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Wirtschaft

Kennametal entlässt 56 Mitarbeiter

Dramatische Entwicklungen im früheren Nabburger Rübig-Werk: Der Betriebsrat kämpft gegen das Sparprogramm des US-Konzerns.
von Bettina Mehltretter

Im Werk An der Alten Naab in Nabburg herrscht triste Stimmung. Archivfoto: Petra Beer-Dausch
Im Werk An der Alten Naab in Nabburg herrscht triste Stimmung. Archivfoto: Petra Beer-Dausch

Nabburg.Hiobsbotschaft für die Mitarbeiter des Kennametal-Fine-Machining-Werks in Nabburg: 56 Arbeiter verlieren ihre Jobs. Zuletzt liefen die Geschäfte für den Standort desaströs. Informationen der Mittelbayerischen zufolge waren Aufträge weggebrochen, nachdem der amerikanische Spezialwerkzeughersteller mit Stammsitz in Pennsylvania die Gewinnmargen erhöht hatte. Kunden hatten ihre Aufträge storniert.

Die Branche, in der Kennametal tätig ist, ist eine schwierige. Spezialwerkzeug wird auf Bestellung gefertigt, vorproduziert werden kann nicht. Im betroffenen Nabburger Werk gibt es deshalb derzeit nur wenig zu tun. Entsprechend groß ist die Sorge der Mitarbeiter. In den vergangenen Wochen hatten laut unseren Informationen viele ihre Überstunden abbauen müssen. Andere waren nach Vohenstrauß versetzt worden. Neben den Nabburger Werken (den früheren Betrieben Hertel und Rübig) ist das das dritte Oberpfälzer Werk.

Werksleitung beugt sich dem Druck der Mitarbeiter

Seit Dienstag haben nun die mehr als 200 Mitarbeiter des kränkelnden Nabburger Standorts Gewissheit: Auf den Überstundenabbau folgen Entlassungen. Das erfuhren die Mitarbeiter bei zwei Betriebsversammlungen am Dienstagnachmittag und -abend im Nabburger Feuerwehrhaus, wie Manfred Kraus, Vorsitzender des Betriebsrats, auf Nachfrage bestätigte. Die Werksleitung informierte die Arbeiter über die prekäre Lage des Standorts. Den Schritt vor die Kennametal-Mannschaft war die Führungsspitze offenbar auf Druck des Betriebsrats gegangen. Denn zuletzt waren bereits etlichen Mitarbeitern Abfindungen oder der Wechsel in ein Altersteilzeitmodell angeboten worden. Nun soll ein Sozialplan ausgearbeitet werden.

„Wir wollen belegen, dass nicht so viele Mitarbeiter gehen müssten.“

Manfred Kraus, Vorsitzender des Betriebsrats

Der Betriebsrat hat unterdessen einen Anwalt zurate gezogen. Gemeinsam wollen sie mit der Kennametal-Geschäftsleitung verhandeln. „Wir wollen belegen, dass nicht so viele Mitarbeiter gehen müssten“, betont Manfred Kraus. Entlassungen will der Betriebsrat unseren Informationen nach möglichst weit hinauszögern, in der Hoffnung, dass sich die Auftragslage für das Nabburger Werk bessert.

Kennametal spricht von „normalen Geschäftsprozessen“

Kennametal-Unternehmenssprecherin Gaby Mlnarik bezeichnet die Entscheidung der Geschäftsführung als „notwendige Kapazitätsanpassung“. Auf Anfrage der Mittelbayerischen sagte sie, es gehöre zu den normalen Geschäftsprozessen, Kapazitäten und Ressourcen an Standorten „kontinuierlich auszubalancieren“. Kennametal nutze dabei alle „flexiblen Instrumente“, die zur Verfügung stehen. Dazu gehören etwa auch Versetzungen an andere Standorte. Nun wolle man „dafür Sorge tragen, dass für betroffene Mitarbeiter geeignete und faire Maßnahmen erarbeitet und zur Verfügung stehen werden“, teilte Mlnarik mit.

Bürgermeister ist schockiert

Armin Schärtl, Bürgermeister der Stadt Nabburg, erfuhr am Donnerstagnachmittag erst auf die Nachfrage der Mittelbayerischen hin von der Entscheidung der Kennametal-Geschäftsführung. Für den Kommunalpolitiker war die Nachricht ein Schock. „Niemand hat mich darüber informiert“, sagt er. „Wenn es tatsächlich soweit kommen würde, täte mir das sehr leid.“ Schärtl kündigte an, sich sobald wie möglich mit der Werksleitung in Verbindung zu setzen, um auszuloten, ob die Stadt Nabburg helfen könne, das Streichprogramm abzuwenden. Der Verlust von 56 Jobs wäre für Nabburg und das Umland „kein Pappenstiel“, so der Bürgermeister.

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