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Lokalgeschichte

Kino im Wirtshaussaal, Django am Marktplatz

1929 gründete Josef Seidl sen. die Rößl-Lichtspiele. Die erste Kino-Ära in Burglengenfeld dauerte bis 1974.

  • Premiere in den Rößl-Lichtspielen am Marktplatz 23 mit dem Stummfilm „Der Fleck auf der Ehr“,
  • Filmtransport in den 30ern (im Hintergrund das Zeiningerhaus)

Burglengenfeld. Im September boten die „Pfälzer Lichtspiele“ den Burglengenfelder Kinogängern eine ganze Reihe von Schmankerln: Das Publikum konnte wählen zwischen den Lausbubenstreichen der „Lümmel von der ersten Bank“, der Erotikkomödie „Engelchen macht weiter, hoppe, hoppe Reiter“, dem Jerry-Cotton-Thriller „Todesschüsse am Broadway“ und der Edgar Wallace-Verfilmung „Im Banne des Unheimlichen“. Im Oktober und November trieben dann Streifen wie „Die vollkommene Ehe“ und „Helga und die Männer“ die sexuelle Revolution weiter voran. Aber auch Django, der nie vergibt und dessen Freund nur der Colt war, machte den Marktplatz unsicher.

Der Programmzettel des Pfälzerhofs, den Johann Steinbach auf einem Flohmarkt ausgegraben hat, muss aus dem Jahr 1969 stammen. Der 61-jährige MZ-Leser erinnert sich, dass er als Kind, wie viele seiner Altersgenossen, häufig ins Kino ging. Besonders beliebt war die Kinderkino-Vorstellung am Sonntag um 14.30 Uhr. Der Eintritt kostete 50 bis 70 Pfennig, es liefen „Zorro“ oder ein anderer Cowboyfilm und vorher „Fox Tönende Wochenschau“ und Standbilder mit Werbung der Burglengenfelder Geschäfte. Man saß auf Klappstühlen, der Sperrsitz mit den Plüschsesseln war, so Johann Steinbach, reserviert für die Verliebten...

Die Rößl Lichtspiele im Geigl-Haus

Ja, Burglengenfeld war auch schon vor der Neueröffnung des ultramodernen Starmexx-Multiplex vor zwei Wochen im Naabtalpark eine Stadt, in der Leinwände bespielt wurden. Den Erzählstoff, der für mehr als einen Kinoabend ausreicht, liefert dazu Raimund Geigl. Sein Großvater, Schneidermeister Josef Geigl, gründete 1929 die Rößl Lichtspiele im Geigl-Haus am Marktplatz 23 (heute sind ein Reisebüro und eine Versicherung drin).

Als Kino diente der Saal des früheren Wirtshauses am Marktplatz „Zum schwarzen Rößl“, daher der Name Rößl Lichtspiele. „Begonnen wurde“, so Raimund Geigl, „mit einem Stummfilm-Projektor Ernemann II, der später auf Ton nachgerüstet wurde.“ 1935 wurde eine „Kinomaschine“ der Marke Zeiss hinzugekauft; diese war, mit Ende der Ära Stummfilm, bereits für Tonfilm gerüstet. Anfänglich wurde ein Filmvorführer aus Regensburg beschäftigt, da man eine Filmvorführ-Prüfung benötigte. „Später legte mein Vater Josef Geigl, der 1939 das Kino übernahm und ebenfalls Scheidermeister war, in Dresden diese Filmvorführerprüfung ab.“ Wie aber kamen Großvater und Vater überhaupt auf die Idee, statt mit Nadel und Faden nun mit flackernden Bildern auf Zelluloid ihr Geld zu verdienen? Der 67-jährige Nachfahre lächelt: „Mei, das waren halt Fantasten....“

Auch Raimund Geigl hat als Kind die Kino-Leidenschaft förmlich aufgesogen. Er sah nicht nur jeden Film, sondern war auch Mädchen für alles hinter den Kulissen: „Ich hab per Handkurbel die Filmspulen zurückgedreht, wenn sie abgespielt waren. Das waren so vier bis fünf Spulen pro Film.“ Außerdem hat er vom Vorführraum aus Schallplatten abgespielt. Die eintretenden Kinobesucher wurden etwa von Rudi Schurickes „Caprifischern“ empfangen.

