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Open Air

Leben „im Hier und Jetzt“

Beim „Yoga Sound and See Festival“ am Steinberger See drehte sich alles um die Jahrtausende alte Philosophie aus Indien.
Von Renate Ahrens

Die Lomi-Massage kommt aus Hawaii und wirkt durch die Kraft der Berührung. Fotos: Ahrens
Die Lomi-Massage kommt aus Hawaii und wirkt durch die Kraft der Berührung. Fotos: Ahrens

Steinberg am See.Getrieben im Alltag zu sein, dieses Gefühl kenne doch jeder, sagt Christian Seiler, lehnt sich entspannt zurück und blickt zum See, auf dem weiße Segelschiffe treiben. Aus einem bunten Zelt ertönen sphärische Klänge. Man hangle sich von einem Termin, von einem Wochenende zum nächsten und zähle die Wochen bis zum Urlaub. „Das kann nicht das Ziel sein. Wir sind zu sehr projiziert in die Zukunft. Dabei ist alles, was wir suchen, im Hier und Jetzt“, betont der 44-Jährige.

Viele Menschen würden sich selbst nicht mehr spüren, dabei das gehe am besten über Bewegung und Atmung. Anderen einen Zugang zu Yoga zu ermöglichen, das war für ihn einer der Gründe, zum viertägigen „Yoga Sound and Sea“-Festival einzuladen.

Mehr Bewusstsein erlangen

Laut Navid Talebi, Tim Küchling und Christian Seiler, den drei Veranstaltern, war es eines der größten Yoga-Open-Air-Veranstaltungen dieser Art. „Wir wollten daran erinnern, was Yoga eigentlich ist – nämlich mehr Bewusstsein und Wahrnehmung zu erlangen.“ Seit etwa 20 Jahren, so Seiler, erlebe Yoga einen Main Stream, ist modern und in. Auch Seiler praktiziert es seitdem, inzwischen ist er Yoga-Lehrer in Nürnberg.

Auch die Kinder durften Yoga spielerisch ausprobieren und hatten Spaß.
Auch die Kinder durften Yoga spielerisch ausprobieren und hatten Spaß.

Begonnen hat das Festival am 21. Juni, dem Welt-Yoga-Tag, am Ufer des Steinberger Sees. Etwa 800 Besucher waren gekommen, die meisten bleiben an allen vier Tagen, erklärt Seiler. Direkt auf dem Gelände übernachten Yogis in kleinen bunten Zelten, andere in Pensionen und Hotels. Viele spazieren gerade mit einer Matte unter dem Arm zielstrebig und doch entspannt zum nächsten Kurs in einem der großen Zelte. „Acro-Yoga“ beginnt nun im „Shiva’s Garden“ und ist anscheinend besonders beliebt. „Es geht dabei um nachhaltige Zusammenarbeit“, erklärt Kursleiter Pascal Weis den Teilnehmern, die im Halbkreis um ihn stehen. „Man kann immer entweder miteinander oder gegeneinander praktizieren. Die Linie dazwischen ist dünn.“

Acro-Yoga ist eine Mischung zwischen Yoga und Akrobatik, dazu braucht es zwei Personen. Eine „gewisse Leichtigkeit“ soll man in den Alltag mitnehmen, sagt Pascal. „Und einen Weg finden, wie eine Beziehung zwischen zwei Menschen einige Jahre halten kann.“

Er zeigt die erste Übung: Man fasst sich wie beim Tanz an beiden Händen und schließt die Augen. Der eine führt nun den anderen Partner durch das Zelt. Dann wird der „Flieger“ geübt: Einer liegt am Boden und hebt den Anderen in die Höhe. Nebenbei könnten so Muskelverspannungen gelöst werden.

