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Politik

Kein Festzelt für AfD-Veranstaltung

Die geplante Zweitverwertung des Zelts durch den Schützenverein „Gut Schuss“ Rossbergeröd stieß auf heftige Ablehnung.
Von Norbert Wanner

  • Der Schützenverein „Gut Schuss“ Roßbergeröd will in Winkerling sein 100-jähriges Bestehen feiern. Mit der geplanten „Zweitnutzung“ des Festzelts waren aber viele nicht einverstanden... Fotos: bxh
  • Im Juni findet ein Parteitag der AfD in der Stadthalle statt. Dies kann die Stadt nicht verhindern.

Maxhütte-Haidhof.Eine Anfrage von CSU-Rat Berthold Kick, ob „ein Bürger eine AfD-Großveranstaltung in Winkerling plant“ und eine „AfD-Bezirksversammlung“ in der Stadthalle stattfindet, sorgte vor kurzem im Stadtrat für Gesprächsstoff. Inzwischen steht fest: Eine AfD-Großveranstaltung in einem Festzelt in Winkerling wird es nicht geben, eine Versammlung in der Stadthalle kann die Stadt aber nicht verhindern.

Am Anfang steht ein kleiner Verein und ein großes Fest: Der Schützenverein „Gut Schuss“ Roßbergeröd feiert Ende Mai sein 100-jähriges Bestehen mit Festzelt, Stimmungsbands und entsprechend hohen Kosten. Irgendwann, so hört man, kam der Gedanken auf, das ohnehin stehende Zelt für zusätzliche Einnahmen nach dem Festende zu nutzen. Nichts, über das die MZ mehr als bei ähnlichen Festen berichten würde – hätte es nicht in der öffentlichen Sitzung des Stadtrates die erwähnte Anfrage von CSU-Rat Berthold Kick gegeben.

Vereine helfen sich gegenseitig

Bei der Diskussion fiel auch der Satz, dass das Zelt von „Gut Schuss“ für die AfD-Großveranstaltung gedacht war, was aber schon vom Tisch sei. Unser Medienhaus fragte bei Kick (selbst Winkerlinger) nach, wie es dazu kam, dass es mit der Nutzung des Festzeltes durch die AfD doch nichts wurde. Laut Kick, der keinen Zweifel daran ließ, dass er persönlich gegen eine AfD-Veranstaltung war, hätten „Bürger und Unternehmer unter diesen Umständen die Bereitschaft zur Mithilfe zurückgezogen“. Damit ist umschrieben was bei den Vereinen der direkt nebeneinander liegenden Ortsteile selbstverständlich ist: Bei großen Festen hilft man sich mit Personal aus.

Mit fünf dieser Bürger sprach unser Medienhaus: Sebastian Sacher, Vorstand des Burschenvereins „Stolze Eiche“, Werner Hirsch, Kommandant der FFW Maxhütte-Winkerling sowie den Unternehmern Tobias Sebast und Sebastian Schmid, schließlich Christoph Spörl, Kassier und Festausschussmitglied des Schützenvereins „Gut Schuss“.

Die ersten vier Genannten haben gemeinsam, dass sie nach Bekanntwerden des Plans, das Zelt der AfD zu überlassen, gemeinsam ein Gespräch mit dem Festausschuss des Schützenvereins suchten und unisono gegenüber unserem Medienhaus feststellten, dass die Unterstützung der Schützen bei einer Nutzung des Zeltes durch die AfD in Frage gestellt gewesen wäre. Sacher sagte, dass im Festausschuss des Burschenvereins (der nächstes Jahr auch ein Jubiläum feiert) beschlossen wurde, die Schützen nur zu unterstützen, wenn das Zelt für keine Wahlveranstaltung einer Partei, egal welcher, zur Verfügung stehe. Hirsch sagte, zwar habe es bei der FFW noch keinen Vorstandsbeschluss dafür gegeben, doch bei einem Bestehen der Schützen auf ihrer Absicht wäre darüber abgestimmt worden.

Als Privatperson habe er das mit einer Parteiveranstaltung nicht richtig gefunden und als „mündiger Bürger meine Meinung gesagt.“ Sebast und Schmid betonten, dass sie als Unternehmer, die das Fest unterstützten nicht mit einer Partei, völlig unabhängig welcher Couleur, in Verbindung gebracht werden wollen.

Gern hätte man gewusst, was man beim Schützenverein dazu sagt, vor allem der verantwortliche Festausschussvorsitzende Georg Forster. Auf eine Anfrage nahm der zunächst Stellung, teilte jedoch später mit, dass er seine Aussagen nicht in der Zeitung gedruckt sehen wolle. Bereit etwas zu dem Thema zu sagen war dagegen Christoph Spörl, der bei der entscheidenden Sitzung des Festausschusses der Schützen zwar verhindert war, aber eindeutig sagte, dass er dem Vorschlag mit der AfD keinesfalls zugestimmt hätte.

Es fehlte an Kommunikation

Spörl kritisierte die fehlende Kommunikation: „Erst hätte man mit den Leuten reden müssen, die das Fest mittragen.“ Bei den Gesprächen, nicht nur mit den Genannten, gewann man eher den Eindruck, dass es bei den Befürwortern der Idee mit der AfD neben Kommunikation vor allem an Weitsicht bezüglich der Folgen einer Großwahlkampfveranstaltung der AfD in Winkerling fehlte. Dazu hatten die Schützen mindestens ein Signal im Vorfeld erhalten. EHPK Egid Viehauser, Leiter der Polizeiinspektion Burglengenfeld, berichtete auf Nachfrage von einem Gespräch, dass sein in Urlaub befindlicher Vertreter mit Forster geführt habe.

Da Gegenveranstaltungen nicht ausgeschlossen gewesen wären, habe man die Sicherheitsbedenken angesprochen. So bleiben am Ende Fragen offen, die nicht nur die zwei kleinen Ortsteile betreffen. Über zwölf Prozent erhielt die AfD im Rahmen der Bundestagswahl in Bayern und eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft ist unübersehbar. Roßbergeröd und Winkerling können überall sein.

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Bezirksparteitag der AFD

  • Im Juni findet

    ein Parteitag der AfD in der Stadthalle statt. Die Stadt erhielt laut Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank eine Anfrage. Dr. Plank stellt dazu fest, dass bereits 2007 der Stadtrat im Rahmen der Anfrage zu einer Parteiveranstaltung die Grundsatzentscheidung traf, die Stadthalle auch für Veranstaltung demokratisch legitimierter Parteien zur Verfügung zu stellen

  • In nichtöffentlicher

    Sitzung hat sich der Stadtrat erneut mit dem Thema beschäftigt. Da es bereits Parteiveranstaltungen in der Halle gab, habe man keine Möglichkeit gesehen abzulehnen, so Dr. Plank. Sie verwies auf Augsburg, wo die Stadt mit einer Klage in einem ähnlichen Fall scheiterte. Persönlich sagte sie, es sei bedauerlich, dass die Stadt zu einer AfD-Hochburg zu werden drohe. (bxh)

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