Und da war dann noch die Sache mit den Kohlebogenlampen. Mit dem Lichtbogen zwischen zwei Grafit-Elektroden wurde jahrzehntelang das Licht für die Kinoprojektion erzeugt. Weil die Kohlestifte mit der Zeit abbrannten, musste man sie von Hand nachschieben. Das war die Aufgabe des kleinen Raimund. „Es ist aber manchmal passiert, dass die Flamme ausgegangen ist. Dann wurde es dunkel auf der Leinwand. Es war nur noch der Ton da und im Saal erhob sich ein Gegröle und Gepfeife.“ Erst wenn die Kohle wieder brannte und die Bilder zurückkehrten, beruhigte sich auch das Publikum.

Kurz vor dem Kriegsende wurde das Kino geschlossen, war dann Flüchtlingslager, Tauschzentrale und bis 1956 zur Herstellung von Flugzeugteilen der Firma Dahmen angemietet. Von 1949 bis 1956 wurde das Kino unter dem Namen Olympia Lichtspiele nach Maxhütte verlegt. „Dort diente der Ballsaal des Wirtshauses ,Am Sauforst‘ als Kinosaal“, so Raimund Geigl. Er erzählt weiter: „Anfangs waren es drei Partner: Pongratz, der eigentliche Pächter, Schmucker, der Geschäftsführer, und mein Vater als Vorführer und Besitzer der Technik. Dieser Herr Schmucker stammte aus Kiel und war eine markante Persönlichkeit, bekleidet mit Melone und Kaschmirmantel. Er übernahm ein Jahr später das Kino des Turnvereins in Burglengenfeld und dürfte den Kinogängern der frühen 50er-Jahre wohlbekannt sein.“

Pongratz konzentrierte sich mehr auf seine Wirtschaft und Metzgerei und begnügte sich mit einer Saalmiete. So war Josef Geigl jun. alleiniger Inhaber. „Durch den Verkauf des Anwesens 1956, war mein Vater gezwungen, wieder in Burglengenfeld Kino zu machen.“

Vier Kinos gleichzeitig in der Stadt

Im Dezember 1957 war dann in Burglengenfeld „Premiere“ mit dem Film „Nachts im grünen Kakadu“ mit Marika Rökk. Man gab dem Kino den Namen Teli Lichtspiele, weil man statt der Wochenschauen die Tagesschau des Fernsehens auf die Leinwand projizieren wollte, wofür es schon Geräte gab. Die waren aber letztendlich zu teuer, und so begnügte man sich doch mit der „Wochenschau 4. Folge“. Zuerst „Fox Tönende Wochenschau“ und später „Blick in die Welt“.

Für einige Zeit muss es dann in den 50er-Jahren im kleinen Burglengenfeld vier Kinos gleichzeitig gegeben haben: Neben dem Teli noch den Pfälzerhof des Abensberger Kuchlbauer-Bräus Michael Salleck, das „Rex“ von Robert Wein in der Hauptstraße und das Kino beim TV, das aber nach Eröffnung des Teli bald geschlossen wurde.

Wegen der Konkurrenz kam es zu einer Marktaufteilung. „Bei uns im Teli liefen die Western oder Piratenfilme, im Rex die Heimatfilme“, so Raimund Geigl. Einen Boom erlebte die Nachtvorstellung mit Gruselfilmen wie „Dracula“ in den Jahren 1958/1959. „Die Leute gingen vom Wirtshaus direkt ins Kino. Der Saal war brechend voll.“

Nach den plötzlichen Tod von Raimund Geigls Vaters am Faschingssamstag 1974 wurden die Teli Lichtspiele dann aufgegeben. Robert Wein, der Besitzer des Rex, starb schon in den 60ern, erinnert sich Geigl. Und Michael Salleck starb kurz nach seinem Vater, das Kino Pfälzerhof wurde noch im selben Jahr aufgegeben. Somit war die Kino-Ära in Burglengenfeld im Jahre 1974 beendet.

Dass es mit dem Starmexx nun wieder ein Kino in Burglengenfeld gibt, ist für Raimund Geigl „begrüßenswert“. Digital- und 3-D-Projektion, gepolsterte Sessel statt Wirtshausstühlen. Ob es aber dort einen Platz gibt wie „beim Geigl auf dem Fensterbrettl“? Das war die Nische, für diejenigen, die wenig oder gar kein Geld hatten. Und trotzdem den Film sehen durften.

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