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Region Schwandorf
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Kontroverse

Kirche will den alten Friedhof erhalten

Die geplante Umgestaltung des Areals in Bodenwöhr löste Proteste aus. Nun kommt es zu einer überraschenden Wende.
Von Philipp Seitz

Der alte Friedhof an der Ludwigsheide sollte erst aufgelöst werden. Doch dagegen formierte sich Protest. Foto: Ahrens
Der alte Friedhof an der Ludwigsheide sollte erst aufgelöst werden. Doch dagegen formierte sich Protest. Foto: Ahrens

Bodenwöhr.Es ist eine kleine, unauffällige Nachricht im Bodenwöhrer Pfarrbrief, die dennoch im Ort für größere Diskussionen sorgt. Pfarrer Johann Trescher kündigt in dem sechsseitigen Informationsblatt an, dass der alte Friedhof in Bodenwöhr zumindest für die kommenden Jahre von der Kirche erhalten werde. Nach dem gemeinsamen Informationsabend im Februar habe sich die Kirchenverwaltung noch einmal intensiv mit der geplanten Auflösung des Friedhofs beschäftigt. Entsprechend dem damaligen Votum der Grabbesitzer habe die Kirchenverwaltung beschlossen, den alten Friedhof vorerst zu erhalten.

Gleichzeitig heißt es im Pfarrbrief aber auch, dass eine bestimmte Frist nicht festgelegt worden sei, „um der zukünftigen Entwicklung nicht vorzugreifen und den kommenden Kirchenräten keine Verpflichtungen auf’s Auge zu drücken“. Pfarrer Trescher konkretisierte diese Angabe im Gespräch mit unserem Medienhaus: Der alte Friedhof soll laut dem Bodenwöhrer Geistlichen auf „unbestimmte Zeit“ fortbestehen. Eine genaue Jahreszahl sei nicht festgelegt worden. Er werde das Thema während seiner Zeit in Bodenwöhr nicht mehr anpacken, sagte Trescher. Der Geistliche geht in sechs Jahren in den Ruhestand. Bis dahin sei die Auflösung vom Tisch.

Keine Investitionen geplant

Diesen Beschluss werde er demnächst auch schriftlich an alle betroffenen Pfarreiangehörigen kommunizieren, kündigte Trescher an. Den nun eingeschlagenen Weg bezeichnete er als „eine gute Lösung“. Zunächst hatte die Kirchenverwaltung geplant, das Areal an die Gemeinde zu veräußern. Trescher hatte stets betont, dass an der Stelle des Friedhofs kein Parkplatz und auch kein Parkhaus geplant seien. Vielmehr werde überlegt, „einen Gedenkgarten“ zu schaffen, hieß es im Januar. Als Gründe für die geplante Auflösung führte er die Pfarrei stets an, dass ihr die Kosten des Friedhofs „über den Kopf“ wachsen würden. Einige Angehörige würden sich außerdem weigern, die Grabgebühren zu bezahlen.

„Der alte Friedhof soll für die kommenden Jahre erhalten bleiben.“

Pfarrer Johann Trescher

In diesem Zusammenhang stellte Trescher klar, dass die Pfarrei „keine größeren Investitionen“ in den alten Friedhof tätigen werde. Hier müsste unter anderem die teilweise eingestürzte Friedhofsmauer erneuert werden. Laut Pfarrei würden die Kosten für den Neubau der Mauer rund 30 000 Euro betragen. „Die Friedhofsmauer wird im aktuellen Zustand belassen“, betonte Trescher. Nur die erforderlichen pflegerischen Maßnahmen, wie das Rasenmähen, übernehme die Pfarrei.

Bodenwöhrs zweiter Bürgermeister Albert Krieger. Foto: Ahrens
Bodenwöhrs zweiter Bürgermeister Albert Krieger. Foto: Ahrens

Bodenwöhrs zweiter Bürgermeister Albert Krieger, der den erkrankten Rathauschef Richard Stabl vertritt, wollte sich zu dem nun gefassten Beschluss nicht äußern: „Das ist Sache der Kirchenverwaltung.“ Der Gemeinderat habe sich in einer Sitzung bereits mit einem möglichen Kauf des alten Friedhofs beschäftigt – und die Informationsveranstaltung der Pfarrei mit den Angehörigen abgewartet. „Nun ist die Entscheidung gefallen, dass es vorerst keiner weiteren Beratungen bedarf“, sagte Krieger. Der Vizebürgermeister hofft, dass die Wogen vor Ort mit der Entscheidung der Kirchenverwaltung geglättet seien.

Gegen die Auflösung und den Verkauf des Friedhofs hatten sich mehrere Gläubige, deren Angehörige am alten Friedhof begraben sind, eingesetzt. Die Debatte über die Zukunft des Friedhofs wurde teilweise hitzig geführt. Markus Emig, der sich vehement für den Erhalt des alten Friedhofs eingesetzt hatte, bekam nach eigenen Angaben zuletzt sogar Drohbriefe.

Kritik an der Kirchenverwaltung

Auf dem Areal befinden sich nach Angaben des Bistums derzeit noch 90 Gräber. Foto: Ahrens
Auf dem Areal befinden sich nach Angaben des Bistums derzeit noch 90 Gräber. Foto: Ahrens

Drei Generationen seiner Familie, insgesamt acht Angehörige, sind laut Emig auf dem Friedhof beigesetzt worden. Sie hätten hier ihre ewige Ruhe finden wollen. Den Beschluss der Kirchenverwaltung bezeichnete er als eine „Galgenfrist“. An dem grundsätzlichen Beschluss, den Friedhof aufzulösen, habe sich ja schließlich nichts geändert, sagt Emig. „Die Kirchenverwaltung spielt nun auf Zeit.“ Solange der Verkauf des Friedhofs im Raum steht, sei die Situation für ihn unbefriedigend. Emig kündigte weitere Schritte an: „Ein Pfarrer oder die Kirchenverwaltung sollten nicht die letzte Instanz sein, die über eine Auflösung eines Friedhofs entscheiden sollten.“

„Die Kirchenverwaltung spielt nun auf Zeit.“

Markus Emig, Pfarreiangehöriger

Doch es gibt auch positive Stimmen vonseiten der Angehörigen. Marita Burger vom Generationenbeirat begrüßte die Entscheidung der Kirchenverwaltung. „Ich freue mich, dass die Grabbesitzer gehört wurden.“ Die Gemeinde sollte die Kirche bei der Pflege des alten Friedhofs nun unterstützen.

Seit 1995 dürfen auf dem Friedhof an der Ludwigsheide keine Begräbnisse mehr vorgenommen werden:

Der alte Friedhof in Bodenwöhr

  • Die Auflösung

    eines Friedhofs komme „immer wieder einmal“ vor, hieß es in einem Brief von Generalvikar Fuchs.

  • Der Schließung

    des alten Friedhofs in Bodenwöhr stimmte das bischöfliche Ordinariat bereits im Jahr 1995 zu.

  • Die Fläche

    sollte in zwei Jahren aufgegeben und an die Gemeinde verkauft werden. Es sollte ein Park entstehen.

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