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Kultur

Kurzfilme am laufenden Band

Regisseurin Julia Schnorrer und Kinobetreiber Frederik Hohrath veranstalten im September ein weiteres Festival in Schwandorf.
Von Hubert Heinzl

  • Julia Schnorrer und Frederik Hohrath, der Betreiber des Schwandorfer Kinos, planen im Herbst ein Kurzfilm-Festival. Foto: Heinzl
  • Das Hustle Film Team aus Beratzhausen (unser Bild entstand beim Alpencross 2016) wird bei den Kurzfilmtagen sein neuestes Projekt vorstellen – eine Mountainbike-Tour auf die Zugspitze. Foto: Grötsch

Schwandorf.Schwandorf entwickelt sich zur Kino-Stadt. Die von Anne Schleicher initiierten Dokumentarfilmtage, das „Zwickl“-Festival, sind im siebten Jahr ihres Bestehens längst zur Marke geworden. Unter dem Motto „Filmnächte an der Naab“ ist vom 26. Juli bis zum 11. August wieder ein Open Air-Kino im Stadtpark geplant. Und jetzt wollen die freischaffende Regisseurin Julia Schnorrer (27) und Frederik Hohrath, der Betreiber des „Lichtwerk“-Kinos an der Postgartenstraße, noch eins draufsetzen. Die beiden Organisatoren planen ein Festival, bei dem ausschließlich Kurzfilme im Fokus stehen sollen. Vom 28. bis zum 30. September werden im Schwandorfer Kino zwischen 60 und 80 Filme zu sehen sein, die bei aller Vielfalt eines gemeinsam haben: Nach allerhöchstens einer halben Stunde ist Schluss.

„Eine Ergänzung des Angebots“





Natürlich gibt es da auch noch die Regensburger Kurzfilmwoche, aber die findet bekanntlich Mitte März statt. Und weil die Schwandorfer Dokumentarfilmtage mit ihrer 7. Auflage ebenfalls ins nächste Frühjahr ausweichen, haben die beiden Organisatoren beschlossen, die Zwickl-freie Zeit im Herbst zu nutzen. Eine Konkurrenz sehen sie darin nicht, sondern „eher Synergien und eine Ergänzung des Angebots“, wie Julia Schnorrer formuliert. Bei „Zwickl“-Initiatorin Anne Schleicher wurde denn auch schon angefragt, ob sie nicht eine Doku für das Kurzfilmfestival auswählen will.

Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld, der das Konzept vor kurzem vorgestellt wurde, sieht darin eine absolute Bereicherung. „Ich finde es toll, dass hier weitere Kulturschaffende die Initiative ergreifen. Das ist eine großartige Projektidee“, sagte sie auf Anfrage der Mittelbayerischen. Jetzt sollen gemeinsam Ideen ausgelotet werden, „auf welche Art und Weise die Stadt das unterstützen kann“.

Julia Schnorrer aus Schwandorf trägt beim Kurzfilm-Event im Herbst die Hauptlast der Programm-Arbeit. Hunderte von Filmen hat sie gesichtet und ist jetzt dabei, sie zu sinnvollen, 70 bis 90 Minuten langen Paketen zu schnüren. Denn für einen 180-Sekunden-Streifen allein geht natürlich keiner extra ins Kino.

Die Bandbreite der Themen ist so vielfältig wie das Leben selbst: Was fühlen Menschen, wenn sie vom Zehn-Meter-Turm springen? Wieso brechen sechs Leute in eine Wohnung ein, um Musik zu machen? Wie beeinflussen Influencer auf YouTube das Konsumverhalten? Um Spukhäuser geht es und um sportliche Leistungen, um die Gefühlswelt von Heranwachsenden und die Erlebnisse von Hase „Rabbit“. Auch eine Deutschlandpremiere wird es geben – vom „Hustle Film Team“ aus Beratzhausen, das im vergangenen Jahr beim Jugendfilmfestival den Publikumspreis abgeräumt hat. Wieder haben sich die drei Nachwuchsfilmer mit dem Mountainbike in den Alpen getummelt und ihre Tour dokumentiert. Das Hustle Film Team wird beim Kurzfilm-Festival ebenso zugegen sein wie andere Filmemacher(innen) auch.

Hier sehen Sie den Trailer von Alpencross 2016:

Auch ein eigenes Kinderprogramm am Festival-Sonntag hat Julia Schnorrer vorgesehen.

Die 27-Jährige ist mit der Materie durchaus vertraut. Ein Studium der Anthropologie und Filmwissenschaften in Berlin hat sie inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Aber sie hat auch selber bei zwei Kurzfilmen Regie geführt, und beide feierten im Schwandorfer Kino Premiere – „Acceptance/Akzeptanz“, eine Geschichte um weibliche Homosexualität, und der Acht-Minuten-Krimi „The Hacker“.

Hier sehen Sie den Trailer von „The Hacker“:

The Hacker (2017) - Teaser #2 from Julia JayEz Schnorrer on Vimeo.

Was sie am Kurzfilm reizt? Die Vielfalt der Themen und das vergleichsweise überschaubare Budget natürlich. Aber auch die Fokussierung, die aus den begrenzten Mitteln zwangsläufig erwächst. „Man muss sich auf das Wesentliche beschränken. Der Kurzfilm kommt relativ schnell auf den Punkt“. Und damit entspricht er vielleicht auch den Sehgewohnheiten von Mediennutzern, die schon die Geduld verlieren, wenn ein Video mal länger als eine Viertelstunde dauert.

Mehr junge Leute ansprechen





„Wir wollen noch mehr junge Leute ansprechen; aber die Filme können natürlich auch Erwachsenen gefallen“, beschreibt Schnorrer die Zielsetzung. Auf eine Feststellung legen beide Organisatoren Wert: Bei allem Mut zum Experiment soll die Unterhaltung nicht zu kurz kommen. Das Festival ist beileibe nicht nur für Hardcore-Cineasten gedacht. Wenn die Premiere ankommt, soll das Kurzfilm-Event zur regelmäßigen Einrichtung werden – möglicherweise mit einem erweiterten Konzept. Nach dem Festival will Kinobetreiber Hohrath außerdem sein reguläres Programm regelmäßig mit Kurzfilmen im Vorspann anreichern.

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Kurzfilm-Festival in Schwandorf

  • Termin:

    Vom Freitag, 28. bis Sonntag, 30. September, im Schwandorfer „Lichtwerk“-Kino an der Postgartenstraße. Am Donnerstagabend soll die Eröffnungsveranstaltung stattfinden. Bespielt werden beide Kinosäle.

  • Organisatoren:

    Julia Schnorrer, freischaffende Regisseurin aus Schwandorf; Kinobetreiber Frederik Hohrath.

  • Programm:

    Gezeigt werden zwischen 60 und 80 Kurzfilme, jeweils in 70- bis 90-minütigen Blocks. Für Kinder gibt es ein eigenes Programm, für Schulklassen können Zusatzvorstellungen vereinbart werden.

  • Eintritt:

    Der Eintritt pro Film-Block soll 3,50 Euro kosten; für Mehrfach-Tickets gibt es ermäßigte Preise. (hh)

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