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Haustiere

Kaninchen Hänsels heimliche Liebeleien

Der Rammler landete bei den Medacks in Bodenwöhr versehentlich bei den Damen. Nun suchen 40 Kaninchen ein neues Zuhause.
Von Cornelia Lorenz

Kaninchen-Rammler Hänsel hat auf dem Gnadenhof von Jeanette Medack in Bodenwöhr für ungeplanten Nachwuchs gesorgt.  Foto: Lorenz
Kaninchen-Rammler Hänsel hat auf dem Gnadenhof von Jeanette Medack in Bodenwöhr für ungeplanten Nachwuchs gesorgt. Foto: Lorenz

Bodenwöhr.Hänsel ist gerade einmal sieben Monate alt und schon zigfacher Vater: Der Kaninchenmann hat auf dem Gnadenhof Medack in Bodenwöhr still und heimlich die Damenwelt beglückt. Unterstützung bekam der kuschelige Rammler dabei von einem männlichen Wildkaninchen, das im Liebesrausch alle Absperrungen übersprang. Das Resultat stellt Jeanette Medack vor ein großes Problem: Die rund 40 Kaninchenkinder können hier dauerhaft nicht wohnen bleiben.

Tierfreunde, die gern ein paar der flauschigen Wollknäuel bei sich aufnehmen möchten, sind bei der 51-Jährigen deshalb herzlich willkommen. Wer bei den Medacks zu Besuch kommt, darf immer einen Blick in den Stadel und die Außengehege werfen, wo sich Kaninchen in allen Größen und Farben tummeln. Besonders zutraulich ist der dunkle Rammler Leo: Er kommt sofort schnuppernd angehoppelt – und sobald man sich zu ihm hinunterbückt, hält er sofort still und lässt sich genießerisch übers Fell streicheln.

Viele Tiere kommen aus schlechter Haltung auf den Gnadenhof

Hänsels Nachwuchs: Diese Kaninchen sind neun Wochen alt und suchen neue Besitzer. Foto: lc
Hänsels Nachwuchs: Diese Kaninchen sind neun Wochen alt und suchen neue Besitzer. Foto: lc

Leo ist Jeanette Medacks heimlicher Liebling, doch ein großes Herz hat sie für all ihre Schützlinge. Zwergkaninchen, Löwenköpfchen, Blaue Wiener: Auf dem Gnadenhof für Kleintiere tummeln sich seit der Eröffnung im Jahr 2013 alle möglichen Rassen. Lisbeth, Gloria, Calimero oder Professor – alle spricht Medack mit ihrem Namen an. Die meisten Tiere hatten es bei ihren Vorbesitzern nicht gut. Manche waren auf engstem Raum zusammengepfercht, andere wurden ihren Haltern einfach lästig und vernachlässigt. „Nur wenn ein Kaninchen hoppeln kann, bleibt es gesund“, sagt Medack.

Sehen Sie zum Thema auch dieses Video:

Kaninchen vom Gnadenhof suchen neues Zuhause

Ein echtes Paradies für die kleinen Hoppler

Deshalb haben sie und ihr Mann den Hof in ein wahres Kaninchenparadies verwandelt. Hier können sich die Tiere in den verschiedenen Gehegen frei bewegen, wühlen sich durchs Heu, graben Löcher im Boden und mümmeln an den Futterstellen ihr Grünzeug. Nicht alle Rammler sind kastriert – das könnten sich die Medacks nicht leisten. Doch diese Tiere sind von der Damenwelt streng getrennt.

Auch „Flaschenkind“ Alwin sucht ein neues Zuhause. Foto: lc
Auch „Flaschenkind“ Alwin sucht ein neues Zuhause. Foto: lc

Dass Hänsel trotzdem eine Reihe von weiblichen Tieren decken konnte, lässt sich auf eine Panne zurückführen: Weil die Geschlechtsbestimmung bei Kaninchen im jungen Alter manchmal etwas schwierig sein kann, hielt ihn Medack anfangs für ein Mädchen, taufte ihn Gretel und ahnte nichts Böses – bis sie und ihr Mann in einem der Ställe im Heu versteckt einen Wurf mit acht Kaninchenbabys fanden.

Hänsel hieß anfangs noch Gretel

Die Medacks machten sich schnell auf die Suche nach dem männlichen Übeltäter – und überführten alsbald Gretel. Als Hänsel lebt er seitdem in einem eigenen Stall ohne Zugang zur Damenwelt. Doch bis zu seiner Identifizierung als Jung-Vater hat er noch für eine Reihe weiterer Würfe gesorgt. Und auch von außen bekam er Schützenhilfe. Bei einigen der Jungtiere lässt ihr Aussehen für Medack nur einen Schluss zu: Hier muss ein Wildkaninchen-Rammler zu Besuch gekommen und zur Tat geschritten sein. Passende Fußspuren haben die Medacks kürzlich im Schnee vor den Außengehegen entdeckt – und mittlerweile an der Schwachstelle, einer zu niedrigen Tür, nachgerüstet.

Liebevolle Besitzer für die Kaninchenkinder gesucht

Jetzt sollte eigentlich kein Rammler auf Freiersfüßen mehr Zugang zu Medacks Schützlingen haben. Die Diplom-Landwirtin, die sich rund um die Uhr um ihre Kaninchen-Sippe kümmert, hofft, dass sich Menschen bei ihr melden, die Jungtiere bei sich aufnehmen wollen. Medacks Appell an alle Interessierten: „Die Leute sollen sich vorher Gedanken machen. Ich gebe keine Tiere ab, die dann in Käfighaltung kommen“, sagt sie. Ein Kaninchen brauche mindestens zwei Quadratmeter Platz und einen Artgenossen, um glücklich zu sein.

Kaninchen Max fühlt sich auf dem Gnadenhof sehr wohl. Foto: lc
Kaninchen Max fühlt sich auf dem Gnadenhof sehr wohl. Foto: lc

Spenden bekommt der Gnadenhof, wo außer Kaninchen auch noch Meerschweinchen und Katzen leben, bislang nur in spärlichem Umfang. Medack hofft darauf, dass sich in der Gemeinde Bodenwöhr bald ein Förderverein gründet. Auch wenn das nicht klappt, wird sie weiter ihre ganze Energie in ihre Schützlinge stecken. „Die Tiere geben mir jeden Tag 100 Prozent Liebe zurück“, sagt sie.

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