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#Kaltwassergrillen

Kameraden feiern mit nassen Füßen

Ein Internet-Phänomen schwappt durch den Landkreis Schwandorf: Grillpartys im Wasser – oft mit ernster Botschaft.
Von Cornelia Lorenz

Eine Gaudi mit wichtiger Botschaft: Die Mitglieder der Feuerwehr Nittenau wollen mit ihrer Grillparty Werbung fürs Blutspenden machen. Foto: FFW Nittenau
Eine Gaudi mit wichtiger Botschaft: Die Mitglieder der Feuerwehr Nittenau wollen mit ihrer Grillparty Werbung fürs Blutspenden machen. Foto: FFW Nittenau

Schwandorf.Die Füße baumeln von Bierbänken nackt ins eiskalte Wasser und die Außentemperaturen mit gerade einmal ein paar Grad über null sorgen auch nicht gerade für Behaglichkeit. Doch die Menschen, die zurzeit unter solch widrigen Bedingungen fröhliche Grillpartys feiern, haben dabei trotzdem jede Menge Spaß: Sie spielen mit bei der „Cold Water Challenge“, einem Trend, der auch unter dem Namen „Kaltwassergrillen“ bekannt ist und über das Internet und die sozialen Medien immer mehr Fans findet. Auch im Landkreis Schwandorf ist das Phänomen angekommen und hat schon zahlreiche Vereine zum Mitmachen animiert – und es werden immer mehr.

Warum man ausgerechnet im Winter frierend und mit nassen Füßen unter freiem Himmel Bratwürste auf den Rost legt, ist eine Frage, die sich auch die Teilnehmer der Challenge vorab durchaus gestellt haben. „Eigentlich gibt es keinen wirklichen Sinn dahinter“, sagt Tobias Singerer, taktischer Leiter der BRK-Bereitschaft Burglengenfeld, die ihr feucht-fröhliches Grillfest am 23. Dezember über die Bühne brachte.

Sehen Sie hier das Video der BRK Bereitschaft Burglengenfeld:

Fakt war jedoch: Die Burglengenfelder Wasserwacht hatte ebenfalls mitgemacht und die Kollegen von der BRK-Bereitschaft via Facebook nominiert. „Da waren wir dann gleich dabei, denn so eine Aktion fördert die Kameradschaft und macht Spaß“, sagt Singerer. Gut zehn Mitglieder versammelten sich deshalb am alten Flussbad, stellten einen Gasgrill und Bierbänke ins seichte Wasser und erfüllten ihre Mission. „Wir haben es so schnell wie möglich hinter uns gebracht, weil es sehr kalt war. Danach haben wir einen warmen Tee getrunken“, sagt Singerer schmunzelnd.

Die Burglengenfelder Wasserwacht ist für die Challenge ins Kneipp-Becken gegangen:

Damit haben er und seine Kollegen alles richtig gemacht: Ein nominierter Verein hat den Spielregeln zufolge eine Woche Zeit, sein Grillfest im Wasser auf die Beine zu stellen. Die Party muss natürlich gefilmt und als Beweismittel inklusive Aufruf an drei weitere Vereine ins Internet gestellt werden. Wer nicht handelt, sollte eine Brotzeit ausgeben. Auch die Jugendblaskapelle Neukirchen-Balbini hat sich deshalb kürzlich nass gemacht: Als die Nominierung durch die Musikerfreunde aus Seebarn eintraf, machten sich die 20 jungen Leute zügig an die Organisation.

„Wir waren alle gleich dafür“, sagt die zweite Dirigentin Verena Ziereis. Weil es vor Ort kein passendes frei zugängliches Gewässer gibt, bestellte die Gruppe kurzerhand ein Planschbecken, stellte es direkt vor dem Musikheim auf, füllte es mit kaltem Wasser und spielte darin ein Ständchen. „Es war eine richtige Gaudi“, sagt Ziereis.

Sehen Sie hier das Beweisvideo der Jugendblaskapelle:

Doch eigentlich steckt hinter der Idee des Kaltwassergrillens ein tieferer Sinn: Zu Beginn der Aktion, die in Niederbayern ihren Anfang nahm, verkündeten viele der teilnehmenden Vereine noch eine Spende an eine gemeinnützige Organisation. Aber der karitative Gedanke ist mittlerweile fast verloren gegangen. Im Mittelpunkt steht jetzt bei den meisten Vereinen der kameradschaftliche Aspekt. „Uns ging es darum, dass wir als Landjugend wieder etwas gemeinsam machen“, sagt Andreas Maier, Vorsitzender der KLJB Penting. Die Mitglieder dort starteten nach der Nominierung eine Spontanaktion und ließen sich mit dem präparierten Frontlader eines Traktors sanft ins seichte Wasser hinab.

Die pfiffige Idee der Pentinger sehen Sie in ihrem Video:

Die Feuerwehr Nittenau hat zwar beim #Kaltwassergrillen mitgemacht, aber keine anderen Vereine mehr nominiert. Ihnen geht es um den guten Zweck – der am Anfang auch im Vordergrund der Aktion stand.

Mehr Infos gibt es hier:

Aktion für den guten Zweck

  • Die „Cold Water Challenge“

    hat ihren Ursprung bei Vereinen in Niederbayern und breitet sich seit einigen Monaten immer weiter aus. Sie erinnert an die „Ice Bucket Challenge“ , bei der sich 2014 viele Menschen Kübel mit Eiswasser über den Kopf schütteten und dabei Spenden für die Erforschung der Krankheit ALS sammelten. Der ursprüngliche karitative Zweck des aktuellen „Kaltwassergrillens“ ist im Lauf der Zeit immer mehr verloren gegangen.

  • Mit Skepsis

    haben deshalb die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Nittenau auf ihre Nominierung reagiert. „Wir haben als Feuerwehr genügend wichtigere Dinge zu tun“, betont FFW-Vorsitzender Andreas Weidmüller und denkt dabei zum Beispiel an die Unwettereinsätze der vergangenen Woche. Dennoch haben die Mitglieder nach längerer Überlegung beschlossen, den Spaß mitzumachen – und ihre Grill-Aktion am Regenufer tatsächlich für einen guten Zweck genutzt.

  • Mit ihrem Video

    von der Mini-Grillparty will die Wehr auf den BRK-Blutspendetermin am 26. Januar von 15.30 bis 19.30 Uhr in der Volksschule hinweisen. Rund 20 Mitglieder der Wehr treten selbst zum Blutspenden an. „Wir freuen uns, wenn es uns viele Vereine gleichtun. Damit hat die Kettenaktion auch Sinn gemacht“, sagt Weidmüller. Er und seine Kameraden haben das Schneeballsystem übrigens unterbrochen und keine weiteren Vereine nominiert.

Auch die Feuerwehr Nittenau hat ein Beweisvideo auf ihrer Facebookseite veröffentlicht:

Im Landkreis Schwandorf haben sich sehr viele Vereine an der Aktion beteiligt. Sie können die Videos auf Facebook unter dem Hasthag #Kaltwassergrillen oder #KaltwasserGrillChallenge finden. Wir haben zum Schluss noch ein paar Videos für Sie gesammelt.

Die Festdamen Münchshofen:

Die Festdamen Bruck:

Die KLJB Kulz:

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