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Triathlon

Klardorfer sorgt in China für Rekorde

Jürgen Söllner vom ATSV Kallmünz gewinnt im sportlichen Exil die „Challenge Pilippines“. In seiner Heimat sorgt das für Jubel.
Von Maximilian Ferstl, MZ

  • Ein Kämpfer: Der Kallmünzer Jürgen Söllner sorgt im fernen China für Aufsehen. Foto: Söllner
  • Auf diese Urkunde ist Söllner besonders stolz: Er gewann die „Challenge Philippines“ in seiner Altersklasse. Foto: Söllner
  • Ein Kämpfer: Der Kallmünzer Jürgen Söllner sorgt im fernen China für Aufsehen. Foto: Söllner

Shenyang.Jemand, der Weißbier und Nutella liebt, dürfte auf die Frage nach seinem Traumziel kaum „China“ antworten. Trotzdem lebt Jürgen Söllner, den alle Budt nennen, seit Oktober im Reich der Mitte. Die Liebe zu seiner Frau, die ein berufliches Projekt zwei Jahre nach Shenyang führte, war stärker. Neben Weißbier, Nutella und seiner Brigitte, hat Budt noch eine andere große Leidenschaft: Triathlon. Und davon kann er auch im fernen Asien nicht lassen. Der Klardorfer, der seit mehr als zehn Jahren für den ATSV Kallmünz startet, besetzt derzeit, wie er es selbst gern formuliert, die „ATSV-Außenstelle-China“. Ein Leben im sportlichen Exil, sozusagen.

Als sich der 52-Jährge im Oktober verabschiedete, rechneten seine Vereinskollegen nicht damit, dass sie so bald von Budt wieder hören würden. Schließlich hatte der Athlet, der zweimal bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii am Start gewesen war, zuletzt eineinhalb Jahre verletzungsbedingt pausiert. Umso überraschender für alle meldete die „ATSV Außenstelle“ am vergangenen Wochenende völlig überraschend den ersten Erfolg. Und was für einen: Söllner gewann bei seinem Comeback-Wettkampf die „Challenge Pilippines“ in seiner Altersklasse, der AK M50. Und das in einer neuen Rekordzeit.

Mörderische Bedingungen

33 Grad im Schatten, Schwimmen im 25 Grad warmen Meer, Radfahren auf holprigen, rauen Straßen, Laufen auf glühendem Asphalt. Die Bedingungen waren mörderisch. „Eines der brutalsten und härtesten Rennen auf dieser Distanz“, schrieb der Triathlet via E-Mail in die Heimat. Er berichtete von einem zwei Kilometer Schwimmen im Ozean, das er als Zweiter beendete, von den 90 Radkilometer, auf denen er zu seinem schärfsten Konkurrenten aufschloss und sofort die Spitze übernahm. Zwar war der Oberpfälzer beim abschließenden Halbmarathon „eigentlich schon tot“. Doch seinen Konkurrenten erging es noch schlechter. Zehn Minuten betrug Söllners Vorsprung im Ziel. Mit einer Gesamtzeit von 5:45 Stunden unterbot er den bisherigen Streckenrekord um 23 Minuten. Sein Fazit: „Die Landesfarben international gut vertreten.“

Ein Sieg, der in vielerlei Hinsicht weit mehr bedeutet, als man den Ergebnislisten entnehmen kann. Seit über vier Jahren hatte der Klardorfer keinen Triathlon mehr bestritten. Stattdessen war er auf den Ultradistanzen unterwegs gewesen. Kein Wunder, dass für die Kallmünzer Triathleten die Erfolgsmeldung wie aus heiterem Himmel kam. „Wir haben das gar nicht mitbekommen“, sagte Georg Bayerl, der stellvertretende Abteilungsleiter des ATSV Kallmünz, überrascht. „Alle dachten, er ist verletzt“.

Ende einer Leidensgeschichte

Das war er auch. Der jüngste Erfolg ist das positive Ende einer Leidensgeschichte, die fast zwei Jahre dauerte. Damals, im Dezember 2013 saß Budt auf der Triathlon-Weihnachtsfeier zusammengesunken auf einem Stuhl. „Die Hüfte macht Probleme“, murmelte er leise mit verkniffener Miene. „Das könnte diesmal lange dauern“. Trotz Cola-Weizens, das er so gerne mag und auch mal bei Langdistanzrennen zur Stärkung trinkt, keine Spur vom seinem sonst so breiten Grinsen. Sein Körper spielte nicht mehr mit. Bei einem Blick auf einige Höhepunkte seines Wettkampfkalenders mag dies nicht verwundern: Ironman-Veranstaltungen auf Hawaii 2008 und 2010, der Zugspitz Ultratrail – ein Lauf über 69 Kilometer – oder seine Alpenüberquerung beim Salomon 4Trail (160 Kilometer in vier Tagen). Sport in Extremform forderte seinen Tribut. Die Ärzte hätten ihm gar die Sportinvalidität bescheinigt, sagte Söllner. Doch die Diagnose konnte der Dauerläufer, der für seinen Sport lebt, nicht akzeptieren.

Vor sechs Wochen entschied er dann, es noch einmal versuchen zu wollen. Mit dem Training in China war es allerdings so eine Sache. „Der guten Luft wegen“, wie der 52-Jährige ironisch bemerkte, konnte er sich nur in einer Halle vorbereiten. Trotzdem schaffte er es, rechtzeitig in Form zu kommen. Das sagt viel über den Sportler Jürgen Söllner aus. Ebenso, dass er eine körperliche Tortur wie die Challenge Philippines für sein Comeback wählte. Budts Triathlon-Kameraden wissen um seinen Ehrgeiz, seine Verbissenheit und seine Fähigkeit, über sich hinauszuwachsen. Deswegen war die Überraschung über den Sieg nur von kurzer Dauer. „Eigentlich hätten wir es ahnen können“, sagte Georg Bayerl. „Wenn einer so etwas schafft, dann er. Der Budt ist einfach unverwüstlich.“

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