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Leserbrief

Lärm: Der Skandal sind die „Legalen“

Zum Artikel „Unmut über röhrende Motoren“ (29. Mai) äußert sich ein Leser.

Der Lärmpegel mancher Auspuffanlagen ist unerträglich. symbolFoto:
              Roland Weihrauch/dpa
Der Lärmpegel mancher Auspuffanlagen ist unerträglich. symbolFoto: Roland Weihrauch/dpa

In der Sache hat „Stefan B.“ recht. Dass die Altanlieger nichts unternehmen, stimmt aber nur zum Teil.

Brennpunkt ist die Strecke um die OMV-Tankstelle in Burglengenfeld, inklusive der „heimlichen“ Umgehungsstraße, der Lindenstraße. Eigentlich 30er-Zone, endete ein Vorstoß beim damaligen Bürgermeister Heinz Karg, die Ausschilderung so auszuführen, dass sie für Autofahrer auch erkennbar ist, im Papierkorb.

Wer macht die Probleme? Die Sankas aus der Lindenstraße nicht. Die sind angenehmer als der Rest. Es sind die Drifter, die Bastler, die ihre Auspuffanlage so modifizieren, dass sie künstliche Fehlzündungen erzeugen, und Bypässe um die Schalldämpfer legen. Und es sind die Motorräder, in erster Linie kleine Enduros, deren Fahrer gezielt am Gas drehen, während sie das Viertel umrunden. Dass es auch anders geht, zeigen die verantwortungsvollen Motorradfahrer. Die Technik hat längst die Vorschriften überholt.

Der Skandal sind die „Legalen“. Da folgt das Muster dem Versagen unserer Regierung im Dieselskandal. Zuständig dafür ist das Verkehrsministerium, seit zwölf Jahren fest in CSU-Hand. Das Problem ist altbekannt. Zeitungen berichteten darüber, die ARD und dergleichen mehr. Der BUND warnte. Es gibt die §§ 30 (1) und 49 (1) in der StVO. Und, da ist die EU besser als die deutsche Regierung, es gibt eine EU-Verordnung zur Lärmreduktion für KFZ. Lasch und weit unter dem Machbaren, aber immerhin.

Wieder konterkariert die Automobil-Industrie die Gesetze und umschifft geschickt praxisferne Messzyklen. Gezielt geplant und fix und fertig montiert. Zum Teil mit automatischer Abschaltung bei zu hohen Drehzahlen, nicht um die Anwohner zu schonen, nein Motorschäden sollen verhindert werden. Zunächst nur in den MG/RS/M-Modellen von Mercedes, Audi und BMW verfügbar, gibt es sie jetzt auch in Einsteigermodellen wie den Fiesta ST. Von den Konzernen aktiv beworben, können extra eingebaute Ventile im Auspuffstrang bequem von der Mittelkonsole aus gesteuert werden, einzig dazu da, mehr Lärm zu machen, nennt sich Racing-Modus.

Racing in der Ortschaft. Geht es noch? Die Anpassung der Vorschriften an den Stand der Technik müsste in den Behörden eigentlich Routine sein. Bei Reifen beispielsweise gibt es effiziente, bezahlbare Entwicklungen – aus Asien. Scheinbar macht Politik dort die richtigen Vorgaben. In einem ist Bayern laut BR allerdings Spitze, bei den Luftschadstoffen. München hat die dreckigste Luft der Republik und das ganz ohne Schiffsdiesel. Bravo!

Axel Seidel-Danielzik


93133 Burglengenfeld

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