheiben geschossen worden, wie sich Albert Steinhauser, 2. Schützenmeister, erinnerte. „Aber dann haben wir uns entschlossen, die kleinen Zielscheiben erst nach dem Schießen aufzukleben, um die tollen Trophäen nicht mehr zu zerstören.

2015 wurde das Drei-König-Schießen zum letzten Mal ausgetragen. Das Interesse an diesem einst so beliebten Schießwettbewerb hatte in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. Die letzte Scheibe gewann Karl-Heinz Lache.

Historische Scheiben ausgestellt

Anlässlich des Jubiläums wurden vom 16. bis 20. April im Historischen Rathaussaal 44 solcher Scheiben ausgestellt. Ein Großteil dieser Exponate wurde vom Burglengenfelder Hobbymaler Josef Humbs sen. kreiert. Auf den Scheiben sind klassische Jagd- oder Schützenmotive, zum Teil auch „typisch Lengfelder Motive“ zu sehen, wie der 82-Jährige im Gespräch mit der MZ sagte.

Anlässlich des Jubiläums waren vom 16. bis 20. April im Historischen Rathaussaal insgesamt 44 historische Schützenscheiben aus dem Bestand der „Schützengesellschaft Treff“ ausgestellt worden.
Anlässlich des Jubiläums waren vom 16. bis 20. April im Historischen Rathaussaal insgesamt 44 historische Schützenscheiben aus dem Bestand der „Schützengesellschaft Treff“ ausgestellt worden.

Zu vielen Motiven hat er einen sehr persönlichen Bezug. Sein Lieblingsbild ist das vom alten Brunnen am Marktplatz. „Das ist mir besonders ans Herz gewachsen. Da, gleich um die Ecke, bin ich nämlich aufgewachsen“, so der sehr ambitionierte Hobbymaler. Unter anderem sind auch das große Burglengenfelder Hochwasser aus dem Jahr 1954 und die Maria-Trost-Kapelle auf den Exponaten verewigt. 

Früher waren die Zielscheiben noch direkt auf der Schützenscheibe angebracht. Beim Schießen waren die wunderbaren Motive dadurch stark beschädigt worden.
Früher waren die Zielscheiben noch direkt auf der Schützenscheibe angebracht. Beim Schießen waren die wunderbaren Motive dadurch stark beschädigt worden.

Die besten Jahre der „Treff“-Schützen liegen viele Jahre zurück. Die Mitgliederzahlen haben sich mehr als halbiert, von rund 200 auf derzeit zirka 60. Auch dieser Verein blieb von Nachwuchssorgen nicht verschont. Und die Zukunft ihrer derzeitigen Bleibe ist auch nicht gesichert. Das ehemalige Stadthotel ist inzwischen im Eigentum des Heuser Sozialwerks. Der Mietvertrag läuft Ende 2019 aus, wie Sportleiter Karl-Heinz Schmalzbauer der MZ sagte. „Sollten wir raus müssen, lösen wir den Verein auf!“ Im Oktober dieses Jahres stehen Neuwahlen an, vielleicht die letzten in der langen Geschichte der „Schützengesellschaft Treff“.

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