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Politik

Kein Rückhalt mehr für Stabl

Die Bürgerliste will eine Kandidatur des Bodenwöhrer Bürgermeisters nicht mehr unterstützen. Ein neuer Kandidat soll her.
Von Philipp Seitz

Die Bürgerliste Bodenwöhr will keine erneute Kandidatur des amtierenden Bürgermeisters Richard Stabl. Foto: Archiv
Die Bürgerliste Bodenwöhr will keine erneute Kandidatur des amtierenden Bürgermeisters Richard Stabl. Foto: Archiv

Bodenwöhr.Bodenwöhrs Bürgermeister Richard Stabl steht vor dem politischen Aus. Der seit mehreren Wochen erkrankte Rathauschef kann bei der Kommunalwahl in zwei Jahren nicht mehr auf die Unterstützung der Bürgerliste hoffen. Wie die Gemeinderatsfraktion und die Vorstandschaft der Partei mitteilten, sehe sich die Bürgerliste „zum Handeln gezwungen“. Die vier Gemeinderäte und Vorstandschaft der Bürgerliste seien sich darin einig, dass sie den Bürgern in Bodenwöhr aufzeigen müssten, „wie es mit der Bürgerliste weitergehen soll“.

Mit dem getroffenen Schritt ende eine „lange Zeit der Unsicherheit in der Bürgerliste Bodenwöhr“, heißt es in der Pressemitteilung. Vor allem die vier Gemeinderäte der Bürgerliste würden sich als zweitstärkste Kraft im Gemeinderat in der Pflicht sehen, den Bürgern das eigene Handeln zu erklären. Die Transparenz gegenüber den Bürgern gehöre zu den Grundlagen der Bürgerlisten-Politik, heißt es in der Stellungnahme. Die „scheinbar erhebliche Erkrankung des ersten Bürgermeisters und Bürgerlisten-Vorstandes Richard Stabl erzwingt nach mehrheitlicher Meinung einen Neuanfang.“

Suche nach Kandidaten läuft

Diese Entscheidung sei „mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des derzeitigen ersten Bürgermeisters“ getroffen worden, und im Hinblick darauf, den Bestand der Bürgerliste Bodenwöhr (BLB) zu gewährleisten. Mit dem neuen Bürgermeisterkandidaten erhofft sich die BLB auch, „die Handlungsfähigkeit wieder herzustellen“, um „sich weiterhin engagiert für die Belange der Bürger einzusetzen“. Die nächsten turnusmäßigen Kommunalwahlen finden im März 2020 statt. Dann, so heißt es in der Mitteilung von Gemeinderatsfraktion und BLB-Vorstandschaft, werde die Partei mit einem neuen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters ins Rennen gehen. „Es herrscht Zuversicht, dass dann auch eine starke Liste mit geeigneten Kandidaten präsentiert werden kann.“

Die Erklärung der Bürgerliste im Wortlaut finden Sie hier:

Schriftführer Günter Makolla sagte auf Anfrage unseres Medienhauses, dass dieser Entschluss in mehreren Sitzungen der BLB gefasst worden sei. Fraktion und Vorstandschaft hätten hierzu auch mit einzelnen Mitgliedern gesprochen, die eine ähnliche Meinung geäußert hätten. Eine Mitgliederbefragung oder eine parteiinterne Veranstaltung hätte es in dieser Angelegenheit nicht gegeben.

Die Vorstandschaft der Bürgerliste will den Beschluss bei der Jahresversammlung Mitte Mai ansprechen. Makolla rechnet damit, dass die Entscheidung von der BLB-Basis mitgetragen wird: „Davon müssen wir ausgehen.“ Namen von potenziellen Bürgermeisterkandidaten wollte der Schriftführer der Bürgerliste nicht nennen. „Es halten sich momentan noch alle möglichen Kandidaten bedeckt.“ Ende des Jahres können die Weichen für die parteiinterne Nominierung des Bürgermeisterkandidaten gestellt werden. Gemeinderat Alois Feldmeier sprach von „mehreren Kandidaten“, die im Rennen um die Kandidatur seien. Für die Bürgerliste sei es wichtig gewesen, „jetzt einen Schlussstrich zu ziehen“.

Für uns war es wichtig, jetzt einen Schlussstrich zu ziehen.“

Alois Feldmeier, Gemeinderat BLB

Dass nicht alle Mitglieder über den Beschluss glücklich sein werden, sei ihm bewusst, sagt Feldmeier. Doch die BLB habe mehrmals vergeblich versucht, Kontakt zum erkrankten Bürgermeister aufzunehmen. Bereits vor zwei Jahren hatte es einen internen Streit zwischen einzelnen Akteuren der Bürgerliste und Bürgermeister Stabl gegeben, der mehr als eineinhalb Jahre schwellte. Auslöser für die Auseinandersetzung waren die Musterhäuser der Firma Fischerhaus, die nachträglich als Wohngebiet deklariert werden sollten.

Ein klares Votum erhalten

Die Bodenwöhrer Bürger wählten Stabl im Jahr 2008 erstmals zum Bürgermeister. Sechs Jahre später setzte sich Stabl bei der Kommunalwahl mit 53,7 Prozent klar gegen seine Mitbewerber Albert Krieger (FW) und Georg Hoffmann (CSU) durch. Vor seiner Wahl arbeitete Stabl, der eine Ausbildung zum Elektriker gemacht und Energietechnik studiert hatte, als Senior Client Manager bei einer Tochter der Telekom. Als Zielsetzungen nannte Stabl vor zehn Jahren eine Tourismuspolitik „mit Herz und Verstand“, welche die Qualität des Erholungsortes erhalten oder sogar steigern solle.

Ebenfalls wolle er den Zugang zu Informationen über die Gemeindepolitik erleichtern und Transparenz bei Entscheidungen schaffen, sagte er damals. „Wir brauchen einen Bürgermeister, der die Menschen wieder in den Mittelpunkt der Entscheidungen stellt“, sagte Stabl damals. Stabl war für eine Stellungnahme zum Beschluss der BLB nicht erreichbar.

Mit der Positionierung der Bürgerliste erreicht auch ein langer Streit offenbar das endgültige Ende:

Das Ende eines Showdowns

  • Ein heftiger Streit

    entbrannte zwischen dem damaligen BLB-Vorsitzenden Feldmeier und Bürgermeister Stabl.

  • Der Rathauschef

    sagte damals in der BLB-Versammlung, dass ihm Feldmeier in den Rücken gefallen sei.

  • Die erste Wahl

    gewann Stabl im Jahr 2008 in der Stichwahl gegen seinen Herausforderer Walter Spirk (CSU).

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