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Stadtentwicklung

Kehrtwende am Bahngelände

Die Bahn braucht die meisten Flächen rund um den Schwandorfer Lokschuppen jetzt doch selbst – mindestens bis ins Jahr 2022.
Von Hubert Heinzl

Vor zwei Jahren galt das Areal rund um den Lokschuppen für die Bahn noch als entbehrlich. Jetzt hat das Unternehmen für den Großteil davon wieder Bedarf angemeldet – mindestens bis ins Jahr 2022. Foto: Archiv/szd
Vor zwei Jahren galt das Areal rund um den Lokschuppen für die Bahn noch als entbehrlich. Jetzt hat das Unternehmen für den Großteil davon wieder Bedarf angemeldet – mindestens bis ins Jahr 2022. Foto: Archiv/szd

Schwandorf.Fünf Jahre hatte sich die Deutsche Bahn AG Zeit genommen für die Überlegung, ob sie für das Gelände rund um den ehemaligen Lokschuppen noch Verwendung hat. Im Juli 2016 wurde das Ergebnis der sogenannten „Entbehrlichkeitsprüfung“ im Planungsausschuss bekannt gemacht. Die Bahn, hieß es, wolle sich von dem 36 478 Quadratmeter großen Areal nördlich des Egelsee-Gebiets trennen – eine Aussage, die seinerzeit fast schon Euphorie auslöste.

„Machen, machen, machen“, forderte CSU-Fraktionssprecher Andreas Wopperer kurz und bündig in der Sitzung. „Hochinteressant“ seien die Möglichkeiten, die das Gelände biete. Von einem wichtigen Baustein für die Stadtentwicklung sprach auch SPD-Stadtrat Manfred Schüller. Vor allem der ehemalige Lokschuppen beflügelte die Fantasie seiner Fraktion – als mögliches Veranstaltungszentrum nach dem Vorbild der Stadt Rosenheim. Von einem zweiten Park-and-Ride-Platz war die Rede, von einer Mischung aus Wohnen und gewerblicher Nutzung.

Auf Vorschlag der SPD beschloss der Stadtrat im November 2016 schließlich auch, eine Bewerbung für die Landesgartenschau in die Wege zu leiten. Das geplante Herzstück: das ehemalige Bahngelände, das in einem grünen Bogen mit dem Stadtpark verbunden werden sollte.

Stadt muss nicht leer ausgehen

Doch seit kurzem sind alle diese Überlegungen hinfällig, zumindest auf Sicht. Am Mittwoch vergangener Woche wurde Oberbürgermeister Andreas Feller in München von einem Vertreter der DB Netz AG über die neuen Planungen der Bahn informiert, wie er auf Anfrage unseres Medienhauses erklärte. Das Ergebnis freut vielleicht den Kämmerer, nicht aber die Stadtentwickler: „Bis mindestens 2022 ist ein Großteil der Fläche für verschiedene Bahn-Töchter reserviert. Ob es dabei bleibt, wissen wir nicht“, fasste OB Feller das Gespräch in der Landeshauptstadt zusammen.

Was genau die Bahn auf dem Areal in den nächsten Jahren plane, sei nicht zur Sprache gekommen, so der Oberbürgermeister. Offenbar steht der Schwenk in der Unternehmensstrategie jedoch in Zusammenhang mit der geplanten Elektrifizierung der Bahnlinie Regensburg – Hof, die bekanntlich bis zum Jahr 2030 abgeschlossen sein soll. „Benötigt werden Flächen für die Baustelleneinrichtung, zum Rangieren und Lagerplätze“, sagt Feller, der nach eigenen Worten dankbar dafür ist, dass die Bahn wenigstens mit offenen Karten spielt.

„Bis mindestens 2022 ist ein Großteil der Fläche für die Bahn reserviert.“

Andreas Feller, Oberbürgermeister

Ganz leer ausgehen muss die Stadt ohnehin nicht. Denn den etwa einen Hektar großen Bereich zwischen dem früheren Lokschuppen und der ehemaligen Stahlbaufirma Eisenhart will die Bahn zum Verkauf freigeben. Das Areal liegt gegenüber dem bestehenden Park-and-Ride-Platz, auf der anderen Seite der Gleisanlagen. Ein Filetgrundstück ist das nicht gerade: Oberbürgermeister Andreas Feller weist auf die „Insellage“ des Areals hin, das natürlich auch noch nicht durch eine Zufahrt erschlossen ist. Und durch die privaten Pläne für eine Sanierung des Eisenhart-Gebäudes, die der OB ausdrücklich begrüßt, sind die Entwicklungsmöglichkeiten noch zusätzlich begrenzt.

Gleichwohl plädiert Feller für einen Kauf des restlichen Areals durch die Stadt. Der OB: „Ich denke, wir sollten im Hinblick auf die künftige Gesamtentwicklung das kleine Gelände erwerben, als möglichen Teil eines größeren Ganzen. Aber das ist natürlich auch eine Preisfrage“. Um eine Verwendung für die Flächen ist ihm nicht bange. Auch er setzt auf eine Mischnutzung aus Wohnen und Gewerbe.

Pläne verschieben sich um Jahre

Für die Stadt hat die Kehrtwende der Bahn nach den Worten des Oberbürgermeisters zwei Konsequenzen. Zum einen liegt die Bauleitplanung für eine Umgestaltung des Gesamtareals für absehbare Zeit auf Eis. „Die Stadt kann sich Gedanken machen, wie sie das Gebiet entwickeln will. Ein förmliches Verfahren ist aber nicht möglich, solange die Bahn der Eigentümer bleibt“. All die hochfliegenden Pläne – sie werden sich um Jahre verschieben. Das einzig Positive daran ist die Tatsache, dass so finanzieller Spielraum für andere wichtige Investitionen bleibt.

Kehrtwende bei der Bahn

  • Prüfungsphase:

    Fünf Jahre dauerte die sogenannte Entbehrlichkeitsprüfung für das Gelände zwischen Gleisen und Egelseer Straße. Im Juli 2016 hieß es, das Areal werde vom Unternehmen nicht mehr benötigt.

  • Der Stadtrat entscheidet:

    Im November 2016 gab der Stadtrat grünes Licht für den SPD-Vorschlag, die Stadt solle sich mit einem Konzept für die künftige Nutzung des Bahngeländes um die Landesgartenschau bewerben.

  • Bahn rudert zurück:

    Im Juli 2017 wurde bei einer Stadtratssitzung bekannt, dass die Bahn prüfen wolle, ob sie nicht doch Bedarf an dem Gelände hat. Die Prüfung wurde 2017 abgeschlossen – mit dem bekannten Ergebnis.

Die SPD reagierte in einer ersten Stellungnahme mit Enttäuschung auf die Neuigkeiten. „Diese Nachricht gefällt mir nicht“, sagte Fraktionsvorsitzender Franz Schindler auf Anfrage der MZ, „mit einem Hektar Fläche kann man nicht viel anfangen“. An einem scheibchenweisen Erwerb des Geländes könne der Stadt nicht gelegen sein, so Schindler. Der SPD-Fraktionschef fordert Feller dazu auf, „weiter bei der Bahn vorstellig zu werden“ und offene Fragen, etwa nach der Zukunft des Lokschuppens, zu klären. Von der Pressestelle der Bahn waren am Donnerstag auf Anfrage zunächst keine weiteren Details zu erfahren.

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