Am besten an Kraftorten

Das Angebot beim Festival ist groß und vielfältig, doch es gehe nicht darum, möglichst viel zu machen, sagen die Veranstalter, sondern auch einfach etwas bis dahin Unbekanntes und Neues auszuprobieren – und dazwischen zu entspannen, sich „Raum zu gönnen“ in der Stille am See und der Natur. „Wenn man ausschließlich unseren Vorlieben und Abneigungen die Entscheidungen überlässt, wird das Leben stumpf und einseitig“, so sagt Seiler. „Im Sein liegt eine größere Kraft als im Tun, also sollte man mehr auf seine Stimme hören und das tun, wonach einem gerade ist.“

Spirituelle Musik erklang aus den Zelten über den Platz.
Spirituelle Musik erklang aus den Zelten über den Platz.

Zum Beispiel konnte man sich hier am Stand-up-Paddeling probieren oder am Wakeboarden. Ein wichtiger Punkt im Programm war den Veranstaltern auch die Säuberungsaktion am See. Am Samstag trafen sich alle Yogis, gingen um den See und sammelten Plastik und Müll. Eine große Menge sei zusammengekommen, berichtet Seiler und hebt beim Spaziergang über das Festivalgelände immer wieder hier eine Zigarettenkippe auf und dort ein Papier. Auffällig sauber ist es so überall.

Auch das angebotene Essen sollte deshalb möglichst regional, vegan und biologisch sein und die Yogis brachten dafür eigenes Geschirr mit statt Wegwerfteller. Knusprige „Rohkost-Pizza“ verkauft zum Beispiel Dominque Stärr vom Stand „Lebensfrohkost“, selbst Yogalehrerin. Das grüne Müsli aus Spirulina-Algen und „goldener Milch“ aus Cashewnüssen und Zimt schmeckt überraschend gut. Ein indischer Koch bereitet nebenan Ayurveda-Reis zu. Aber auch Textilien, Schmuck oder Naturkosmetik wurden von Yogis für Yogis geboten.

„80 Prozent unserer Ängste sind fiktiv. Aber das Gehirn kennt den Unterschied nicht.“

Christian Seiler, Organisator

Johannes Riener kommt gerade aus Indien, wo er handgesponnene und handgewebte Stoffe wie Baumwolle, Hanf, Rohseide oder Bambus mit Pflanzenfarben gefärbt und bedruckt hat und die Hemden und Schals hier verkauft. „Die Arbeiter dort werden fair bezahlt“, betont der 41-jährige studierte Modedesigner mit den langen Dreadlocks. Jeden Abend wurden außerdem Konzerte mit namhaften Künstlern abgehalten, mit Weltmusik und mit Instrumenten, die die Zuhörer helfen sollten, in einen Zustand innerer Ruhe zu gelangen – Musik, die „Seele und Herz berührt“, bringt es Seiler auf den Punkt.

Der Kraftort am See

  • Methode:

    Yoga ist eine Jahrtausende alte Methode, die in Indien entdeckt wurde. Durch einfache körperliche Übungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Übungen mit besonderer Atmung (Mudras) und Konzentrationsübungen soll sich Körperbewusstsein und Wahrnehmung zum Positiven verändern.

  • Programm:

    Vieles wurde beim Festival geboten, wie Chakren-Yoga, Hatha-Yoga und Yin-Yoga – oder auch Wyda, das Yoga der keltischen Druiden, das am besten an Kraftorten wie hier am See praktiziert werde und eine besondere Kraftquelle sei. Dazu gab es Workshops. Vorträge und jeden Abend ein Konzert.

  • Müllsammelaktion:

    „Wir wollen diesem wunderbaren Ort etwas zurückgeben“, sagen die Veranstalter. „In einer Zeit, in der jeder nur an seinen Profit denkt, wollen wir das Festival im Geiste des Yogas in einem anderen Kontext gestalten.“ Um den See wurde deshalb Müll gesammelt und beim Festival auf die Umwelt geachtet.

Am Freitag und Samstag wurden sogar Feuershows geboten. Die Besucher waren begeistert, genossen alles und waren sich einig: Die Atmosphäre allein sei einfach entspannend und wohltuend.

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