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Wirtschaft

Kiesabbau: CSU will die Wogen glätten

Das Landratsamt hat die Ausweitung des Kiesabbaus bei Klardorf genehmigt. Jetzt bringt die CSU eine neue Idee ins Gespräch.
Von Hubert Heinzl

  • Werden künftig die Kiesweiher bei Klardorf nach erfolgtem Abbau wieder verfüllt? Die CSU hat jetzt diesen Vorschlag auf den Tisch gelegt. Foto: Archiv/szd
  • CSU-Stadtrat Hans Sieß, Ortsvorsitzender Thomas Schmid und Geschäftsführer Mulzer (v. li.) an einem rekultivierten Uferstreifen Foto: Heinzl

Schwandorf.Der geplanten Ausweitung des Kiesabbaus bei Klardorf steht (fast) nichts mehr im Wege. Am 28. April hat das Landratsamt die Genehmigung in einem sogenannten Planfeststellungsbescheid erlassen; noch bis Montag, 28. Mai, liegen die Unterlagen im Schwandorfer Rathaus aus. Wenn niemand den Rechtsweg beschreitet, kann Georg Mulzer seine Pläne weiterverfolgen und das neue „Abbaugebiet Ost“ mit einer Grundfläche von 13 Hektar erschließen.

Klage ist unwahrscheinlich


Dass gegen das umstrittene Projekt noch Klage erhoben wird, ist aber ziemlich unwahrscheinlich. Denn bei einer Versammlung am Dienstag im Gasthaus Obermeier zeichnete sich ab, dass die Erfolgsaussichten ungewiss sind, das finanzielle Risiko nicht unerheblich. SPD-Stadtrat Andreas Weinmann hatte den etwa 60 Seiten starken Bescheid mehreren Juristen vorgelegt, darunter auch Altoberbürgermeister Helmut Hey und Landtagsabgeordnetem Franz Schindler. Das Ergebnis: Der Bescheid sei „in sich schlüssig“, hieß es. Formfehler vermochten die Juristen nicht zu entdecken. Eine Klage habe allenfalls „mit einem stichhaltigen Gegengutachten“ Aussicht auf Erfolg. Jetzt will Weinmann wenigstens über das neue Abbaugebiet hinausgehende Erschließungen verhindern.

Für die CSU ist dies kein aussichtsreiches Unterfangen. Bei einem Ortstermin mit der Mittelbayerischen präsentierten CSU-Stadtrat Hans Sieß, Klardorfs Ortsverbandsvorsitzende Thomas Schmid und Georg Mulzer, Geschäftsführer der Kieswerk Klardorf GmbH am Donnerstag Überlegungen, um die Akzeptanz des Kiesabbaus nachhaltig zu verbessern.

Die Klardorfer CSU sei es leid, vom politischen Gegner als notorische „Kiesabbau-Partei“ hingestellt zu werden, schickte Sieß dem Gespräch voran. „Wir sind keine glühenden Verfechter eines weiteren Abbaus“, stellte der Stadtrat klar, „aber wir müssen eben einfach die Realitäten zur Kenntnis nehmen“. Fakt ist nach seinen Worten, dass der Raum Klardorf laut Regionalplan in einem Vorranggebiet für den Kiesabbau liegt, der politisch-planerisch gewollt ist. Der CSU-Stadtrat und mit ihm Fraktion und Ortsverband Klardorf gehen deshalb davon aus, dass die Gewinnung des begehrten Baustoffs bei Klardorf auch in Zukunft genehmigt wird. „Das wird so weitergehen“, prognostiziert Hans Sieß, der es nebenbei auch für ökologisch sinnvoller hält, den Rohstoff, der in der Region gebraucht wird, auch hier zu gewinnen.

Ein Bündel von Auflagen


Ohne Auflagen geht das ohnehin nicht ab: Beim „Abbaugebiet Ost“ musste Geschäftsführer Mulzer per Fachgutachten nachweisen, dass der Kiesabbau keine gravierenden Auswirkungen auf den Grundwasserhaushalt haben werde, musste sich zu einer späteren Rekultivierung des Abbaugebiets und der Überwachung durch Grundwasser-Messpegel verpflichten. Trotzdem bleiben starke Vorbehalte in der Bevölkerung, das weiß auch Hans Sieß. Was also tun?

Den Königsweg zu einer größeren Akzeptanz sieht die CSU gemeinsam mit Betreiber Mulzer in der Möglichkeit, die entstandenen Kiesweiher nach Ende der Abbautätigkeit wieder zu verfüllen. „Das wäre unser Lösungsvorschlag“, sagt Stadtrat Sieß. Die CSU erblickt darin gleich mehrere Vorteile: Die viel beklagte Weiher- oder auch Mondlandschaft um Klardorf ließe sich wieder in einen gepflegten Naturraum zurückverwandeln. „Wenn man die Löcher verfüllen würde, könnte man sogar qualitativ bessere Waldstücke anlegen als im Bestand“, schwärmt Ortsvorsitzender Thomas Schmid. Finanziert werden könnte die Rekultivierung durch Fuhrunternehmer, die händeringend nach Flächen für den anfallenden Erdaushub suchten, so die Rechnung der CSU. Angeliefert werden dürfe freilich nur unbelastetes Material – zur Müllkippe sollen die Kiesweiher natürlich nicht werden.

Dicke Bretter sind zu bohren


Der Haken an der Sache: Kurzfristig ist eine solche Lösung nicht zu haben. Laut MdL Alexander Flierl, der für die CSU im Umweltausschuss des Bayerischen Landtags sitzt, sind auf dem Weg zu einer Umsetzung „durchaus dicke Bretter zu bohren“. Mit der Genehmigung neuer Verfüllungen seien die Behörden aus Gründen des Grundwasserschutzes zurzeit sehr zurückhaltend. Bei drei Pilotprojekten im Freistaat untersuche das Bayerische Umweltministerium immerhin, wie Kontrollen wirksam organisiert werden könnten.

Auch der zweite Vorschlag, den die CSU auf den Tisch legt, ist nicht von heute auf morgen realisierbar. Auf Anregung der Klardorfer Christsozialen will der OB prüfen lassen, ob man nicht den Wolferlohgraben nach Norden verlegen könnte. Bisher führt er mitten durch den Ort – und ist nach den Mutmaßungen der Anwohner mit schuld daran, wenn bei Hochwasser oder Starkregen der Keller plötzlich unter Wasser steht.

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Ausweitung des Kiesabbaus bei Klardorf

  • Das Gebiet:

    Kieswerk-Geschäftsführer Georg Mulzer will den Abbau des Baustoffs auf das „Abbaugebiet Ost“ ausweiten. Die 13 Hektar große Fläche liegt östlich des Südsees und grenzt an die Bahnlinie Schwandorf – Regensburg an.

  • Verfahren:

    Der Planfeststellungsbescheid, die Genehmigung durch das Landratsamt, erfolgte am 28. April. Nach dem Ende der Auslegungsfrist am Montag, 28. Mai, steht wie üblich noch für weitere vier Wochen der Rechtsweg offen. (hh)

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