mz_logo

Region Schwandorf
Freitag, 21. September 2018 25° 4

Energiewende

Landwirte stehen unter Strom

Der jüngste Vorschlag für den Südostlink erzürnt Burglengenfelder Bauern. Am Infostand von TenneT entlud sich der Unmut.
Von Thomas Rieke

So sieht es aus, wenn ein Erdkabel für Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) verlegt wird. Eine Trommel kann mit bis zu 1000 Metern Kabel bestückt sein.  Foto: Klaus von Mandelsloh
So sieht es aus, wenn ein Erdkabel für Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) verlegt wird. Eine Trommel kann mit bis zu 1000 Metern Kabel bestückt sein. Foto: Klaus von Mandelsloh

Burglengenfeld. Wieso wird jetzt ausgerechnet diese Trasse untersucht? Wieso will man unbedingt in die Erde und nutzt nicht vorhandene Masten? Welche Auswirkungen hat das Hochspannungs-Gleichstromkabel auf das Bodenleben und Pflanzen? Mit solchen Fragen sah sich am Dienstag Carolin Kürth, ihres Zeichens Referentin für Bürgerbeteiligung beim Netzbetreiber TenneT, konfrontiert.

Kaum hatte sie am Marktplatz die Klappe ihres Infomobils geöffnet sowie Plakate aufgestellt und Broschüren bereitgelegt, standen auch schon die ersten Bürger da, um ihr Herz auszuschütten, darunter mehrere Landwirte und Kommunalpolitiker.

„Uns träfe es besonders hart“

Denn der jüngste Vorschlag, für die geplante Gleichstromtrasse vom sächsischen Wolmirstedt ins niederbayerische Landshut (Südost-Link genannt), respektive eine Querverbindung der ins Auge gefassten Trassenkorridore auch eine Strecke über Bubach – Pottenstetten – Mossendorf zu untersuchen, hat in Burglengenfeld heftiges Kopfschütteln ausgelöst. Die Entwicklungsmöglichkeiten der Stadt würden massiv beeinträchtigt, ist sich der Stadtrat einig – und gab dies auch so in einer Resolution an TenneT und die Bundesnetzagentur kund (MZ berichtete bereits im März!).

Thomas Hofmann (links), stellvertretender Chef der CSU-Stadtratsfraktion, diskutierte engagiert mit. Rechts neben ihm: Sebastian Bösl, Sprecher der Burglengenfelder SPD im Stadtrat Foto: Rieke
Thomas Hofmann (links), stellvertretender Chef der CSU-Stadtratsfraktion, diskutierte engagiert mit. Rechts neben ihm: Sebastian Bösl, Sprecher der Burglengenfelder SPD im Stadtrat Foto: Rieke

Zu den Mandatsträgern, die sich nun die Chance nicht entgehen lassen wollten, vor Ort Flagge zu zeigen, zählte Thomas Hofmann. Der stellvertretende Chef der CSU-Stadtratsfraktion ist Agrarier und kann folglich ein Lied davon singen, wie schwierig es für seine Kollegen geworden ist, die Herausforderungen der Zeit zu meistern, und was ihnen in den letzten Jahren speziell in der Region schon alles zugemutet wurde. „Uns träfe es besonders hart. Nach der Gaspipeline und der 110-kV-Leitung wäre das das dritte Großprojekt in zehn Jahren“, sagte er. „Wenn das so durchgeht, sind wir fertig“, ergänzte ein weiterer Landwirt.

Noch ist es nicht so weit. Und Carolin Kürth scheute sich nicht preiszugeben, dass die strittige Spange auch aus Sicht von TenneT eigentlich keine kluge Lösung wäre. Sie betonte aber auch: „Wir müssen das untersuchen, das hat uns die Netzagentur aufgetragen.“ Zwar gibt es theoretisch längst einen Alternativvorschlag (südlich von Burglengenfeld); doch der funktioniere nur, wenn die Strecke von Katzdorf aus in Richtung Süden realisiert werden könne. Sollte dies nicht der Fall sein, eröffne der andere Weg neue Möglichkeiten. Aufgabe von TenneT sei es jetzt, fachlich zu begründen, was die schlechtere Variante sei.

Neben SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl gesellte sich auch CSU-Bürgermeister Thomas Gesche zu der Runde; er hatte bereits tags zuvor Kontakt zu Kürth gesucht, um den städtischen Standpunkt noch einmal vorzutragen. Bereits im März hatte er an die Bundesnetzagentur eine Protestnote gerichtet.

Die Antwort ließ zwar nicht lange auf sich warten, konnte ihn inhaltlich aber keineswegs zufriedenstellen. Die Agentur erklärte, weshalb die aus Burglengenfelder Sicht inakzeptable Querverbindung in das Verfahren aufgenommen wurde. Ein „Träger öffentlicher Belange“ (namentlich nicht näher bezeichnet) habe vorgeschlagen, den Südostlink mit der 110-kV-Leitung zu bündeln. Bei der deshalb durchgeführten „Evidenzprüfung“ habe sich die Spange als „nicht offensichtlich unvorteilhaft“ herausgestellt. Der nächste Schritt, die sogenannte Grobprüfung, sei der logische Schritt gewesen.

Trasse neben der A93 gestorben

Ferner teilte die Agentur mit, weshalb die von Gesche (und anderen) für den Hauptkorridor immer wieder ins Spiel gebrachte Lösung, nämlich ein Trassenverlauf parallel zur Autobahn, für sie längst kein Thema mehr ist: Diese Idee habe sich schon sehr früh gegenüber einer Alternative als „deutlich nachteilig“ erwiesen. Eine erneute Untersuchung, die wegen des massiven Drucks aus der Antragskonferenz im Juni 2017 erfolgt sei, habe kein anderes Ergebnis geliefert.

Gesche lässt sich davon nicht beeindrucken. Er verweist gegenüber unserem Medienhaus darauf, dass man sich noch immer nicht im wirklich relevanten Prüfungsverfahren befinde. Die Stadt werde nicht ruhen, sich gegen die neue Spange zu wehren. Sie durchschneide das Abbaugebiet des Zementwerks, und allein das sei schon ein „No-Go“.

Unterdessen wird bei Landwirten schon darüber diskutiert, wie wohl eine Entschädigung aussehen würde, wenn die Trasse nicht zu verhindern ist. Carolin Kürth sprach von einer einmaligen Abfindung; die Höhe stehe noch nicht fest. Reaktion eines Bauern: „Als Landwirt wirst du immer abgespeist. Du kriegst einmal Kohle, hast aber jedes Jahr mehr Aufwand.“

Hier lesen Sie mehr Nachrichten aus Burglengenfeld.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht